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Erneute Entgleisung: Fachmann ist beunruhigt

bern. Zuerst Bassersdorf, dann Bözberg und jetzt Bern: Auf dem Schweizer Schienennetz kam es gestern zur dritten Entgleisung innert nur einer Woche. Für einen Eisenbahnfachmann ist das mehr als ein Zufall.

Der gestrige Unfall ereignete sich kurz vor 10 Uhr in Bern Weyermannshaus. Bei einer Weiche sprang ein Drehgestell eines leeren Doppelstockwagens aus den Schienen. Verletzt wurde niemand. Doch die Strecke zwischen Bern und Freiburg war danach während des ganzen Tages blockiert. Die Passagiere der Fernverkehrszüge St. Gallen–Genf mussten auf dem Abschnitt auf Busse umsteigen. Der Wagen, der aus den Gleisen sprang, sollte nach Ville- neuve VD in eine Werkstatt gebracht werden. Die Komposition bestand aus einer Lokomotive, zwei neuen Doppelstockwagen und vier Güterwagen. Die Entgleisung war bereits die dritte innerhalb einer Woche: Am Mittwoch war im Bözbergtunnel ein Schotterwagen eines Bauzugs entgleist, vor einer Woche in Bassersdorf ein Güterwagen. Zusätzlich hatte sich am 16. Februar bei Schwerzenbach ein ähnlicher Unfall ereignet: Eine Nacht-S5 mit 125 Fahrgästen an Bord war entgleist. Verletzte gab es bei keinem der Vorfälle. «System ist destabilisiert» Alles nur Zufall? Nicht für Walter von Andrian, Chefredaktor der «Schweizer Eisenbahn-Revue». Er könne sich zwar nicht zu den einzelnen Unfällen äussern. Dafür sei es zu früh. Seiner Meinung nach beginnt jedoch das «komplizierte System Bahn Schweiz» sich seit einiger Zeit zu destabilisieren. Schuld daran seien die Sparvorgaben und Umstrukturierungen, welche die Verkehrspolitik und das Bahnmanagement zu verantworten hätten. «Ihr Fokus ist auf Gewinne gerichtet und nicht in erster Linie darauf, eine gute Eisenbahn zu haben.» SBB-Sprecher Christian Ginsig widerspricht: «Es wäre reine Spekulation, zum jetzigen Zeitpunkt zwischen den Unfällen einen Zusammenhang herzustellen.» Die SBB beobachteten die Häufung von Entgleisungen zwar mit Sorge. Doch bevor die Untersuchungen abgeschlossen seien, könne nicht mehr dazu gesagt werden. Die Abklärungen der unabhängigen Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (Sust) seien noch im Gang. «Die SBB investieren» Ginsig verweist aber auf den letzten Netzzustandsbericht der SBB. Tatsächlich heisst es dort: «Der Gesamtzustand der Anlagen ist mehrheitlich gut und hat sich ge­gen­über dem Vorjahr ganz leicht verbessert.» Laut Ginsig wird zudem weiter in die Sicherheit investiert – unter anderem in die sogenannten Zugkontrolleinrichtungen, die die fahrenden Züge auf Auffälligkeiten untersuchen. «Die Sensoren erkennen zum Beispiel erhitzte Räder und flatternde Blachen auf Güterzügen», sagt Ginsig. Mittlerweile seien 140 derartige Anlagen in Betrieb. Sein Fazit: «Nach wie vor muss niemand Angst haben, wenn er in einen Zug der SBB steigt.»

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