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Erfolg im Kampf gegen Dumpinglöhne

Für zehn Franken pro Stunde werde auf der Baustelle Hardturmpark gearbeitet, sagt die Unia. Gestern hat sie die Baustelle blockiert – und viel erreicht.

Es ist bereits das vierte Mal innert Wochenfrist, dass die Gewerkschaft Unia die Arbeiten auf einer Zürcher Baustelle einstellen lässt. Der Grund ist jedes Mal der gleiche: Verdacht auf Lohndumping. Gestern Morgen fuhren Gewerkschafter auf der Baustelle Hardturmpark auf. Erst wenn die Zahlung der korrekten Löhne sichergestellt sei, würde die Arbeit wieder aufgenommen, hiess es an die Adressen der Bauherrin Helvetia- Versicherungen und der Generalunternehmerin Porr Suisse AG. Seit Monaten arbeiteten gemäss Mitteilung der Unia auf der Baustelle in Zürich-West Gebäudetechniker zu Löhnen von gerade mal zehn Franken pro Stunde. Zustehen würde ihnen laut geltendem Gesamtarbeitsvertrag das Doppelte bis Dreifache. Dokumente, die der Unia vorliegen, zeigten, wie mit gefälschten Arbeitsverträgen, einem Kon­strukt aus Subunternehmen und Briefkastenfirmen, das Lohndumping verschleiert wird. Vertrag nie erhalten So liege zwar ein Arbeitsvertrag mit gesetzeskonformem Mindestlohn vor, der bei Kontrollen gezeigt werden könne. Die meisten Arbeiter erhielten diesen aber nie ausgehändigt – mit der Begründung, dass sie ihn auf der Baustelle nur verlieren würden, wie Christa Suter von der Unia erläutert. Belege von Überweisungen zeigten, dass der tatsächlich überwiesene Lohn viel kleiner ist. Bei Helvetia-Versicherungen beruft man sich auf die Arbeitsmarktkontrollen des Kantons Zürich, die bislang keine Verfehlungen aufgezeigt hätten. Ähnlich äussert sich die Porr Suisse AG. Die von ihnen verpflichteten Subunternehmen unterlägen strengen Kontrollen. Man werde die Vorwürfe der Unia aber ernst nehmen und genau prüfen. Roman Burger, Geschäftsleiter der Unia Zürich-Schaffhausen, ist dagegen überzeugt: «Die Bauunternehmen wissen genau, was sie tun.» Er spricht von einer zunehmenden Verwilderung der Situation auf den Zürcher Baustellen. Unternehmen unterliefen teilweise mit krimineller Energie die geltenden Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig würden die Arbeiter und auch ihre Angehörigen massiv unter Druck gesetzt. So auch gestern Mittag auf der Baustelle Hardturmpark, wie die Unia mitteilte: Das Subunternehmen drohte mit fristlosen Kündigungen und sofortiger Rückbeförderung nach Ungarn. Gestern Abend traf sich Unia mit der Porr Suisse AG. Es konnte eine Einigung gefunden werden, indem unter anderem die Lohnabrechnungen von einem unabhängigen Treuhandbüro geprüft werden und Löhne gegebenenfalls nachbezahlt werden. Auch wurde vereinbart, dass es aufgrund der Intervention zu keiner Kündigung kommen darf. Auch Unia in der Kritik Das Vorgehen der Unia ist nicht unumstritten. Die Gewerkschaft verurteile Unternehmen, bevor die zuständige paritätische Berufskommission den Fall untersuchen könne, schrieb etwa Kantonsrat Josef Wiederkehr in einer Anfrage an den Regierungsrat. Die Unia reagiert auf diese Vorwürfe gelassen: «Wir stellen keine Baustelle ein, wenn die Beweislage nicht erdrückend ist.» Sie übt gleichfalls Kritik an der Politik: Es gebe einen politischen Unwillen, gegen Lohndumping entschlossen vorzugehen. Gerade im Kanton Zürich beobachte sie ein grosses Desinteresse der Politiker an einer Lösung des Pro­blems oder sogar Widerwillen. Für Burger ist das nicht nur aus gewerkschaftlicher, sondern auch aus unternehmerischer Sicht unverständlich: «Indem man nicht gegen die Missstände vorgeht, schadet man ja auch allen Unternehmen, die sich an die Spiel­regeln halten.»

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