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Erleichterung für Olympische Spiele?

Mit einer Neuausrichtung soll der Weg aus der Glaubwürdigkeitskrise gefunden werden.

Insbesondere aus europäischer Sicht sind Reformen notwendig. Die Kandidaturen für die Winterspiele 2022 von Graubünden, Oslo und München waren an der Urne gescheitert. Nun sollen Kostensenkungen oder eine Modernisierung des Programms das verlorene Vertrauen zurückgewinnen und zugleich den Weg für europäische Kandidaturen für Winterspiele wieder ebnen.

Aus Gründen der Nachhaltigkeit will man «die Austragung ganzer Sportarten oder einzelner Disziplinen ausserhalb der Gastgeberstadt oder in Ausnahmefällen ausserhalb des Landes erlauben». Bedingung ist aber, dass es weiter einen Hauptgastgeber und ein zentrales olympisches Dorf gibt. «Die Einheit von Zeit, Ort und Handlung darf sich, wie in einem griechischen Drama, nicht ändern», betonte IOC-Präsident Bach im Vorfeld. «Wir wollen keine Spiele, die über ein ganzes Land zerstreut und nur im Fernsehen als eine Veranstaltung zu sehen sind.»

Ohne Gegenstimme wurde auch entschieden, den Vertrag mit dem jeweiligen Gastgeber der Spiele künftig zu veröffentlichen und die Bewerbungskosten zu senken. Für Diskussionen sorgte die Kreation eines eigenen TV-Senders, der 490 Millionen Euro kosten und zunächst als digitale Plattform den olympischen Sportarten zwischen den Spielen zu deutlich mehr Aufmerksamkeit verhelfen soll.

Sportartenlimit aufgehoben

Neben einer Reduzierung der Ausgaben für die Olympiastädte war auch die überfällige Modernisierung des olympischen Programms einer der zentralen Punkte. In Zukunft dürfen die jeweiligen Veranstalter neue Disziplinen oder sogar neue Sportarten vorschlagen, die sie bei ihren Heimspielen gern präsentieren würden – die Wünsche müssen vom IOC allerdings abgesegnet werden. Das bisherige Limit von 28 Sportarten bei Sommerspielen und sieben bei Winterspielen wurde aufgehoben, die Obergrenze von 10 500 Athleten im Sommer und 2900 bei den Winterspielen aber beibehalten.

Das IOC verspricht sich dadurch mehr Flexibilität für das olympische Hochglanzprodukt und mehr interessierte Bewerber für die Winterspiele. Nicht erst seit den 50 Milliarden Dollar teuren Retortenspielen von Sotschi wandten sich traditionelle Wintersportländer vom IOC ab. Das soll sich nun ändern.

«Ich bin sehr zufrieden und glücklich. Das war ein wichtiger Tag für das IOC», sagte Thomas Bach zu den einschneidendsten Veränderungen seit dem Reformkongress 1999 nach dem Korruptionsskandal um die Vergabe der Winterspiele an Salt Lake City. Die Umsetzung der Agenda 2020 soll sofort beginnen, um das in der Öffentlichkeit verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

«Es war der Schritt, den wir alle erhofft hatten. Ob das tief greifende Reformen sind, muss man sehen. Jetzt ist die Exekutive gefordert», sagte der Schweizer Fifa-Präsident Sepp Blatter. «Das ist eine beschleunigte Evolution, keine Revolution», erklärte IOC-Spitzenfunktionär Richard Pound (Ka), warnte aber vor übersteigerten Erwartungen bei der zeitnahen Implementierung aller Initiativen: «Das ist erst der Anfang. Wir können nicht alle 40 Punkte in den nächsten sechs Monaten umsetzen, wir müssen priorisieren.»

Bereits vor der Session hatte das IOC die Organisatoren der Winterspiele 2018 in Pyeongchang aufgefordert, die Bauarbeiten für die Bob- und Schlittelbahn zu stoppen und einer Verlegung der Wettkämpfe in ein anderes asiatisches Land, nach Europa oder in die USA zuzustimmen, wo es bereits Bahnen gibt. Damit sollen Baukosten von 120 Millionen Dollar gespart werden. Das IOC will in der Zukunft verstärkt auf temporäre Bauten setzen, es sei denn, der Gastgeber kann ein schlüssiges Nachhaltigkeitskonzept für die Sportstätten vorlegen. si

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