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Erstaunliche Jobs, endgültiger Abschied

Bengt-Ake Gustafsson ist Trainer in der DEL, Alexej Jaschin kümmert sich um Frauen – ein Blick durch die Eishockeyligen von Nürnberg bis Moskau.

Der einstige «golden boy» hat einiges von seinem Glanz verloren. Bengt-Ake Gustafsson, in den Jahren zwischen 2003 und 2006 in Schweden mit nationalem Titel, WM- und Olympiagold als der Trainer war zuletzt ein Jahr arbeitslos. Gustafsson bewegte in der Saison 2010/11 als «Nothelfer» bei den ZSC Lions weniger als erwartet, er konnte im Winter dar­auf den (hohen) Anforderungen von Atlant Mytischi in der KHL nicht genügen und wurde bereits im November 2011 in Russland entlassen. Der 54-Jährige hatte sich auch für den SKA St. Petersburg interessiert, nun aber ist er nicht gerade in einer grossen Liga, sondern in der DEL gelandet. Und dort hat ihn kein Spitzenteam angestellt, sondern Nürnberg. Er soll mit der Mannschaft von Platz 10 in die Playoff-Positionen vorrücken. Er beginnt seine Aufgabe heute mit dem Match gegen Straubing – und trifft dort mit Blaine Down einen Kanadier, der bei den ZSC Lions unter ihm gespielt hat.

Genug gereist

Hannes Hyvönen gehört zur Kategorie «Reisender in Sachen Eishockey». Der 37-jährige hat in seiner Karriere für nicht weniger als 18 verschiedene Vereine gespielt, von Finnland über die NHL, über Schweden, über die KHL … und natürlich war er auch in der Schweiz. Im Herbst 2006 wurde er in Fribourg nach 16 Partien verabschiedet, 2010 absolvierte er für die Rapperswil-Jona Lakers vier Partien. Beim Färjestads BK war er bekannt für seine Tore (er war bei zwei Titeln dabei) und sein Temperament. Einmal hatten Hyvönen und Marcel Jenni eine «Meinungsverschiedenheit» bezüglich des Fernsehprogramms, das in der Garderobe des FBK ausgestrahlt werden sollte. Hyvönen ist – typisch Finne – Formel-1-Fan, Jenni hätte lieber etwas anderes geschaut.

Kurz vor Weihnachten hat sich Hyvönen nun entschieden, dass er genug durch die Ligen gereist ist. In der zweithöchsten schwedischen Division (All-svenskan) bei Karlskrona war er nach 10 Partien aussortiert worden, auch wegen des NHL-Lockout hat er keinen Job mehr gefunden.

«Dank an Mamma und Papa, Schwester, Gegner, Freunde und alle Menschen, die ich während meiner Karriere getroffen habe. Es ist Zeit, dass ich etwas anderes mache», hat er getwittert und gleich noch das Szenenbild dazugestellt: zwei Schlittschuhe, die an einem Nagel hängen.

Moskauer Derby-Thriller

Nicht alle Derbys sind so torarm wie die der Zürcher in diesem Winter. Die Zuschauer in Moskau erlebten einen Thriller erster Güte – auch wenn im Duell zwischen Dynamo und ZSKA Moskau zuerst alles auf eine einseitige Angelegenheit hindeutete: Meister Dynamo führte nach 29:56 schon 5:0, er ging mit diesem Vorsprung auch ins letzte Drittel. In dem brachten Pawel Datsjuk (2), Alexander Radulow und Michail Grabowsky mit dem Aufholen zum 4:5 Dynamo ins Zittern. Niklas Bäckström beendete die Aufholjagd mit dem Tor zum 6:4 ins verlassene ZSKA-Gehäuse.

Jaschin: Frauenförderung

Alexej Walerijewitsch Jaschin, der in der letzten Saison noch für den ZSKA Moskau spielte, hat seinen Traum von einer Rückkehr in die NHL oder von einem neuerlichen Engagement in der KHL im Alter von 39 Jahren aufgegeben. Jaschin, in seinen besten Zeiten einer der stärksten Center der Eishockeywelt, wurde vom russischen Verbandspräsidenten Wladislaw Tretjak als neuer General Manager des … Frauen-Nationalteams angestellt. Tretjak spricht von einem sehr schönen «Neujahrsgeschenk» für das Frauen-Eishockey im Lande. Jaschins eine Aufgabe ist es, den Coaches praktische Unterstützung zu gewähren. Die wichtigere aber ist die langfristige. Russland will den Abstand zu den führenden Frauen-Nationen Kanada und USA wettmachen. Jaschin soll als Talentspäher wirken und ermöglichen, dass die jungen Frauen profimässig trainieren können. Sein väterlicher Freund Wladimir Jursinow hat ihm dabei Unterstützung zugesagt.

Jaschin hat nicht nur wegen seiner Spielkunst Spuren im Eishockey hinterlassen, sondern auch wegen der Verträge, die sein Agent Mike Gandler für ihn aushandelte. Die New York Islanders kauften sich 2007 aus einer langjährigen Verpflichtung mit Jaschin für rund 17 Millionen Dollar frei – und müssen bis Ende Saison 2014/15 dem Russen noch immer pro Jahr 2,2 Millionen Dollar überweisen …

In einem von total drei Lohnstreiks verbrachte Jaschin beinahe eine ganze Saison in Kloten (1999/2000). Seine Freundin, das frühere Topmodel Carol Alt, erschwerte in Jaschins «Ausbildungsjahr» des Öftern in den Garderobegängen des Schluefwegs nach den Partien bei Spielern und Funktionären die Kon­zen­tra­tion auf die Arbeit erheblich.

Stancescu und Suri

Die Schweizer Nationalmannschaft absolviert diese Woche zwei besondere Länderspiele: In Arosa tritt sie mit allen Lockout-Spielern an, die in der Schweiz engagiert sind. Es fehlt aus dem NHL-Kreis nur Jonas Hiller. Am Freitag treffen die Schweizer auf Weissrussland – und ein weiteres Mal nicht ganz mit dem Team, das Nationalcoach Sean Simpson nominierte. Joel Vermin und Kevin Romy sagten wegen leichter Verletzungen ab, ersetzt werden sie durch Victor Stancescu (Kloten Flyers) und Reto Suri (EV Zug).

NHL: Um Gespräche bemüht

Das lässt nach dem Knall der letzten Woche wenigstens Hoffnung. Die National Hockey League und die Spielergewerkschaft arbeiten daran, wieder zurück an den Verhandlungstisch kommen zu können. Nach drei Tagen «Funkstille» sprachen Bill Daly und Steve Fehr am Sonntag miteinander. «Wir versuchen etwas für diese Woche zu organisieren, aber es ist noch nichts terminiert», kommentierte Daly. Seit dem 16. September herrscht der Lockout in der NHL, gestern wurden die Spiele bis 30. Dezember gestrichen. (jch)

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