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Einer mit dem besonderen Touch Aussenseiter HCR

Im Playoff-Viertelfinal trifft der HC Rychenberg ab heute auf Cupsieger Alligator Malans. Ein Spieler, der es für die Winterthurer richten soll, ist Jens Frejd.Playoff-Viertelfinal

Unihockey ist ein Teamsport. Grundlage des Erfolgs ist gemeinhin ein funktionierendes Kollektiv. Doch oft sind es herausragende Individualisten, die mit ihrer Klasse Spiele entscheiden. Einer mit dem besonderen Touch ist Jens Frejd, der auf diese Saison beim HCR angeheuert hat. Schon rein äusserlich fällt der 28-jäh­rige Schwede auf: seine kurze Frisur, sein auffälliges Tattoo auf dem Arm und sein – auf dem Spielfeld – stechender Blick vermitteln das Bild eines wilden Kriegers. Doch Frejd ist alles andere als ein brachialer Kämpfer. Vielmehr ist er ein Filou mit feiner Klinge, der mit Unberechenbarkeit und technischen Fertigkeiten jeden Gegenspieler auf dem falschen Fuss erwischen kann. Oder wie es der Routinier selber formuliert: «Ich bin torgefährlich, schlau und mache gerne das Unerwartete.» Dies musste sein neuer Klub ­ in den letztjährigen Viertelfinals leidvoll erfahren. Frejd war für die Langnauer Tigers an fast jedem wichtigen Tor beteiligt und warf den HCR (und im Halbfinal auch Ma­lans) nahezu im Alleingang aus dem Wettbewerb. Das Repertoire erweitert Bereits in seinem ersten Jahr in der Schweiz, 2010 bei Grünenmatt-Sumiswald, machte er mit seinem Flair fürs Unerwartete von sich reden. Er führte den «Air­hook» auf hiesigen Unihockeyfeldern ein, jene Finesse, den Ball auf die Schaufel zu laden und ihn um den Torhüter oder den Gegenspieler zu drehen. Der Air­hook wurde zu Frejds Markenzeichen, und noch heute setzt er ihn immer wieder ein, allerdings viel dosierter und gezielter: «Ich brauche ihn immer noch. Aber ich denke, dass ich mich stetig weiterentwickelt habe und ein kompletterer Spieler bin als vor fünf Jahren.» Diese Einschätzung unterstreichen die Zahlen. War er 2010 noch fast ausschliesslich ein kaltblütiger Vollstrecker gewesen, wies er in der laufenden Saison eine ausgeglichene Bilanz aus: In 22 Partien traf er 25 Mal ins Tor und lieferte 24 Mal das finale Zuspiel. Damit nimmt er den 4. Platz der NLA-Skorerliste ein. «Flouse im Chopf» Frejd sei ein «vorbildlicher und leidenschaftlicher Teamplayer, der sich stets fürs Wohl der Mannschaft einsetzt», sagt HCR-Captain Lukas Grunder. «Mein persönlicher Favorit ist die verspielte Seite, die er jeweils in perfektem Berndeutsch mit den Worten ‹Hüt han ig Flouse im Chopf› einläutet. Jens ist spielerisch und menschlich eine grosse Bereicherung für unsere Mannschaft.» Das Sportlerblut hat Frejd nicht zuletzt von seiner Mutter Lotta, einer ehemaligen Fussballerin auf höchstem Niveau. Ihr Filius begann, mit fünf Jahren in seiner Heimatstadt Eskilstuna Fussball zu spielen. Er versuchte viele Sportarten, unter anderem mit acht Jahren Unihockey, bis er sich als 17-Jäh­riger entscheiden musste: «Damals spielte ich Fussball und Unihockey auf einem hohen Niveau. Doch mit 17 wurde es unmöglich, beides zu kombinieren. Weil ich damals im U19-Nationalteam war, wählte ich Unihockey.» Mit 21 bestritt er für den Jär­fälla IBK seine erste Saison in ­ der obersten schwedischen Liga. 2009 folgte er dem Ruf des UHC Grünenmatt-Sumiswald und verhalf der Nummer 4 des Kantons Bern mit 85 Toren in drei Jahren zu drei Play­off-Teil­nahmen. Mit der Goldmedaille und der Krone des Top­sko­rers an der Studenten-WM 2010 unterstrich er seine Qualitäten. An seiner Produktivität änderte auch nichts, als er sich 2012 Langnau anschloss. Gelungener Einstieg Der Wechsel nach Winterthur, den er mit einem Anruf selber initiiert hatte, sei ihm gut gelungen: «Ich konnte mich schnell in die Mannschaft integrieren.» Der Saisonstart ging dann aber gründlich daneben: «Klar war das nicht lustig, aber wir spielten schon da eigentlich nicht so schlecht. Deshalb machte ich mir nicht allzu grosse Sorgen.» Und nach fünf Niederlagen schaffte man den Umschwung: «Wir ar­bei­te­ten an den Details, und das lohnte sich eindeutig. Wir machen nun auch viel seltener einfache Fehler.» Solche hätten im Playoff-Viertelfinal fatale Folgen. Aber Frejd ist optimistisch: «Ma­lans ist ein sehr starker Gegner. Aber wir ­haben bewiesen, dass wir jeden schlagen können, sofern wir gut spielen.» Noch fehlte dem HCR ­jene unerschütterliche Konstanz, die für ein Vorrücken in die Top 4 nahezu unabdingbar ist: «Wir ­ sind eine launische Mannschaft, im positiven wie negativen Sinn.» Vorerst freut er sich einfach mal auf die Playoffs: «Ich liebe die Momente, in denen es um die Wurst geht, und spiele oft unter Druck bes­ser.» Los geht es heute Abend in Maienfeld. René Bachmann Die Best-of-7-Serie zwischen dem HCR und Malans ist die Neuauflage des Halbfinals 2013. Damals setzten sich die Bündner 4:1 durch und feierten später den Meistertitel. Die auffälligste Retouche seither war der Trainerwechsel, weg vom Finnen Akseli Ahtiainen und hin zum Schweden Daniel Hahne. Doch auch unter dem neuen Trainer blieb Ma­lans nicht zuletzt bei Kontern brandgefährlich. Wieder kommt dem HCR die Rolle des Aussenseiters zu. Einerseits beendeten die Ma­lan­ser die Qualifikation 14 Punkte und fünf Ränge vor den Winterthurern auf dem 2. Platz, andererseits setzten sie sich in den beiden Duellen ziemlich pro­blem­los 8:3 und 12:2 durch. Doch in den Playoffs beginnt ­alles wieder bei null. Und der HCR hat in der zweiten Hälfte der Qualifikation mit Siegen gegen Langnau, GC und Köniz gezeigt, dass er sich vor keinem Gegner verstecken muss.

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