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Entziehungskur für Zürcher Sportklubs

Der Kanton Zürich will das Verbot von Alkoholwerbung im Sport durchsetzen. Das stellt nicht nur grosse, sondern auch kleine Vereine vor Probleme. Für alle wäre aber ein Ja zur Blau-Kreuz-In­itia­ti­ve schlimmer.

Der Kanton Zürich zieht bei der Alkohol- und Tabakwerbung die Schraube an. Er will ab Mai die geltende Werbebeschränkung in Sportstätten endlich durchsetzen und hat dafür Richtlinien (siehe Kasten) definiert. Das stellt vor allem die Profi-Eishockeyklubs vor Probleme, die sich traditionsgemäss von Brauereien sponsern lassen. Aber auch bei anderen Sportarten gibt es mitunter Bandenwerbung für alkoholische Getränke zu sehen. Betroffen sind allerdings nicht nur grosse, sondern auch kleine Vereine. Etwa der EHC Bassersdorf, dessen erste Mannschaft in der 2. Liga spielt. Denn auf den Hosen der Spieler prangt schon länger das Logo von Feldschlösschen. Die Brauerei und Getränkehändlerin ist gar einer der Hauptsponsoren. Zwar handelt es sich auf dieser Stufe «nur» um einen kleineren vierstelligen Betrag. «Das Loch in der Kasse müssten wir aber sicher wieder stopfen», sagt Vereinspräsident Adrian Hofer. Und dies sei alles andere als einfach, weil man im Amateursport auf viel Goodwill angewiesen sei. Allerdings sieht Hofer auch noch einen anderen Weg, um den Sponsor behalten zu können. Nämlich mit einem zusätzlichen Aufdruck «alkoholfrei». Schliesslich habe Feldschlösschen ja auch nichtalkoholische Getränke im Sortiment. Beim FC Stammheim gehören derweil traditionsgemäss Winzer zu den Sponsoren. «Wir haben halt einfach viele davon in der Umgebung», erklärt Klubpräsident Bernhard Ulrich. Auf den Banden beim neuen Kunstrasenplatz sind etwa Glesti Weinbau, Stammheimer Hopfentropfen oder die Winzergenossenschaft Oberstammheim aufgeführt. Dass man dadurch mit dem Gesetz in Konflikt kommen könnte, war Klubpräsident Ulrich nicht bewusst: «Da bin ich jetzt etwas überrumpelt.» Er will das Thema aber an einer nächsten Vorstandssitzung aufgreifen. Zumindest bei Hopfentropfen sieht er jedoch kein Problem: «Diese stellen ja auch Badezusätze und Seifen her.» Wenig Alkoholwerbung Diese Beispiele von Alkoholwerbung im Amateurbereich sind allerdings eher die Ausnahme. Reinhard Zweifel, Präsident des Fussballverbandes Region Zürich, vermutet, dass nicht einmal ein Prozent der Mitgliedervereine mit dem Werbeverbot in Konflikt kommen. Man sei aber erst daran, genauere Abklärungen zu treffen. Für Michael Zaugg, Präsident des Kantonalzürcher Eishockeyverbandes, ist eine generelle Einschätzung derweil schwierig. Der Zürcher Kantonalverband für Sport (ZKS) hat die Vereine und Verbände kürzlich auf die neuen Richtlinien aufmerksam gemacht. Dass es diese braucht, ist für Geschäftsführerin Yolanda Gottardi klar: «Der Regierungsrat kann bei einem bestehenden Gesetz nicht beide Augen zudrücken.» Gleichzeitig wappnet man sich bereits gegen grösseres Ungemach. Denn am 18. Mai wird die Zürcher Bevölkerung über eine Volksin­itia­ti­ve vom Blauen Kreuz des Kantons Zürich abstimmen. Die In­itia­ti­ve zum Thema «Keine Werbung für alkoholische Getränke auf Sportplätzen sowie an Sportveranstaltungen» will das Werbeverbot noch mehr verschärfen. So wären künftig auch Logos von Braue- reien auf Sonnenschirmen, Getränke- wagen oder Servicematerial verboten. Turnfeste in Gefahr Der ZKS wehrt sich entschieden gegen ein solch «totales Alkoholwerbeverbot»: «Damit erweist man den Sportvereinen als Präventionsstelle Nummer 1 einen Bärendienst», sagt Gottardi. Dabei gehe es nicht einmal nur um die fehlenden Werbeeinnahmen, sondern auch um logistische Leistungen von Produzenten und Lieferanten – etwa beim Betrieb einer Festwirtschaft. «Die ehrenamtlich geführten Sportvereine sind bei Veranstaltungen auf dieses Knowhow angewiesen», erklärt Gottardi. Ansonsten seien Turnfeste oder Grümpelturniere gefährdet. Ähnlich sieht es auch Frank Günthardt, Präsident des Zürcher Turnverbandes: «Die Auswirkungen wären verheerend.» Er findet es völlig verkehrt, dass die In­itia­ti­ve auf Sportvereine abzielt. Schliesslich würden gerade diese in der Jugendarbeit und Suchtprävention einen bedeutenden Nutzen für die Gesellschaft leisten. Für ZKS-Geschäftsführerin Gottardi wird die Werbewirkung zudem überbewertet. Als Beweis zieht sie den rückläufigen Jahreskonsum von reinem Alkohol in der Schweiz herbei: Lag dieser 1900 noch bei 17 Litern, ist er heute auf 8,4 Liter pro Kopf gesunken. «Und früher war die Werbung sicher noch nicht so weitreichend.»

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