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Ernüchterung nach dem Testbetrieb

Nach einem Jahr sind sich Gegner und Verfechter einig: Die Pionier-Begegnungszone im alten Dorfkern Oberi will so niemand. Wahrscheinlich ist, dass bald wieder Tempo 30 gilt und die Gewerbler obsiegen.

Die Begegnungszone im Dorfkern Oberi war eine Zangengeburt. Gegen die Pro-Petition aus dem Umkreis von Gemeinderat Reto Diener (Grüne) mit 400 Unterschriften vor vier Jahren hielt das lokale Gewerbe mit 2300 Stimmen dagegen. Was folgte, war ein Kompromiss. Wohl ein fauler, wie sich bald weisen wird. Das auf 50 Meter gestutzte Teilstück der Römerstrasse zwischen Hohlandstrasse und Oberer Hohlgasse ist als Begegnungszone jedenfalls gescheitert. Dar­über sind sich Befürworter und Gegner nach der einjährigen Testphase einig. Der einen Seite ist sie nach wie vor zu klein, die andere sieht sich bestätigt: Es braucht sie nicht. «Schleichverkehr haben wir nach wie vor», sagt Ruedi Vetterli, der als Kopf der Gewerbler die Gegenpetition lanciert hat und an der Ecke Pestalozzistrasse/Römerstrasse eine Schlosserei führt. Tempo 20 mit Vortritt der Fussgänger verlangsame den Verkehrsfluss unnötig. Ohnehin sei der Verkehr auch in der 30er-Zone sicher geflossen. Für die Befürworter waren die 50 Meter von Anfang an eine Scheinlösung. «Eine Begegnungszone im eigentlichen Sinne konnte hier gar nie entstehen», sagt Diener. Erstens sei diese nie mit richtigen Eingangstoren gekennzeichnet worden. Und zweitens biete die Zone viel zu wenig Platz. Der Anreiz für die Oberianer, sie als neuen Treffpunkt zu nutzen, fehle komplett. Für Diener ist klar: «Es braucht eine grosszügige Zone von Dorfbrunnen zu Dorfbrunnen, um sie mit Leben füllen zu können.» Stadtrat muss entscheiden Noch vor den Sommerferien hatten die beiden Parteien in einem abschliessenden Gespräch Bauvorsteher Josef Lisibach (SVP) und Vertretern von Polizei und Verkehrsplanung ihr Fazit präsentiert. Bis Ende Jahr wird Lisibach dem Stadtrat drei Optionen zur Entscheidung vorlegen: Beibehaltung der verkürzten Zone mit eigenen Toren, Verlängerung der Begegnungszone bis zur Römer-/Pestalozzistrasse oder Beibehaltung der Tempo-30-Zone. Wahrscheinlich ist, dass der Stadtrat im Sinne des Gewerbes und letztlich der Mehrheit entscheidet. Die 2300 Gegenstimmen fallen stark ins Gewicht. Beim neuen, vereinfachten Be­willigungsverfahren für Begegnungszonen gäbe die Mehrheit einer Umfrage den Ausschlag. Der Fall Oberi fällt aber noch ins alte Regime. Kommt hinzu, dass Diener mit Lisibach keinen Fürsprecher im Stadtrat erwarten darf. Zwar räumt dieser ein, dass Begegnungszonen je nach «verkehrlicher Si­tua­tion» Sinn machen können. Bei einem fast identischen Streit in Wülflingen hatte er – damals noch Stadtratskandidat – die Gegenpetition und damit den vorläufigen Stillstand erzwungen. Dieser droht nun auch Oberi. Das Amt für Städtebau kann fünf bis zehn Gesuche pro Jahr bearbeiten. Momentan sind noch deren 19 für Begegnungszonen und 8 für Tempo 30 pendent, wie Raffael Noesberger, Gesamtleiter Verkehr, sagt. Neues Gesuch, neues Glück Trotz langer Wartezeit schliesst Diener nicht aus, bei einem negativen Entscheid ein neues Gesuch einzureichen. Sachliche Argumente dagegen gebe es nicht. Parkplätze bleiben in Begegnungszonen erhalten. Dass die auswärtige Kundschaft wegbleibt, müsse das Gewerbe daher nicht befürchten.

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