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Erstaunlich stark verankerte Kirchen

Ein Kommentar zum klaren Nein zur Abschaffung der Kirchensteuer. Von Thomas Schraner.

Es war zu erwarten, dass die Abschaffung der Kirchensteuerpflicht für Firmen im Kanton Zürich einen schweren Stand haben würde. In Graubünden hatte das Volk dieselbe In­itia­ti­ve der Jungfreisinnigen vor Kurzem wuchtig verworfen. Dort stand keine einzige grosse Partei hinter dem Anliegen. Im Kanton Zürich hingegen gelang es den Jungfreisinnigen, den Delegierten der FDP, SVP und EDU die Ja-Parole abzuringen. Umso mehr überrascht es nun, wie wuchtig auch hier die Vorlage verworfen worden ist. Die Wähler von SVP und FDP haben sich offensichtlich nicht um Parolen gekümmert. Das zeichnete sich allerdings schon im Vorfeld ab. In beiden Parteien herrschte alles andere als ­Geschlossenheit. Bei der FDP hatte man sogar den Eindruck, dass viele Delegierte die Ja-Parole ihrer Jungpartei nur deshalb übernahmen, um den aktiven Nachwuchs nicht vor den Kopf zu stossen. Der Preis dafür ist nun, dass die Delegierten ge­gen­über der Wählerbasis arg im Schilf stehen. Das Abstimmungsresultat zeigt aber etwas viel Wichtigeres: Die Kirchen und ihre sozialen Tätigkeiten sind in der Gesellschaft weit stärker verankert, als es auf den ersten Blick den Anschein macht. Die Zahl der Konfessionslosen mag zwar ebenso steigen wie die Zahl jener Kirchenmitglieder, die nur noch eine sehr lockere Bindung zur In­sti­tu­tion haben: eigentlich ein idealer Humus für eine radikale Trennung von Kirche und Staat. Bemerkenswert ist nun aber, dass das Zürchervolk dieses Verhältnis offensichtlich nicht weiter lockern will. Selbst Konfessionslose scheinen zu wünschen, dass die Kirchen weiterhin eine Rolle spielen in der Gesellschaft. Das Resultat stärkt den Kirchen den Rücken. Sie sehen, dass ihre sozialen Tätigkeiten geschätzt werden. Zudem bestätigt sich, dass der Kanton Zürich seine Hausaufgaben im Verhältnis ­zwischen Kirche und Staat erledigt hat. Das Kirchengesetz von 2010 erweist sich als solide Basis für eine nützliche Partnerschaft. Es gab also keinen Missstand, den es zu bekämpfen galt.

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