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Es entsteht ein bisschen New York in Zürich-Nord

Das Quartier Leutschenbach boomt und will als Teil der Grossstadt Zürich wahrgenommen werden. Architektonisch ist mehr erlaubt als in der City selber.

Das Fernsehstudio und das Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz. Was gehört noch zu Leutschenbach? Das Quartier, das auch bei Zürich-Nord mitgemeint wird, verfügt zwar über einige Wahrzeichen, dennoch ist es vielen nur verschwommen ein Begriff. Die wenigsten wissen etwa, dass es eigentlich zu Seebach gehört. Optisch präsentiert sich Leutschenbach momentan nicht besonders ansprechend, es ist hauptsächlich von Baustellen besiedelt – allen voran der Glattpark. Dieser Zustand wird sich so bald nicht ändern. Das SRF plant einen grösseren Umbau, und auch die Stadt Zürich hat mehrere Überbauungen mit Hunderten Wohnungen, Büros, einem neuen Schulhaus und Parks in der Pipeline. Sie rechnet bis 2030 mit 70 000 Leuten mehr in Zürich, viele werden in die neuen Quartiere ziehen. Diese Woche hat das Bauunternehmen Implenia den ersten von zwei Wohntürmen fertig errichtet. Gemäss dem Motto «Zieh dich für den Job an, den du haben möchtest» werden die beiden 60-Meter-Hochhäuser «The Metropolitans» genannt. Aus Zürich-Nord soll «Little Manhattan» werden. Kein Amt «baut eine Stadt» An die Feier für den Westturm war auch Caspar Bresch vom Amt für Städtebau eingeladen. Er stellte gleich zu Beginn klar, Quartiere planen hat seine Grenzen: «Ein Amt baut keine Stadt.» Den Bau eines Hauses könne man überblicken, wie sich ein Quartier entwickelt, nur schwer. Als Vorteile von Leutschenbach nennt er zuallererst die gute Erschliessung. Diverse Tram- und Buslinien führen in und durch das Quartier, der Flughafen ist in wenigen Minuten erreichbar. Auch die künstlichen Parkanlagen wie Glatt- und Leutschenbachpark zählt er dazu. Nicht zuletzt führt die Glatt durch Leutschenbach: «Der Fluss wurde allerdings etwas vernachlässigt.» Die Nachteile sind die Konsequenzen der Vorteile: Lärm vom Strassen- und Schienenverkehr, viel Beton und deswegen ein Imageproblem. Aktive Stadtentwicklung findet seit 2000 statt, damals wurde ein erstes Leitbild für Leutschenbach entworfen. Seit dann ist auch klar, dass die Architektur weniger strikten Vorschriften unterliegt. Als Beispiel führt Bresch das Schulhaus Leutschenbach an, bei dem sich die Stadt «etwas aus dem Fenster gelehnt» habe. Auch höher bauen ist hier kein Problem: «Es gibt noch nicht viele Nachbarn, denen man die Sicht verbauen könnte.» Von Anfang an eingeplant wurden auch die Freiflächen. Dafür müsse man manchmal etwas kämpfen, sagt Bresch. Zu den jetzigen Pärken soll später auch noch ein Fussweg kommen, der sich durch das ganze Quartier schlängelt und unbebaute Flächen nutzt. «Wir wollen die Stadt nicht ‹fertig› bauen. Es soll Platz für Nischen bleiben.» Das Leitbild sieht vor, dass aus Leutschenbach ein gut durchmischtes Quartier wird. Nicht nur Arbeiten, sondern auch Wohnen und Leben soll stattfinden. Aus dem ehemaligen Industrie-Niemandsland soll ein Ort mit Charakter werden. Obwohl auch die Stadt dar­auf bedacht ist, die Grenzen fliessend zu halten. «Es soll nicht mehr unterschieden werden, ob das jetzt Zürich, Oerlikon oder Opfikon ist.» Nicht lieblich, aber wichtig Laut Implenia sind alle Wohnungen des «Metropolitans»-Westturms bereits verkauft, im Ostturm ist nur noch die Hälfte zu haben. Beruft man sich auf die Erfahrung mit Neu-Oerlikon, wird es wohl trotzdem dauern, bis das Quartierleben Einzug hält. Die öffentlichen Untergeschosse in den neuen Häusern kämpfen zurzeit noch um höhere Frequenzen. Bresch ist allerdings überzeugt, dass sich diese Probleme lösen, sobald Leute einziehen. Über den künstlichen See beim Glattpark habe anfangs niemand ein gutes Wort verloren, dennoch werde er jetzt sehr intensiv genutzt, sagt er. «Er ist halt nicht rund und lieblich, aber trotzdem wichtig für den Stadtteil.» Das Quartier will mit eigener Positionierung Teil der Grossstadt sein. Hier wohnt man im 20. Stock, nicht in der Altbauwohnung.

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