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Erste Dürreversicherung für Bauern

Premiere in der Schweizer Versicherungslandschaft: Erstmals bietet eine Versicherung ein Produkt an, womit sich Bauern gegen die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels absichern können. Der Bauernverband begrüsst das Angebot, hat aber dennoch Fragen.

Es ist für die Jahreszeit deutlich zu warm – und zu trocken. Und das nicht erst seit gestern, sondern bereits seit Jahresbeginn. Allein im Monat März erreichten die Niederschlagsmengen auf der Alpennordseite und im Wallis nur gerade mal 30 bis 60 Prozent der Norm der letzten 30 Jahre. Zudem besteht derzeit in vielen Kantonen (BE, GR, JU, SG, TI und VS) eine erhöhte Waldbrandgefahr. Zwar soll es nach Auskunft von Marco Stoll von Meteo Schweiz spätestens am Wochenende ein paar Regenschauer geben. Aber: «Die fallen nur lokal und nicht flächendeckend.» Klimatologe Dominik Jung warnt deshalb: «Sollte der ganze Frühling so trocken und warm bleiben, dann könnte sich daraus ein Dürreproblem entwickeln.» Doch auch wenn die aktuelle Trockenheit dem Schweizerischen Bauernverband noch keine Sorgenfalten auf die Stirn treibt – die Bauern wissen: Spätestens in den klassischen Wachstumsmonaten Mai und Juni braucht es genügend Nass von oben, damit es nicht zu grösseren Ernteausfällen kommt. Und da die längeren Trockenperioden in diesen Monaten in den Jahren 2003, 2008, 2009, 2011 und 2012 aufgezeigt haben, dass es bei einzelnen Kulturen auch hierzulande zu erheblichen Mindererträgen kommen kann, reagieren viele Bauern auf das Stichwort «Klimawandel» heute deutlich sensibler als auch schon. Viele fragen sich darum, wie sie ihre vom Wetter abhängigen Erträge und Gewinne künftig noch besser absichern können. Zumal eine Studie der ETH Zürich aufzeigt, dass ein ex- trem trockener Sommer, wie beispielsweise jener 2003, bis am Ende dieses Jahrhunderts jedes zweite Jahr auftreten könnte. Bereits rund 100 Kunden Auch die Schweizer Hagelversicherung hat sich in den letzten Jahren gefragt, mit welchen Produkten sie noch besser zum Risikomanagement der Landwirtschaftsbetriebe beitragen könnte. Ihre Antwort heisst nun: APV+. Das ist der Name für die erweiterte Form der bereits heute bestehenden Ackerbau-Pauschalversicherung. Das seit Januar dieses Jahres erhältliche und schweizweit bis jetzt einzige Versicherungsprodukt dieser Art deckt neben den üblichen Hagelschäden neu auch explizit Schäden infolge des Klimawandels respek­tive aufgrund von Trockenheit und Starkregen. «Zurzeit nehmen rund 100 Kunden dieses Angebot wahr», sagt Jörg Schwarz, Vizedirektor der Schweizer Hagelversicherung. «Die meisten stammen aus der Westschweiz beziehungsweise aus dem Jura und Jurasüdfuss, also aus Gegenden, die schon heute vermehrt von den Klimaveränderungen betroffen sind.» Die Tarife werden laut Schwarz aufgrund der zu erwartenden Erträge und der jeweiligen Landesteile erhoben. «Ein Bauer im Kanton Zürich zahlt beispielsweise für 10 Hekt- aren Ackerland für die Ackerbau-Pauschalversicherung mit der zusätzlichen Deckung für Risiken wie Trockenheit, Starkregen und Auswuchs beim Brotgetreide insgesamt zwischen 1150 und 1700 Franken pro Jahr.» Damit ein Schweizer Landwirt in den Genuss der Leistungen der APV+ kommt, muss er aber einen Ertragsausfall von mindestens 30 Prozent ausweisen. Vage Zukunftsaussichten «Wir begrüssen die neue Möglichkeit, den Bauernfamilien eine Absicherung gegen wetterbedingte Ernteverluste zu geben», sagt Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband zum neuen Produkt der Hagelversicherung. «Die Hauptfrage ist jedoch: Stimmt der Preis in Bezug auf das Risiko und den abgedeckten Schaden?» Ihre vorläufige Antwort: «Das wird die Nachfrage relativ schnell zeigen, denn die Bauern müssen aufgrund des hohen wirtschaftlichen Drucks gut rechnen.» Die Erfahrungen aus den USA zeigten zudem, dass eine umfassende Ernteabsicherung für die Landwirte eine staatliche Unterstützung bedinge, «weil eine rein privatrechtliche Versicherung so teuer ist, dass niemand sie sich leisten kann», sagt Helfenstein. Auch für die Schweiz stelle sich deshalb vielleicht eines Tages die Frage, «ob man einen Teil des Geldes, das in die Landwirtschaft fliesst, in ein solches Instrument umleiten will». Was das aktuelle Produkt angehe, so müsse jeder Bauer aufgrund seiner Ausgangslage selber entscheiden, ob das neue Angebot für ihn und seinen Betrieb interessant sei.

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