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Er folgte dem Opfer bis zur Polizei

Ein Marokkaner wollte am Hauptbahnhof einen Mann überfallen. Als dieser flüchtete, folgte er ihm – bis zur Polizei. Gestern wurde er verurteilt.

Ein Winterthurer Unternehmer begab sich an einem Morgen zum Hauptbahnhof, um von dort mit der S12 nach Zürich zu fahren. Um 8.15 Uhr wollte er am Bancomaten Geld beziehen, erblickte dabei einen verdächtigen Mann mit einer Maske sowie einen angetrunkenen Marokkaner. Der Winterthurer fühlte sich unwohl, liess sich aber nichts anmerken und ging zum Perron 3. So- gleich wurde er vom Nordafrikaner verfolgt. Dieser umklammerte plötzlich den Körper des Unternehmers mit seinen Armen. Dann forderte der Angreifer Bargeld oder eine Bankkarte.

Das Opfer reagierte schnell, stiess den Marokkaner weg und flüchtete in die S12. Doch der Räuber gab nicht auf und folgte dem Mann in die S-Bahn. Nach der Abfahrt holte er ihn ein und bedrängte ihn erneut, um Geld zu fordern. Als sich der Unternehmer weigerte, drohte ihm der Angreifer. Der Winterthurer nahm das Mobiltelefon hervor, um die Polizei zu alarmieren. Der Marokkaner packte ihn jedoch am Arm und hinderte ihn daran.

«Nur um Geld gebettelt»

Im HB Zürich angekommen, suchte das Opfer sogleich den nächsten Polizeiposten auf. Immer noch wurde er vom Marokkaner verfolgt. Dieser hörte erst auf, als er die Polizisten bemerkte. Zu spät; er wurde abgeführt und sass danach 76 Tage in Untersuchungshaft.

Das war Ende Dezember 2011. Gestern hätte sich der heute 31-Jährige vor dem Bezirksgericht Zürich wegen versuchten Raubes verantworten sollen. Ihm drohte eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Er blieb allerdings der Verhandlung fern, liess sich durch seinen Verteidiger vertreten, der einen vollen Freispruch forderte. Sein Mandant sei angetrunken gewesen und habe den Geschädigten nur nach Geld gefragt, nicht ausrauben wollen. Er habe diesen auch freiwillig zum Polizeiposten begleitet. Im Falle eines Schuldspruchs sei eine bedingte Geldstrafe von 900 Franken angemessen.

Das Gericht ging nicht auf den Vorschlag ein. Die Schilderungen des Opfers seien glaubwürdig, zudem gebe es belastende Darstellungen einer unabhängigen Augenzeugin. Die Aussagen des Angeklagten stufte die Einzelrichterin hingegen als «wechselnd und widersprüchlich» ein. «Der Täter hat nicht gebettelt», sagte sie und sprach von einer «heftigen Handlung», die das Opfer in Angst versetzt habe. Weil der Täter angetrunken war, er zudem die Tat nicht umsetzen konnte, verhängte das Gericht eine bedingte Geldstrafe von 1200 Franken. Ob der untergetauchte Mann das Urteil überhaupt erfahren wird, ist allerdings unklar.

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