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Energiekonzern Axpo schreibt weitere 1,5 Mrd. Fr. ab

Die Energiewende in Europa hat das Geschäftsmodell der Axpo unrentabel gemacht. Dies zwingt den Stromkonzern der Kantone Zürich, Aargau, St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen nun zu einem weiteren Milliardenabschreiber.

Aufgrund der Veränderungen im Markt sieht sich die Axpo gezwungen, den Wert ihrer Kraftwerke, Kraftwerksbeteiligung und Energiebezugsverträge um 1,5 Mrd. nach unten zu korrigieren. Der Riesenabschreiber ist bei weitem nicht der erste für die Axpo. In den vergangenen Jahren hat der Energieriese bereits Wertberichtigungen von insgesamt über 1 Mrd. Fr. getätigt.

Das hatte auch Auswirkungen auf die Ergebnisse der Axpo: Im Geschäftsjahr 2011/12 wurde dadurch der Gewinn erheblich gedrückt und nur dank Sondereffekten hoch gehalten. Und im Jahr darauf drückten Wertminderungen das Ergebnis erneut um 760 Mio. Franken.

Der aktuelle Abschreiber wird der Axpo nun erneut das Ergebnis verhageln. In einer Medienmitteilung vom Freitag schreibt die Axpo von einem "signifikant negativen Unternehmensergebnis", welches im Ende September auslaufenden Geschäftsjahr 2013/14 anfallen werde.

Strom aus Frankreich zu überhöhten Preisen

Alleine um über eine halbe Milliarde Franken senkt die Axpo den Wert der Verträge zum Bezug von Strom von französischen Atomkraftwerken. Die Verträge basierten auf den Energiegestehungskosten von 1990, heisst es im Communiqué. Mittlerweile liegen die Preise im Stromhandel aber deutlich tiefer - sprich die Axpo ist gezwungen, Strom zu überhöhten Preisen kaufen.

Gleichzeitig hat die Axpo auch ihre lukrative Einnahmequelle verloren: So rentierte früher der Export von Strom aus den Wasserkraftwerken enorm, weil dieser zu Spitzenzeiten, wenn ganz Europa Strom brauchte, zu hohen Preisen verkauft werden konnte.

Weil dies nun nicht mehr möglich ist und auch die Abnehmer in der Schweiz nicht mehr bereit sind, gleich viel für Strom zu zahlen wie früher, muss auch der Wert der eigenen Wasserkraftwerke sowie der Wert der Beteiligungen an Kraftwerken angepasst werden. Das betrifft sowohl Kraftwerke in der Schweiz wie auch in anderen Ländern.

Investitionspolitik umgekrempelt

Die Axpo ist allerdings nicht nur mit dem milliardenschweren Abschreiber konfrontiert, die Veränderungen auf dem Energiemarkt schütteln den Konzern auch andersweitig durch. Die tiefen Preise auf dem Strommarkt zwingen auch zu Sparmassnahmen und zu Änderungen in der Investitionspolitik. So hat das Unternehmen erst im Juni den Abbau von 300 Stellen angekündigt.

Einzig laufende Projekte schliesst die Axpo noch ab - so wird etwa beim Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern im Kanton Glarus Ende 2015 die erste von vier Maschinengruppen ans Netz gehen. Mögliche andere Projekte werden angesichts der drastisch gefallenen Grosshandelspreise zurückgestellt.

Parallel zur Abkehr zum bisherigen Geschäftsmodell hält die Axpo aber auch Ausschau nach neuen Einnahmequellen - marktbedingt werden diese aber eher bei Dienstleistungen als bei neuen Kraftwerken zu finden sein.

AKW-Abschreibungsdauer verlängern

Etwas Druck genommen wird der Axpo bei der Neuorientierung durch die ebenfalls am Freitag bekannt gewordene Verlängerung der Abschreibedauer auf den Atomkraftwerken Beznau, Gösgen und Leibstadt, an denen der Konzern beteiligt ist. Die Abschreibungsdauer wird von 50 auf 60 Jahre verlängert.

Für Greenpeace ist diese geplante Verlängerung "skandalös". "Damit stelle die Axpo ihren eigenen Profit über die Sicherheit der Bevölkerung", sagte Greenpeace-Energiespezialist Florian Kasser auf Anfrage der sda.

Dieser Entscheid bedeute, dass die Atomkraftwerke aus finanziellen Gründen weit über ihre technische Lebensdauer von 40 Jahren betrieben werden, sagte Kasser.

ENSI-Bewertung

Die Axpo selbst argumentiert, die Verlängerung der Abschreibungsdauer gehe einher mit der Investitionsplanung der Kraftwerke. Man beabsichtige, die Werke so lange am Netz zu behalten, wie sie von der Aufsichtsbehörde ENSI als sicher bewertet und wirtschaftlich betrieben werden könnten.

Aus heutiger Sicht sei dies deutlich über die bisher finanzwirtschaftlich angenommenen 50 Jahre hinaus möglich. Experten gingen sogar davon aus, dass sie sicherheitstechnisch das Potenzial für eine Betriebsdauer von mindestens 60 Jahren zuzüglich der anschliessenden Nachbetriebsphase hätten, so die Axpo.

(sda)

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