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Er setzt auf seine Finanzkompetenz

Dass die bürgerliche Konkurrenz erklärt, in ökologischen Fragen gleich zu ticken wie die Grünliberalen, ärgert Michael Zeugin. Er betont seinen beruflichen Hintergrund als Finanzfachmann, verwahrt sich aber dagegen, ein Rappenspalter zu sein.

FDP und SVP konnten sich nicht auf eine gemeinsame Kandidatur einigen und liegen seither im Streit. Das ergibt für Sie eine komfortable Wahlkampf- si­tua­tion: Sie können abwarten und die Ernte ins Trockene bringen, zumal Sie im ersten Wahlgang am meisten Stimmen holten. Michael Zeugin: Von Abwarten kann keine Rede sein, im Gegenteil. Vergangene Wahlen haben gezeigt, dass in Winterthur um jede einzelne Stimme gekämpft werden muss, und das mache ich. Der Wahlkampf geht bis zum letzten Tag und bis dahin führe ich ihn auch. Haben Sie wirklich Angst, dass Ihnen der Kandidat der Juso die entscheidenden Stimmen noch klaut? Es geht nicht so sehr um diese einzelne Kandidatur, sondern um die Frage der Mobilisierung: Ich bin dar­auf angewiesen, dass die Leute, die ich überzeugen konnte, nun auch an die Urne gehen. Sehen Sie die Kandidatur der Jungsozialisten als Misstrauensvotum? Offenbar zweifelt man ganz links daran, dass Sie ein Gehör für linke Anliegen haben. Simon Walter von der Juso belebt den Wahlkampf und das ist gut so. Ob er aber gewählt wird, ist eine andere Frage. Die Wählerinnen und Wähler müssen sich fragen, ob sie ihren Wahlzettel als reine Protestnote nutzen wollen. Sie gelten als Sparpolitiker und befürworten beispielsweise eine städtische «Schuldenbremse». Auf Winterthur kommen in den nächsten Jahren riesige Investitionen zu, weil die Stadt gewachsen ist und die Infrastruktur veraltet ist. Würden Sie sich als Stadtrat gegen jeden auszugebenden Franken sperren? Sparen war für mich nie Selbstzweck. Es geht für mich darum, genug Mittel zu haben, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Winterthur hat praktisch keine Möglichkeiten, um mehr Einnahmen zu generieren. Der Steuerfuss ist bereits heute auf maximaler Höhe. Wenn wir mehr ausgeben wollen, weil neue Aufgaben anfallen, dann müssen wir irgendwo sparen. Die GLP hat beim Schulhaus Zinzikon aber die Turnhalle verkleinert und Kunst am Bau gestrichen, um zu sparen. Zudem wollte sie prüfen, ob Putzaufträge an Firmen ausgelagert werden können. Deshalb ist die Linke ge­gen­über der GLP-Finanzpolitik skeptisch. Hier muss man jedes Dossier für sich alleine ansehen. In Zinzikon wurde ein viel teureres Schulhaus geplant als ursprünglich vorgesehen. In Winterthur müssen in den nächsten Jahren noch andere Schulhäuser gebaut werden, da kann nicht alles Geld schon beim ersten Grossprojekt ausgegeben werden. Sind Sie ein Rappenspalter? Nein, aber ich schaue genau hin, für was Geld ausgegeben wird. Die GLP und ich haben bewiesen, dass wir bereit sind, Ausgaben zu tätigen, wenn es wichtig ist. Wir stimmen beispielsweise Kinderkrippen zu, stehen hinter der Schulsozialarbeit und tragen die Sanierung der Alterszentren mit. Ich bin bereit, für die sozialen Aufgaben der Stadt das Geld zu sprechen. Neben der Finanzpolitik haben Sie sich oft zur Stadtentwicklung geäussert. Sie wollen mehr Arbeitsplätze und Industrie, dafür weniger Wohnungsbau, beispielsweise in Neuhegi. Die Idee hat doch etwas Schönfärberisches: Es wird seit Langem versucht, Unternehmen auf städtischem Land anzusiedeln – erfolglos. Es kommen keine neuen Firmen. Es ist nicht einfach, neue Unternehmen nach Winterthur zu holen. Allerdings wird seit Jahren in Winterthur ein Fehler gemacht: Industrieland wird grosszügig in Wohnfläche umgezont. Das hat zur Folge, dass zurzeit viele Besitzer von Industrieflächen ihren Boden nicht verkaufen und von einer Firma bebauen lassen, weil sie dar­auf hoffen, irgendwann auch von einer solchen Umzonung zu profitieren und ihr Grundstück teuer verkaufen zu können. … die Bau- und Zonenordnung genügt doch nicht für eine komplette Wirtschaftsförderung. Nein, aber sie ist ein wichtiges Mittel. Vielleicht muss Winterthur in der Wirtschaftsförderung auch seinen Horizont weiter öffnen. Wir orientieren uns stark an Zürich; in der Bodenseeregion hat allerdings auch ein bedeutender Boom eingesetzt. Wir brauchen langfristige, mutige Ideen: So scheint mir beispielsweise die Idee eines Innovationsparks, wie sie für Dübendorf entworfen wurde, auch für Winterthur interessant. Es schadet sicher nichts, die Kompetenz in Finanz- und Wirtschaftsfragen im Stadtrat zu stärken. Mit meinem beruflichen Hintergrund sehe ich mich qualifiziert hierfür. In Finanzfragen habe ich einen grossen fachlichen Rucksack. Sie haben bei Ihrer Arbeit im Treuhandbereich mit Steuern zu tun. Befürworten Sie Steuersenkungen für die Wirtschaft? Der Kanton Zürich gibt keine Steuererlässe für neu hierherziehende Firmen. Das halte ich für eine gute Regelung, denn wenn neue Firmen begünstigt werden, ist dies nicht fair ge­gen­über den Alteingesessenen. Ich bin nicht dogmatisch für oder gegen Steuersenkungen. Allerdings ist der Spielraum in Winterthur zurzeit äusserst klein. Es wäre unseriös, jetzt die Gemeindesteuern in Winterthur zu senken, dafür fehlen uns schlicht die Reserven. Abgesehen von den Querelen zwischen einzelnen Parteien, herrscht im Wahlkampf grosse Einigkeit: die Parolen gleichen sich fast aufs Wort. Ich finde nicht, dass wir uns alle so ähnlich sind. Wenn die FDP-Kandidatin nun plötzlich behauptet, sie unterscheide sich in Ökologiefragen kaum von den Positionen der GLP, so ist das schlicht falsch und ärgerlich. Vor einigen Wochen weibelte sie in Winterthur noch für ein neues Parkhaus und ihre Fraktion hat unter ihrer Leitung im Parlament den 90-Millionen-Kredit für erneuerbare Ener­gie­n abgelehnt.

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