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Einst Ziel der Piraten: Die Mani

Die Halbinsel Mani ist der mittlere Finger des Peloponnes. Wer das Karge und Archaische liebt, durchstreift hier verlassene Siedlungen mit Wohntürmen oder sucht den einsamen Leuchtturm am Kap Tenaro auf.

«In diesen verlassenen Bergen, zu Fuss unterwegs zwischen Felsen und hochgelegenen Dörfern, ist es noch möglich, all die Veränderungen zu vergessen, die in der Welt und in Griechenland stattgefunden haben», schrieb Patrick Leigh Fermor 1972. Zwar legt der sanfte Tourismus im tiefen Süden inzwischen seine Spuren, das Gesagte gilt trotzdem immer noch. Kardamili und das schon etwas überdrehte Stoupa sind seither beliebte Individualistenziele geworden. Von der Flughafenstadt Kalamata aus fahren sogar Reisebusse in die Hafenstädtchen im Süden. Je weiter südlich wir aber auf gut befestigten Strassen gelangen, desto kärglicher wird die Landschaft und desto einsamer fühlt sich der Reisende. Das auf einer Anhöhe hingestellte Dorf Vathia mit seinen meist verlassenen Wohntürmen lädt zur abenteuerlichen Erkundung ein. Die bis zu 20 Meter hohen Türme verfügen über bis zu sieben Etagen. Sie waren bewohnt und dienten der Verteidigung ge­gen­über Angreifern vom Meer. Die spartanisch und funktional eingerichteten Bauten haben über meterdicke Mauern. Heute sind wieder einige von ihnen bewohnt und werden – wie unsere Rustici im Tessin – von Familien zurückerobert, die hier ihre Ferien verbringen. Ausgefischtes Meer Beschauliche Strände wie in Porto Kagio laden zum Bad bei 30 Grad Wassertemperatur. Die Ausbeute an Fischen ist für den Schnorchler allerdings gleich gering wie im Norden. Wir entdecken überall dieselben zwei Sorten, die dann wenigstens auch mal im ansehnlichen Schwarm auftreten. Ansonsten ist das Mittelmeer ausgefischt, das ist eine traurige Tatsache. Fischer sind in den Dörfchen an einer Hand abzuzählen und die Folge davon sehen wir später Richtung Nafplio in schlecht einsehbaren Buchten vom Auto aus: Fischzuchtanlagen, wohin das Auge reicht. Südlicher gehts nicht mehr Der stündige Marsch von Kokkinogia zum südlichsten Punkt, dem Kap Tenaro oder Matapan, hat seine Tücken. Als wir loswollen, sind noch Jäger auf der Fasanenjagd. Die Begleitung möchte zuwarten, bis der Spuk vorbei ist. Wir einigen uns schliesslich auf das Tragen von Westen in Leuchtfarben, um das Schlimmste zu verhindern. Der Trek lohnt sich tausendmal. Auf der Plattform vor dem Fünfmeterleuchtturm stockt uns der Atem, während weit draussen ein Frachter gemächlich vorbeizieht. Das Kap ist zusammen mit Gibraltar südlichster Landpunkt in Europa. Wir halten inne und stellen fest: Wenn Griechenland erst auf dem Peloponnes echt ist, dann ist der Peloponnes erst auf der Mani authentisch.

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