Zum Hauptinhalt springen

Einfach temperamentvoll

Die Free Opera Company zeigt im Zürcher Theater Rigiblick die Opera buffa «I due Figaro» des Rossini-Zeitgenossen Michele Carafa (1787–1872). Eine gut besetzte, quirlige Produktion, die am Sonntag erfolgreich Premiere feierte.

Michele Carafa hatte das Pech, neben Gioacchino Rossini bestehen zu müssen. Dennoch war er zu Lebzeiten berühmt und geachtet, immerhin hat er 40 Opern geschrieben, die erfolgreich aufgeführt wurden. Überlebt hat seine Musik jedoch nicht. Nun stellt Bruno Rauch mit seiner Free Opera Company Carafas «I due Figaro» zur Diskussion, eine heitere Geschichte rund um den ursprünglichen «Figaro», die dramaturgisch geschickt mit witzigen deutschsprachigen Dialogen von Bruno Rauch versehen wurde. Musikalisch ist Rossini omnipräsent: Virtuose Koloraturen stehen neben eingängigen Melodien, die Szenerie lebt von einem quirligen Durcheinander und Verwechselspiel, der Orchestersatz ist oft sehr dramatisch. Es gibt jedoch nichts, aber auch gar nichts Hintergründiges. Dafür dauert das Stück mit knapp drei Stunden etwas gar lang, dramaturgisch hätte man mit Gewinn ein paar Nummern streichen können. Genuss mit Entfaltung Dies ist aber auch schon der einzige Schwachpunkt dieser Produktion. Sängerisch wie schauspielerisch ist sie ein echter Genuss. Die Figuren werden von Regisseur Bruno Rauch fantasie- und effektvoll geführt, die En­sem­bles hat Anne-Sophie Fenner eindrucksvoll choreografiert, und das Bühnenbild von Ingo Jonas ist leicht und zweckmässig gebaut. So spielt diese «Figaro»-Geschichte, die als «Masterarbeit» eines WG-Studenten quasi spontan erfunden und erzählt wird, vor vier verschiebbaren Doppeltür-Elementen. Diese dienen als Versteckkasten oder Auftrittsportale, und kehrt man sie um, sind sie kuschlige Schmuse-Ecken. Herrlich, wie sich darin die Sänger-Darsteller(innen) entfalten. In der Rolle des «selbst eingesetzten» Figaro, der alle Fäden ziehen möchte und dennoch die Kontrolle über die Geschichte verliert, weiss Milan Siljanov mit seinem markanten Bassbariton und wuchtiger Erscheinung zu gefallen. Sein Gegenspieler, «Figaro due» oder Cherubino, wird von Viktor Majzik mit anschmiegsamer Baritonstimme witzig und doppelbödig gegeben. Dazu passt der warme, lyrische Tenor von Laurent Galabur als Graf Almaviva ausgezeichnet. Heikel zu besetzen sind die drei So- pranpartien: Susanna, die Gräfin Almaviva und deren Tochter Inez. Alle drei sind sängerisch hervorragend. Marina Bärtsch singt die Susanna agil und mit weichem Timbre, und sie spielt sie vor allem temperamentvoll und mit umwerfender Bühnenpräsenz. Aurea Marston singt die undankbare Rolle der Gräfin Almaviva, ausser ihrer Auftrittsarie hat sie nur En­sem­bles zu singen. Doch diese Auftrittsarie gestaltete sie wunderbar differenziert und verinnerlicht. Und dann die komisch-dramatische Koloraturpartie der Inez. Lucy de Butts, welche auch die «Königin der Nacht» in ihrem Repertoire hat, brachte diese virtuos-kecke Partie nicht nur sängerisch souverän aufs Parkett, sie agierte auch mit sprechender Mimik und verspieltem Trotz – eine grossartige Leistung. In den Nebenrollen vermochten der Bariton Wolf Latzel als Poet Plagio und der Tenor Jonathan Spicher als Hochstapler Alvaro je ihre eigene Note einzubringen. Spannkraft bis zum Schluss Es war für die absolut minimal besetzten Chamber Aartists «Chaarts» – Streichquartett und Kontrabass, dazu alle Holzbläser und Hörner – nicht einfach, diese sängerische Potenz adäquat zu begleiten. Sie gaben jedoch alles und hielten unter der souveränen Leitung von Emmanuel Siffert die dramatische Spannkraft bis zum Schluss durch. Weitere Aufführungen: Di, 25. Febr., 20 Uhr; Sa, 15. März, 20 Uhr; So, 16. März, 17 Uhr; Fr, 21. März, 20 Uhr; So, 23. März, 17 Uhr; Sa, 3. Mai, 20 Uhr; So, 4. Mai, 17 Uhr; So, 11. Mai, 17 Uhr www.freeopera.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch