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«Eishockey soll auch unterhalten»

ZÜRICH. Auf dem Zürichsee präsentierte der Schweizer Eishockeyverband den neuen Nationalcoach Glen Hanlon.

Zwei Tage nach dem WM-Final und fünf Tage nach dem WM-Out von Weissrussland ist das Versteckspiel, das sich der Schweizer Verband eingebrockt hat, zu Ende gegangen. Der Kanadier Glen Hanlon (57), seit WM-Start als Nachfolger Sean Simpsons bekannt, wurde auch offiziell vorgestellt. Hanlon bezeichnete den Job als Schweizer Nationaltrainer als bestmöglichen in Europa. Und das sagt der neue Mann über seine neue Aufgabe, seine Vergangenheit in Weissrussland und über die Schweizer Aussichten.

War­um ist für Sie der Job des Schweizer Nationaltrainers derzeit der beste in ganz Europa?

Glen Hanlon: Weil ich als Headcoach der A-Nationalmannschaft auch in die Nachwuchsauswahlen U20 und U18 eingebunden bin. Dieses Schweizer Modell ist einmalig auf der Welt. Und weil die Lebensqualität in der Schweiz ausserordentlich hoch ist. Du siehst den Schweizern regelrecht an, dass sie glücklich sind. Im Moment kenne ich erst diese Sicht von aussen. Ich gastierte in der Schweiz zweimal an Weltmeisterschaften, nahm am Spengler-Cup teil und absolvierte hier Trainingslager und Trainingsspiele. Und ich könnte nichts Negatives sagen. Die Landschaft ist spektakulär. Die Reisen sind kurz. Vor allem kann die Familie in der Schweiz wieder bei mir leben, was in Weissrussland nicht möglich gewesen ist.

Was wissen Sie vom Schweizer Eishockey?

Die Qualität ist vorhanden. Die Liga verläuft unterhaltsam, es wird ausserordentlich schnell gespielt. Internationale Scouts bezeichnen die Schweizer Liga als eine der allerbesten in Bezug auf Tempo und Skills. Deshalb bin ich so aufgeregt und glücklich über meinen neuen Job. Diese Schweizer Qualitäten brachten meine Vorgänger gut in die Nationalmannschaft ein. Hohes Tempo ist eine Schweizer Qualität. Und ich werde diesen Weg weiterverfolgen.

Also wird das Nationalteam ähnlich spielen wie zuletzt unter Simpson?

Ich denke, das ist gar nicht anders möglich. Wir spielten mit Weissrussland vor der WM gegen Dänemark. Die Dänen waren die Nummer 15 der Weltrangliste und ihnen fehlten sechs NHL-Spieler. Aber sie spielten so schnell wie jedes andere Team in der A-Gruppe. Ohne tempostarkes Offensivspiel ist international nichts mehr zu gewinnen. Und genau dieses schnelle Offensivspiel machte die Schweiz in den letzten Jahren stark. Wir werden auch in Zukunft auf diese Stärke setzen. Und wir wollen auch weiter attraktives Hockey zelebrieren. Eishockey soll auch unterhalten. Und nicht nur die Fans mögen attraktives Hockey, auch die Spieler wollen unterhalten und lieber offensiv als defensiv spielen. Aber natürlich muss man auch gut organisiert sein, denn während rund der Hälfte des Spiels musst du dem Puck nachjagen.

Haben Sie von Ihrem Freund Sean Simp­son schon Tipps erhalten?

Nein, während der Weltmeisterschaft hatten wir logischerweise keinen Kontakt. Und seit Sonntag verfüge ich über kein Natel mehr, weil ich meines dem weissrussischen Verband zurückgab. Natürlich werde ich mich mit Sean Simp­son unterhalten. Aber ich werde mit ihm nicht über Spieler diskutieren. Jeder Spieler steht an der Startlinie und ich werde mir mein eigenes Bild machen.

Kannten Sie Ihren Assistenten John Fust schon von früher?

Wir haben uns am Montag erstmals getroffen. Aber es gibt da eine lustige Geschichte. Wir haben einen gemeinsamen Freund, einen Sportpsychologen. Und vor zwei Jahren hat dieser Freund mir gesagt, dass er uns gerne mal zusammenführen würde, damit wir zusammen eine Mannschaft coachen könnten. Zwei Jahre später passiert genau das.

Wie schwierig wurde die Si­tua­tion für Sie, als während der WM in Minsk plötzlich bekannt wurde, dass Sie zum Schweizer Verband wechseln?

Das war für die Schweizer womöglich heikler als für mich. Ich kommentierte die Story einfach nicht. Ich kon­zen­trier­te mich auf die Arbeit mit Weissrussland. Die ganze Geschichte war in der Garderobe während der WM nie ein Thema. Ich bereitete mich jeweils auch gut auf die Pressekonferenzen vor, denn ich wollte niemanden anlügen oder brüskieren.

Wann stand fest, dass Sie das Schweizer Team übernehmen werden?

Anfang April habe ich dem weissrussischen Verband mitgeteilt, dass ich mein letztes Vertragsjahr nicht mehr erfüllen würde. Und zwar aus rein familiären Gründen. Ich wollte nicht noch ein weiteres Jahr von meiner Familie getrennt leben. Erst dann gab es die Kontakte mit der Schweiz. Als die Schweizer vor der WM für zwei Spiele in Weissrussland gastierten, konkretisierte sich alles. Unterschrieben wurde der Vertrag aber erst am Montag in der Schweiz. Die Freigabe des weissrussischen Verbandes, bei dem ich für nächste Saison eigentlich noch unter Vertrag gestanden wäre, erhielt ich am Sonntag.

In der Schweiz ist die Erwartungshaltung stets hoch.

Wissen Sie was? Ich mag das. Das ist doch auch der interessante Teil am Trainerberuf, dass man nicht in jedem Jahr alle Ziele erreichen kann. Aber ich stehe lieber unter Druck und habe dafür die Chance, mit meiner Mannschaft etwas Grosses zu erreichen. Das ist besser, als von vornherein keine Chance zu haben. Die Schweiz hat vor einem Jahr in Stockholm bewiesen, dass sie in einen WM-Final einziehen kann. Manchmal wiederholt sich die Geschichte. Und dann wären wohl auch die Medien zufrieden – zumindest für einen Tag … (Interview: spg)

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