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Erfolgreiche Züglete im Wildpark

Die Mufflons haben ihr neues Gehege im Bruderhaus bezogen. Die Wildpferde folgen im Frühling. Luchs Aaron aber könnte noch lange alleine bleiben. Jedenfalls wenn am Montag beim Forst gespart wird.

Sie haben sich gut eingelebt. Zufrieden liegt die Mufflonherde am besonnten Hang hinter dem Blockhaus, faul blinzelnd und wiederkäuend. Für die Wildschafe mit den prächtigen Hörnern ist der neue Hügel das Grösste: «Da haben sie den Überblick und fühlen sich sicher», sagt Wildparkleiter Walter Jucker. «Als sie vor drei Wochen ein­gezogen sind, wollten sie gar nicht mehr vom Hügel runter.» Die Wölfe im Nachbargehege guckten neugierig, als die 17 Mufflons angeliefert wurden. Zuvor mussten sie aber eingefangen werden. Mit Baustellenzäunen trennte man sie im Gemeinschaftsgehege von den Damhirschen und lockte sie dann mit Futter einzeln in den Stall. Vor der kurzen Reise gabs noch eine Pediküre: Die jährliche Klauenpflege stand an. Das sollte künftig seltener nötig sein. «Der neue Boden ist steiniger», sagt Jucker. «Da sollten sich die Hufe besser abwetzen.» Fast zwei Hektaren haben die Mufflons für sich. Die Fläche verdoppelt sich, wenn sie erstmals die Brücke zum neuen Przewalski-Gehege überschreiten dürfen. Auch dieses ist fast fertig. Der Einzug der Wildpferde verzögerte sich aber zweimal. Der Grund ist Stute Orgla. Der Prager Zoo möchte sie für ein Zuchtprogramm. Doch erst sträubte sich die Pferdedame erfolgreich vor dem Verlad in die Transportbox, dann zog sie sich eine Infektion am Huf zu. Die Herde wird nun erst im Frühling einziehen. Der Wildpark und das Sparen Bis dann haben die Mufflons Zeit, das Gehege ungestört auszukundschaften. Schliesslich müssen sie rasch zurückfinden, wenn es zu Revierstreitigkeiten mit den Pferden kommt. Kleine Än­derungen sind noch geplant. So erhalten die Wildpferde eine Wasserstelle in der Ecke Richtung Restaurant. Dort entsteht aktuell auch eine Remise für die Fahrzeuge des Wildparks. Bei so viel Bautätigkeit stellt sich die Frage, ob sich das Sparprogramm der Stadt nicht auch auf ihren Wildpark auswirkt. «Wo gespart wird, entscheidet letztlich der Gemeinderat, nicht ich», sagt der oberste Stadtförster Beat Kunz. Das Gesamtbudget des Forstbetriebs, welcher den Park betreibt, wird jedenfalls gestutzt: 280 000 Franken an Einsparungen sind bisher geplant. Das heisst: Stellen bleiben unbesetzt und die Aktivitäten kon­zen­trie­ren sich stärker auf gewinnbringende Massnahmen wie die Holzernte statt beispielsweise auf den Unterhalt der Waldwege. «Wir werden auch beim Wildpark einsparen müssen, aber ich hoffe, das wird ge­lingen, ohne dass der Betrieb dadurch eingeschränkt wird», sagt Kunz. Der Wildpark Bruderhaus arbeite aber bereits heute sehr kostenbewusst. Und von den rund 850 000 Franken, die das neue Gehege kostet, übernimmt die Stadt nur 200 000 Franken. Damit werden die Arbeitsstunden der Stadtförster gezahlt, die einen grossen Teil der Zäune, Stege und Gebäude selbst gebaut haben. Die restlichen Gelder kamen durch Sponsoren zusammen, insbesondere der Zürcher Tierschutz half kräftig mit. Kiwanis-Clubs bauten die Pferdeunterstände in Fronarbeit. Wenig Geld, viele Freiheiten Im Gegensatz zu vielen anderen Wildparks ist das Bruderhaus nach wie vor gratis und hat keine Grosssponsoren. «Das ist finanziell sicher ein Nachteil», sagt Kunz. «Allerdings haben wir dadurch auch weniger Termindruck.» Neue Gehege werden erst dann bezogen, wenn sie ausgereift sind und wenn die Tiere bereit sind. Bei Planung und Bau kommen nicht nur Biologen zu Wort, sondern auch Tierpfleger, Förster und Gärtner. So entstehen Ideen wie die Mufflonbrücke. Laut Kunz ist sie ein echtes Unikat: «Wer sagt denn, dass die Menschen immer oben und die Tiere unten sein müssen?» Luchs Aaron verbringt übrigens auch diese Weihnachten alleine. Bevor die für ihn reservierte Basler Luchs­dame einziehen kann, muss erst sein Gehege unterteilt werden. Dafür war noch keine Zeit. Das ist allerdings nicht schlimm. «Luchse sind Einzelgänger», sagt Kunz. «Aaron fühlt sich auch alleine pudelwohl.» Kunz lässt aber durchblicken: Wenn das Forstbudget weiter gekürzt wird, ist die Luchszusammenführung gefährdet.

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