Zum Hauptinhalt springen

Erlöser Schuler

Wie vor drei Wochen gegen Wohlen siegte der FCW auch gegen den FC Biel 1:0 – und wie damals schoss Verteidiger Patrik Schuler das erlösende Tor. Diesmal in der 89. Minute.

Es ging lange in dieser Saison, bis im Zusammenhang mit dem FCW von positiven Serien gesprochen werden konnte. Jetzt, da in der Vorrunde noch ein Spiel aussteht, dürfen endlich mal erfreuliche Zahlen aufgezählt werden: Dieses 1:0 gegen Biel war der vierte Sieg in Folge – ein ziemlich einsamer Saisonrekord. Es war, jeweils auf der Schützenwiese, auch der dritte Match in Folge ohne Gegentor – ungewohnt für eine Mannschaft, die vorher fast zwei Treffer pro Match kassiert hatte. In einem weiteren Fall ist zwar (noch) nicht von einer Serie zu reden, aber auffallend ist er schon: Wie schon beim letzten 1:0, vor drei Wochen gegen den Tabellenletzten aus Wohlen, schoss Patrik Schuler das Tor des Tages. Damals hatte der Rechtsverteidiger mit einem fulminanten Weitschuss 20 Minuten vor Schluss getroffen. Diesmal musste sich die FCW-Gemeinde bis zur 89. Minute gedulden, ehe sie von Schuler erlöst wurde. Als Marco Aratore knapp ausserhalb des Strafraums und praktisch von der Grundlinie nach einem Foul an Luca Radice nochmals einen Freistoss treten konnte, stand Schuler im Fünfer, bereit, den Ball mit dem Fuss über die Linie zu schlagen. Zaugg: «Nicht schlechter …» Er habe sich, lachte Schuler später, nur deshalb bei Standardsi­tua­tio­nen nach vorne bewegen dürfen, weil die Bieler bei derlei Gelegenheiten nur einen Mann in der Offensive stehen liessen. Vielleicht schiesst der junge Mann, der mit seinen 1,87 Metern der Längste in diesem Winterthurer Aufgebot ist, mal noch ein Tor mit dem Kopf. Wie man es in Szenen wie diesen ja am ehesten erwarten würde. Aus Sicht des Bieler Trainers «Bidu» Zaugg war natürlich ärgerlich, so spät und zum vierten Mal in Folge verloren zu haben – überdies einen Match, «in dem wir nicht schlechter waren als der Gegner und auch noch die klarste Chance hatten», wie er beifügte. In den «letzten 20 Minuten des Spiels gab es doch keine Gefahr mehr – höchstens bei Standardsi­tua­tio­nen». Aber einer dieser Standards habe dann, nach einem «überflüssigen Foul», doch noch zum Tor geführt. Recht hatte Zaugg mit der Feststellung, dass sich seiner Mannschaft die klarste Chance geboten habe. Das war nach 35 Minuten, als Mehdi Challandes mit einer flachen Hereingabe von links seinen Top­sko­rer Giuseppe Morello freispielte, der aber den Ball aus fünf Metern am Tor vorbeischaufelte. Weniger nachvollziehbar war, wie Zaugg den Match dar­über hinaus beurteilte. Natürlich hat man es schon erlebt, dass ein Spiel, das nach 88 Minuten noch 0:0 stand, auch so endete. Aber der Gesamteindruck von den beiden Mannschaften war doch dieser: Der FCW unternahm eindeutig mehr, den Match zu gewinnen. Er war – bis auf Schulers Réussite – im Abschluss zwar nicht gerade sehr effizient und präzis. Aber er spielte sich doch eindeutig mehr Strafraumszenen heraus, die schon früher zu einem Treffer hätten führen können. Der neue Siegeswillen Der FCW war besser, vor allem defensiv ungefährdeter als gegen Wohlen; er war nicht ganz so aggressiv wie gegen Schaffhausen. Aber er war erneut eine Mannschaft, die zeigte, den Match gewinnen zu wollen. Es war nicht immer ein Merkmal dieses Teams, dass ihm unbedingter Siegeswillen nachgesagt werden konnte – gewiss nicht an Tagen, an denen es ihm nicht lief. Doch nach einer ersten Halbzeit, die zwar spielerisch nicht schlecht, aber nach den Worten ihres Trainers Boro Kuzmanovic doch etwas «zu träge» gewirkt hatte, bot der FCW 45 Minuten, in denen er dieses eine entscheidende Tor wirklich erzwingen wollte. Es gab Phasen, in denen die Bieler kaum mehr aus der Gegend ihres Strafraums herausfanden. In der zweiten Halbzeit war jedenfalls auch nicht mehr eine nennenswerte Offensivszene des Gasts zu sehen. Natürlich folgten die Chancen des FCW nicht im Minutentakt. Aber das Bestreben, diese noch kurze positive Serie auszubauen und keinesfalls wieder vermeidbar Punkte abzugeben, war offensichtlich. Man kann sagen, das sei der wahre Fortschritt der Mannschaft in den letzten Wochen. Also blieb Christian Leite, vor noch nicht allzu langer Zeit ein bedrohlicher Schwachpunkt, ein drittes Mal ohne Gegentor – ohne dass er Besonderes hätte leisten müssen. Es spielte die Abwehr so sicher und diszipliniert, dass auch bei klar offensiver Ausrichtung mit der einen Ausnahme nach gut einer halben Stunde kaum Gefahr entstand. Daniel Sereinig machte erneut einen auffallend guten Match. Gianluca D’Angelo war sehr lange ein ausgezeichneter «Sechser», ehe nachlassende Kräfte den einen oder andern Fehler provozierten. Auch Remo Freuler, der bei drei Schusschancen in der ersten Halbzeit zu unpräzis gewesen war, schien seinem Aufwand Tribut zu zollen; er liess in der zweiten Halbzeit als Erster nach. Aber gekämpft wurde allenthalben, die Arbeit von Patrick Bengondo oder Aratore in der Balleroberung war aufopferungsvoll, wie – trotz des einen oder andern Patzers – auch jene Antonio Marchesanos. Trainer-Geburtstage Nach einer eher diskreten ersten Halbzeit steigerte sich Linksverteidiger Radice dermassen, dass nun die meisten druckvollen Angriffe über seine linke Flanke liefen – bis hin zu jener Szene, die dann das Spiel entschied. Einzig Janko Pacar, der rechte Flügelmann, kam nicht richtig ins Spiel. Nach seiner besten Szene, schon nach ein paar Minuten, hätte der Schiedsrichter allerdings einen Handspenalty pfeifen müssen. Womöglich wäre dem FCW dann das lange Zittern erspart gewesen. Am Ende aber durfte sich sein Trainer, Boro Kuzmanovic, über einen Sieg am 51. Geburtstag feiern. Zaugg, auf den Tag genau zehn Jahre älter, musste punktlos feiern. (hjs)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch