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Engelskinder würdig begraben

Eltern von tot geborenen Kindern müssen sich nicht mehr um ein Grab bemühen. Ab 2014 soll jeder Fötus ein Anrecht auf eine Beisetzung und eine Ruhestätte haben – auch Fehlgeburten.

Wenn eine werdende Mutter eine Fehlgeburt hat oder ihr Kind tot zur Welt bringt, kann dieser Schicksalsschlag eine Familie an ihre Belastungsgrenze bringen. Trotzdem müssen sich Eltern nach dem Tod ihres Kindes aktiv bei der Friedhofsverwaltung um ein Grab für ihr Kind bemühen. Ansonsten wird der Fötus kremiert und in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Dies soll sich 2014 ändern. Der Stadtrat hat die Friedhofsverwaltung beauftragt, Gräber für Fehl- und Totgeburten – sogenannte Engelskinder – zu schaffen. Im Projekt vorgesehen ist ein 500 Quadratmeter grosses Grabfeld mit einer Gedenkstätte. Das bestehende Kindergrabfeld soll mit Gräbern für tot geborene Kinder erweitert werden. Mit dem Ausbau können ab 2014 alle Kinder in Einzelgräbern oder im Gemeinschaftsgrab beigesetzt werden. Darin eingeschlossen sind nicht melde- oder beerdigungspflichtige Kinder, welche vor der 22. Schwangerschaftswoche verstorben sind oder zum Todeszeitpunkt weniger als 500 Gramm gewogen haben. Anstoss zur Veränderung gab eine schriftliche Anfrage im Parlament. Der ehemalige SP-Gemeinderat David Hauser stellte die gängige Praxis in Frage und empfahl ein Grabfeld und eine Gedenkstätte für Engelskinder. Ausserdem regte er an, dass die betroffenen Eltern vom Spitalpersonal über ihre Möglichkeiten informiert würden. Dass die Anfrage nun in die Tat umgesetzt wird, freut Hauser. «Eltern sind auf solche Si­tua­tio­nen nicht vorbereitet», sagt er. Umso wichtiger sei es, Unterstützung von aussen zu erhalten. Anonymes Gemeinschaftsgrab «Vor 2010 hat man die Föten mit Gewebe aus dem Operationssaal kremiert und in einem Gemeinschaftsgrab begraben», sagt Christine Farner Breu, Leiterin der Friedhofsverwaltung Rosenberg. Dies sei die übliche Verfahrensweise gewesen, wenn sich die Eltern nicht speziell um ein Kindergrab bemüht hätten. «Seit 2010 werden alle tot geborenen Kinder zweimal jährlich anonym in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt.» Dies auch ohne die explizite Zustimmung der Familien. «Es gibt Eltern, die nicht wissen, dass ihr Kind auf dem Friedhof liegt», sagt Farner. Eltern sind überfordert Dass betroffene Eltern Hilfestellung benötigen, zeigt sich auch im Spital. «Die Eltern werden mittlerweile von der Gebärabteilung über unser Angebot informiert», sagt Farner. Zudem würden im Spital Flyer einer Selbsthilfegruppe aufliegen, an die sich Eltern wenden können. Gemäss Alberto Dietrich, einem katholischen Seelsorger des Kantonsspitals, kommen diese Informationen aber nur beschränkt bei den betroffenen Familien an. «Oft erzählen mir die Eltern, dass sie mit der Si­tua­tion überfordert waren», sagt Dietrich. Es sei deshalb wichtig, die Familien mehr als einmal über die Verfahren und Hilfsangebote zu informieren. Die Abteilung für Geburtshilfe des Kantonsspitals will in Zukunft betroffenen Eltern schriftliche Informationen abgeben. Am Ablauf, nach welchem zurzeit bei Fehl- und Totgeburten verfahren wird, soll aber nichts geändert werden. Der zuständige Arzt informiert die Eltern über die Möglichkeiten. Danach können sie selbst entscheiden, ob sie sich mit der Friedhofsverwaltung in Verbindung setzen wollen oder nicht. Möchten die Betroffenen ihr Kind in einem Einzelgrab beisetzen lassen, so wird der Körper für die Beerdigung der Friedhofsverwaltung übergeben. Entscheiden sich die Eltern dagegen, wird der Fötus in einem Kühlraum aufbewahrt, bis er auf dem Friedhof Rosenberg kremiert und anonym beigesetzt wird. Bei Fehlgeburten, die weder melde- noch beerdigungspflichtig sind, gehen die Föten an die Pathologie. Diese übergibt sie anschliessend der Friedhofsverwaltung zur Kremierung und Beisetzung. Dass Fehlgeburten auf dem Friedhof beigesetzt werden, ist auf Wunsch der Eltern eingeführt worden. «Das Bedürfnis nach einem Ort, um trauern zu können, ist da», sagt Elke Prentl, Chefärztin der Abteilung Geburtshilfe im Kantonsspital.

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