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Elektronik hilft beim Schalten

Zwölf Winterthurer Velohändler zeigen am Wochenende Trends der Branche. Zum Beispiel leichtgewichtige Kinder- und Elektrovelos, elektronische Schalthilfen – und etwas, was Sorge bereitet.

«Es wächst eine Generation heran, die nicht mehr Velo fährt.» Die Aussage von Markus Hänni ist krass formuliert, aber offenbar in der Velobranche breit abgestützt. Etwas weniger plakativ schiebt Hänni nach: «Viele Jugendliche fahren heute eher Bus als Velo, einerseits weil der ÖV stark ausgebaut wurde, andererseits weil das Warten auf den Bus nicht mehr als verlorene Zeit wahrgenommen wird.» Beim Warten und Fahren seien die Jugendlichen mit dem Handy beschäftigt, was beim Radfahren schwieriger ist – und gefährlich. Die Fateba, wo der Boom begann Trotz dieses Trends kann sich Hänni, der seit über 30 Jahren mit der Firma Fateba im Fahrradgeschäft ist, über Kundenmangel nicht beklagen: «Man wird nicht reich in diesem Geschäft, aber es läuft gut.» Fünf Angestellte arbeiten heute bei der Fateba, die 1983 mit ihren Liegevelos für Furore und einen Winterthurer Velofrühling sorgte. Einige Jahre später sprang die Fateba auf die Welle auf, die aus den USA über den Atlantik nach Europa schwappte: Mountainbikes. Das Velo war neu geboren, und der Babyboom hat seither angehalten: Velofahren in vielen Stilen blieb trendy. Heute ist die Fateba ein Geschäft wie andere auch, mit Velos verschiedener Marken und Bauart, mit Zubehör, Reparaturwerkstatt – und mit Liegevelos noch als Nischenprodukt. Gefertigt werden diese noch heute in Winterthur, am Deutweg. Traditionen und Quereinsteiger Seit einigen Jahren finden sich verschiedene Winterthurer Fahrrad­geschäfte jeweils zusammen zum Velo­frühling, diesmal sind am kommenden Samstag und Sonntag (10 bis 17 Uhr) zwölf Geschäfte dabei. Manche sind eher traditionelle Velohändler, die eine Familientradition weiterführen, eines ist ein Sportgeschäft, das Velos im Frühling und Snowboards im Winter verkauft, einige sind neu mit Quereinsteigern aus anderen Berufen, und fast alle haben auch E-Bikes im Sortiment. Bei den Elektrovelos sei die Entwicklung rasend, sagt Hänni, es gebe mittlerweile solche, die nur noch 20 Kilo wiegen. Der Mittelmotor setzt sich durch, was bei Nabenschaltung zu Schäden führen kann, wenn unter Volllast geschaltet wird. Neuerdings schafft Elektronik Abhilfe: Der Motor wird beim Gangwechsel ganz kurz, kaum merkbar und automatisch abgeschaltet. Elektronik beim Schalten gehört unterdessen auch bei teuren Rennvelos zur Standardausrüstung. Zwei Motörchen bringen die Kette exakt dorthin, wo sie sein soll und möglichst wenig Reibung erzeugt. Nächstes Jahr, so Hänni, erwarte man die erste Elektroschaltung auch bei den Mountainbikes. Dort hätten die grösseren 29-Zoll-Räder mittlerweile die 26er abgelöst, und auch die neue, mittlere Grösse 650B sei – dank Nino Schurter – auf Erfolgskurs. Ein Getriebe wie bei Porsche In den höchsten Tönen spricht Hänni insbesondere von einer Entwicklung. Zwei Ingenieure, die sich bei der Porsche-Getriebeabteilung kennen gelernt hatten, haben eine ganz neue Veloschaltung entwickelt. Ein Getriebe mit 18 Gängen, das im Tretlager in einem Ölbad dreht. Pinion heisst das Wunderwerk, das extrem wartungsarm sein soll. Nach all den extravaganten Komponentenneuheiten nun noch zwei Basisinformationen für Alltagsvelöler: Ihr Velomech verdient (als Angestellter gemäss Verbandsempfehlung) zwischen 4200 und 4800 Franken – mehr als auch schon, aber immer noch ein Tieflohn. Und wenn Sie Ihr Velo beim Discounter gekauft haben, weigern sich einzelne Händler, es zu reparieren. Andere verlangen einen höheren Stundentarif oder nehmen es im Frühling nicht entgegen. Und Hänni sagt: «Wir behandeln hier jeden Kunden und jede Kundin gleich.»

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