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«Es gibt Winterthurer, die kennen die Archhöfe noch nicht einmal»

Weil die Kunden ausbleiben, suchen die ersten Läden bereits Nachmieter. Die Geschäfte beklagen das schlechte Management und die «tötelige» Atmosphäre.

«Wunderbare Architektur, guter Ladenmix, exzellente Lage!» Die Euphorie von Thomas Arenas war überschwänglich, wenige Tage nach der Eröffnung der Archhöfe. Der neue Ableger im Zen­trum sollte seinen Blumenladen in Seen perfekt ergänzen. Eineinhalb Jahre später sucht er bereits wieder einen Nachmieter. «Unsere Umsätze lagen klar unter den Erwartungen. Wir haben viel zu wenig Kunden», sagt er. Er ist nicht der Einzige. Auch die Kleiderkette Blackout bestätigt, dass sie für die Ladenfläche ihres Ökolabels Grünlicht inzwischen einen Nachmieter sucht. «Nicht ein Kunde pro Tag» Viele Verkäufer der 29 Geschäfte in Winterthurs modernstem Shoppingtempel sind gut eineinhalb Jahre nach der Eröffnung konsterniert. Zu häufig herrsche gähnende Leere in ihrer Mall. «Es gibt Tage, an denen ich keinen einzigen Kunden habe», sagt die Leiterin eines kleinen Geschäftes. Andere zählen acht oder zehn. «An einer Hand abzählen» konnte ihre Kunden eine Mitarbeiterin des Kleidergeschäftes Zara bis gestern Mittag. Mit zwei Filialen besetzt Zara mit Abstand am meisten Ladenfläche. Zusammen mit dem Discounter Aldi wurde sie von Immobilienverwalterin Halter als sogenannter Ankermieter angeworben, um Kunden anzulocken und in sämtliche Etagen zu ziehen. Kaum ein Aldi-Kunde stöbere nach seinen Einkäufen aber noch in anderen Geschäften herum, wie mehrere Verkäufer beobachtet haben. «Kein Wunder. Die Atmosphäre ist trist. Auch ich würde hier nicht shoppen gehen», sagt eine Filialleiterin gar. Nichts lade hier zum Verweilen ein, keine gemütliche Café-Insel, keine sympathischen Animationen, kein Spielplatz. «Kinder fangen hier nach zehn Minuten an zu heulen, weil sie sich langweilen», sagt eine andere. Das schrecke Familien ab. Mit dem derzeitigen Publikum, jungen Schnäppchenjägern, lasse sich kein Umsatz machen.

Möbelierung gewechselt

Ihre Kritik am mangelnden «Mood- Management» richtet sich an die Immobilienfirma Halter, die das Shoppingcenter verwaltet. Selbst dass die Toiletten häufiger gereinigt werden, habe man im Rahmen der IG Archhöfe, die einmal im Monat zusammensitze, erkämpfen müssen. Stellvertretend für Center-Manager Sascha Bauer betont IG-Sprecher Andy Ruf, man habe bereits reagiert. «In der Mall haben wir die Möblierung bereits gewechselt. Im begrünen wir sie mit neuen Pflanzen.» Zudem sei bekannt, dass ein Shoppingcenter Anlaufzeit brauche. Gemäss Florian Küng, dem Leiter Controlling & Services der kantonalen Pensionskasse BVK, der Eigentümerin der Liegenschaft, sind die Reaktionen der Mieter bisher «sehr positiv» gewesen. Man prüfe laufend, wie und wo man optimieren könne. Für 2015 sind laut Ruf erneut grössere Werbeaktionen geplant, in den Medien, aber auch auf dem Archplatz, den man stärker in die «Ambiente-Planung» einbeziehen wolle. Kaltstart und Skepsis Eine breit angelegte Imagekampagne sei auch bitter nötig, sind sich die meisten Ladenbesitzer einig. «Es gibt Winterthurer, die kennen die Archhöfe noch nicht einmal. Und der Rest verdreht die Augen», sagt einer. Die Skepsis ge­gen­über dem Projekt sei längst nicht verflogen. Im ersten Jahr hätten die Archhöfe vor allem wegen Protest- und Sabotageaktionen und einer Bombendrohung für Schlagzeilen gesorgt. Winterthurer Kunden gelten als eher konservativ. «Gewinnt man sie einmal, bleiben sie treu», sagt er. Schliesslich spüre man auch langsam, dass die Hürde Technikum­strasse immer kleiner werde und die Archhöfe nicht mehr hermetisch von der «Stadt» abschneide. Noch keine Zahlen Diese zwei Erkenntnisse, aber auch die leicht steigende Kundenfrequenz und ein klares Umsatzplus beim Weihnachtsgeschäft 2014 stimmen viele Geschäfte und die Besitzerin BVK zuversichtlich. «Wir planen langfristig und glauben an den Standort Winterthur», sagt Florian Küng von der BVK. Sämtliche der 68 Wohnungen in den Archhöfen seien zudem belegt. Bei den Büroflächen liegen noch 200 Quadratmeter brach, rund ein Fünftel. Auf der Hälfte der gesamten Fläche hat sich die Fitnesskette MFit ausgebreitet. Sie ist in den Archhöfen definitiv angekommen und hat im letzten Sommer gar um 300 Quadratmeter ausgebaut. «Mit 2000 Abonnements, Tendenz steigend, wurden unsere Erwartungen an diesem Standort klar übertroffen», sagt MFit-Leiter Vinzenz Keller. Zahlen zu Profitabilität und Umsatzzahlen geben die Geschäfte und das Center-Management nicht bekannt. Eine schweizweite Studie dazu wird aber im Mai erscheinen.

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