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Einsilbiger Abschied vom Retter

pfÄffikon SZ. Der Industriekonzern OC Oerlikon macht wieder Schlagzeilen: Michael Buscher, der den Konzern aus der existenz- bedrohenden Krise geführt hat, geht per sofort von Bord. Die Börse hat die Nachricht negativ bewertet und die Aktie zurückgestuft.

Der 47-jährige Buscher mag ein brillanter Konzernchef sein – als Interviewpartner übertrifft er jedes Schlafmittel. Im Licht der jüngsten Entwicklung aber lohnt es sich, seine früheren Aussagen unter die Lupe zu nehmen: «Es ist derzeit nicht geplant, ihn zu verschieben», lautete vor elf Monaten seine Antwort auf die Frage der «Handelszeitung», wie lange sein Schreibtisch noch in der Schweiz stehe. Buschers Aussage war so kurzlebig formuliert, dass sie mit seinem Abgang tatsächlich nichts zu tun haben kann, ganz abgesehen davon, dass die Frage auf etwas ganz anderes zielte: auf die Möglichkeit nämlich, dass OC Oerlikon den Geschäftssitz in absehbarer Zeit ins Ausland verlegen könnte. Jetzt geht stattdessen Buscher – vermutlich ohne seinen bisherigen Schreibtisch. Aber es ist nicht einmal klar, ob ins Ausland oder nicht. In einer dürren Medienmitteilung seines bisherigen Arbeitgebers steht dazu nur, «dass CEO Dr. Michael Buscher das Unternehmen verlässt». Auf Nachfrage sagt Unternehmenssprecher Burkhard Boendel, die In­itia­ti­ve zu diesem Schritt sei von Buscher ausgegangen, der sich «nach drei erfolgreichen OC-Oerlikon-Jahren beruflich neu orientieren will». Wohin die Reise geht, «weiss man noch nicht», so Boendel. «Da laufen sicher Gespräche», deren Ergebnis wohl in absehbarer Zeit bekannt werde. «Bitterer Nachgeschmack» Natürlich könne man den Rücktritt in einen grösseren Zusammenhang einordnen und feststellen, Buscher habe seinen ersten Dreijahresplan bei OC Oerlikon vollendet und wolle sich jetzt etwas Neuem zuwenden, räumt ZKB-Analyst Armin Rechberger ein. «Aber es bleiben doch einige Unsicherheiten: War­um kommt der Rücktritt so kurzfristig?» Und selbst wenn man davon ausgehe, Buscher habe den Rücktritt ausdrücklich so gewünscht, bleibe doch der Einwand, «dass auch ihm das Wohlergehen der Firma am Herzen liegen muss». Die Börse habe ja klar zu erkennen gegeben, dass sie diesen Rücktritt negativ bewerte. «Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack», so Rechberger, der dar­auf hinweist, «dass im Communiqué von OC nichts davon steht, dass sich Buscher beruflich verändern möchte». «Klare Verhältnisse schaffen» Dass der erfolgreiche Sanierer den Konzern, der sich zu gut 49 Prozent im Besitz von Viktor Vekselbergs Renova befindet, gezwungenermassen verlässt, kann sich der Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB) «nicht vorstellen». Auch nicht aufgrund des abrupten Abgangs. Dazu sagt Konzernsprecher Boendel, wenn ein CEO zu verstehen gebe, dass er sich neu orientieren möchte, sei es «naheliegend, mit ihm eine zeitnahe Einigung zu finden, um klare Verhältnisse zu schaffen». Buschers Erfolge bei OC Oerlikon hätten sicher zu dieser Einigung beigetragen. Dessen Erfolgsbilanz ist unbestritten, was sich in den aktuellen Jahreszahlen spiegelt (Ausgabe vom 6. März). Laut Rechberger ist die Restrukturierung zu 80 bis 90 Prozent erfolgt. «Noch einiges zu tun gibt es sicher in der Division Drive Systems, dem wichtigsten Sorgenkind neben der Division Vacuum.» Dort müssten in den USA und in Italien noch einige Produktionswerke in die Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) verschoben werden. Denn trotz des generellen Aufschwungs in den USA laufe dort Drive Systems unbefriedigend, allerdings auch deshalb, weil «sich dieser Bereich spätzyklisch verhält und die Folgen der Finanzkrise immer noch spürt».

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