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Erziehungs- direktoren zeichnen ein positives Bild

Die 21 Kantone der Deutschschweiz können den Lehrplan21 einführen. Nach der Fitnesskur äussern sich Lehrervertreter positiv dazu. In einzelnen Kantonen wird die Zuversicht der Erziehungsdirektoren aber nicht geteilt. Mehrere Volksinitiativen sind unterwegs.

er gemeinsame Lehrplan für die Deutschschweizer Kantone steht bereit. Letzte Woche haben ihn die Erziehungsdirektoren ohne Gegenstimme abgesegnet. Seit gestern ist die überarbeitete Version online einsehbar. Nun sind die 21 Kantone am Zug. Sie werden ziemlich unterschiedlich damit umgehen. So viel war nach den Ausführungen von Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK), offensichtlich: «Jeder Kanton wird nach eigenem Recht entscheiden, ob er den Lehrplan einführen wird, zu welchem Zeitpunkt dies geschieht und ob er ergänzt wird», sagte der Schaffhauser Erziehungsdirektor vor den Medien. Die meisten planen die Einführung auf das Schuljahr 2017/2018.

Oberster Lehrer ist zufrieden

Die überarbeitete Fassung ist um fast 90 Seiten kürzer als jene, die in die Konsultation ging. Neben dem Umfang wurde die Anzahl Kompetenzen reduziert und an der Verständlichkeit gefeilt. Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), attestierte, dass die im Frühling angebrachten Kritikpunkte weitgehend berücksichtigt worden seien. «Ob der Lehrplan überall kommt, werden wir sehen», sagte er in Anspielung auf die in verschiedenen Kantonen mobilmachende Opposition (siehe Box). Für Zemp ist jedoch jetzt Gelassenheit angezeigt. Bernard Gertsch, Präsident des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz, war dezidierter: «Wir stehen hinter dem Lehrplan. Er soll nun eingeführt werden. Das bringt Sicherheit, und diese braucht die Schule.» Skeptisch bleiben jene Lehrer, welche das Memorandum «550 gegen 550» unterschrieben haben. Gemäss Mitteilung wollen sie zuerst die Korrekturen prüfen, bevor sie sich definitiv vernehmen lassen. Schrill bleibt die SVP: In ihren Augen haben die Bildungsbürokraten beim «völlig weltfremden, praxisuntauglichen und monströsen 470-seitigen Lehrplan» gesiegt.

Rankings sind ein «Gerücht»

Der Umfang, konterte gestern die D-EDK, sei vergleichbar mit bestehenden Lehrplänen. Die Mindestanforderungen hiessen neu Grundanforderungen. Sie seien teilweise weniger ambitioniert und würden nun den nationalen Bildungszielen entsprechen. Die Zürcher Erziehungsdirektorin Regine Aeppli wies in einem Ausblick darauf hin, dass die Kantone frei seien, kantonale Eigenheiten einzubauen. Viele der Lehrmittel seien schon da. Wo neue nötig würden, befänden sie sich in Erarbeitung. «Wie die Erfahrung zeigt, werden sich Lehrer eher an ihnen orientieren als am Lehrplan», ergänzte sie. Bei der Beurteilung könne die bestehende Praxis beibehalten werden. Allerdings erwartet Aeppli eine Angleichung über die Jahre. Der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver nahm zu «Vorurteilen» und «Gerüchten» Stellung, welche über den Lehrplan 21 kursierten. Flächendeckende Leistungstests, die zu Rankings führen könnten, werde es nicht geben. «Geplant ist hingegen ein auf Stichproben basierendes Monitoring», sagte er. Die Umstellung von Lernzielen auf Kompetenzen führe auch nicht zu einer Vernachlässigung von Wissen: «Niemand ist kompetent, der über kein Wissen verfügt.» Mit der Einführung des Lehrplans werde die Schule nicht umgekrempelt. «Die Lehrer können ihre ‹Präpen› weiterhin verwenden.» Aber künftig reiche es nicht mehr, den behandelten Stoff abzuhaken. Neu müsse sich die Lehrperson fragen, ob die Schüler das Gelernte auch anwenden könnten.

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