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Es beginnt zu prickeln

Flaach. Am 4. März 1963, fast auf den Tag genau vor 50 Jahren, zog die Familie Kilchsperger in ihre neu erstellte Rebsiedlung auf dem Worrenberg. Toni Kilchsperger war zehn Jahre alt. Dieses Jahr wird er sechzig – und bereitet die Übergabe des Betriebes vor.

Toni Kilchsperger erzählt, dass sein Vater Willi zwar in einem gemischten Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen sei, aber schon früh Freude an den Reben gezeigt habe. «Dass er sich später dar­auf spezialisierte und selbstständig machte, hängt einerseits mit der Erbteilung, aber auch mit den schlechten klimatischen Bedingungen in den 1950er-Jahren zusammen», erklärt er. «Denn nach häufigen Frostwintern wurden damals viele Rebparzellen aufgegeben, die er aufkaufte.» 1962 hatte er 2,2 Hektaren Land beisammen – und somit die nötige Fläche, damit ihm eine Rebsiedlung bewilligt wurde. Das Konzept war damals völlig neuartig, indem Wohn- und Betriebsgebäude mitten in den Weinberg gebaut wurden. 1963 zog die junge Familie in ihr neues Anwesen auf dem Worrenberg ein, Toni Kilchs­perger war damals zehn Jahre alt.

Rückblick auf ein Winzerleben

Von Anfang an war der Betrieb als selbsteinkelternder Weinbaubetrieb konzipiert, der nur eigene Trauben verarbeitet und die Weine selbst vermarktet. Zunächst bauten die Kilchspergers nur Blauburgunder und Riesling×Syl-vaner an, später kam noch der Gewürztraminer dazu. «Aber es waren damals schwierige Zeiten: Wir hatten immer wieder sehr lange, harte Winterfröste», sagt er. «Um den Ernteausfällen zu begegnen, durften wir ab 1985 mit einer Spezialbewilligung Chardonnay anpflanzen.» Doch zuvor zog es den jungen Toni Kilchsperger in die Westschweiz: Ein Jahr seiner Winzerlehre verbrachte er in Lutry am Lac Léman, nach Abschluss der Lehre ar­bei­te­te er in St-Blaise am Neuenburgersee und besuchte in Lausanne Montagibert die Fachschule für Höhere Önologie. Später verbrachte er – eher ungewöhnlich für die frühen 70er-Jahre – drei Monate im kalifornischen Weinanbaugebiet Napa Valley und in Oregon.

1976 kam er zurück, machte den Betriebsleiterkurs und legte die Meisterprüfung ab, dann stieg er zu Hause auf dem Worrenberg ein. 1984 heiratete er, 1986 übernahm er den Betrieb. «Heute bewirtschaften wir vier Hektaren, das ist an der unteren Grenze, um eine Familie zu ernähren», sagt er. «Aber wir machen daneben noch Lohnkelterungen und erbringen viel Eigenleistung, etwa beim Gebäude- und Maschinenunterhalt.» Nun zeichnet sich bei Kilchspergers bereits der nächste Generationenwechsel ab. Er als «Senior» ist bereits ausgezogen und lebt «unten im Dorf» – doch immerhin ganz nahe beim familieneigenen, alten Gewölbekeller, in dem der selbst hergestellte Schaumwein lagert. Und vorläufig wird er im Familienbetrieb auch noch weiter mitarbeiten.

Gut gerüsteter Nachfolger

Für seinen Sohn und Nachfolger Ueli (Jahrgang 1986) war eigentlich immer schon klar, dass er Winzer werden wollte, und deutliche Hinweise dar­auf hat es schon früh gegeben: Mit acht Jahren kelterte er – unterstützt vom Vater – seinen ersten Wein. Später entstanden mehrere Jahrgänge des «Ueli-Wy», für den seine künstlerisch begabte Schwester eigens eine Etikette gestaltet hatte. Auch eine geschäftliche Ader hat Ueli Kilchsperger schon früh entwickelt: Sein Ziel, den Erlös seines Weins in einen Lego-Traktorbausatz zu investieren, erreichte er jedenfalls … Heute schmunzelt er dar­über und sagt: «Das zeigt eben, dass ich nie etwas verkaufen könnte, hinter dem ich nicht stehen kann!»

Nach Lehr- und Wanderjahren in Fully VS, Zeiningen AG, Maienfeld, Praz am Murtensee und Malans brach auch er zu einem einjährigen AmerikaAufenthalt auf, von dem er die eine Hälfte mit Kellereiarbeit verbrachte, die andere «draussen» in den Reben: «Dort arbeiten viele Mexikaner, so habe ich nebenbei noch etwas Spanisch gelernt», sagt er. «Doch auch fachlich habe ich profitiert: Der Betrieb stellt auch Schaumwein her – und das ist ein Thema, das mich fasziniert und bis heute nicht mehr losgelassen hat.»

Immer wieder Schaumwein

So machte er nach seiner Rückkehr an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (D) eine zweijährige Ausbildung, bei der die Sektkelterung ebenfalls ein zen­trales Thema war. Gerne hätte er anschliessend dieses Wissen in der Champagne vertieft. «Aber für Ausländer ist das schwierig», sagt er. Stattdessen ar­bei­te­te er noch ein Jahr lang beim Sekt- und Weingut Barth in Hattenheim, «Auch dort gibt es viel Schaumwein-Knowhow – und man war ohne Konkurrenzängste bereit, mir alles zu zeigen.»

Seit August 2012 wohnt Ueli Kilchs­perger nun wieder hier, sein Elternhaus teilt er mit seiner jüngeren Schwester und der Grossmutter. «Das ist so eine Art betreutes Wohnen», sagt er augenzwinkernd. «Wir schauen, dass unser Grosi immer zu ihrem Glas Wein kommt …» Der letzte Wümmet war also sein Einstand – und hat ihn im Weinberg wie im Keller ziemlich gefordert: «Ich war zehn Jahre weg, und gleich ging es los. Zudem war 2012 auch wettermässig nicht das einfachste Jahr», bilanziert er. «Trotzdem bin ich von den 12er-Weinen positiv überrascht und mit ihnen sehr zufrieden.»

In Zukunft will er vermehrt auf Schaumweine setzen: «Roten Schaumwein kennt man bei uns kaum, dabei ist er ein ausgezeichneter Essensbegleiter», weiss er. «Und mein persönlicher Liebling ist der Rosé: Man kann damit beim Apéro einsteigen und ihn gleich zum Essen weiterziehen.» Aber auch die Weissweine liegen ihm sehr am Herzen: «Ich gebe gerne zu, dass ich ein Weisswein-Fan bin», bekennt er. «Wir sind hier einfach kein Rotweingebiet, die Stärke unseres Terroirs sind feinfruchtige Weissweine – da kann man wirklich das Beste herausholen!» Das ist Ueli Kilchsperger auch deshalb besonders wichtig, weil er seine Weine «über die Qualität und nicht übers Marketing» verkaufen will.

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