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Es ist die Rache des Präsidenten

Kommentar von Alex Eichholz

Das hanebüchene Urteil für die drei Punkrockerinnen von Pussy Riot wird in Moskau von unabhängigen Beobachtern als Rückfall in die wüsteste sowjetische Vergangenheit verurteilt. In Tat und Wahrheit wurden in der schlimmen Stalin-Zeit Menschen aber von «Troikas» zur Erschiessung oder günstigenfalls zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Zwei Jahre Lager sind dagegen deutlich milder. In der späten Sowjetzeit wurde hingegen wenigstens der Schein der «sozialistischen Gesetzlichkeit» gewahrt. Man kam wegen «antisowjetischer Agitation und Propaganda» hinter Gitter. Pussy Riot wurden wegen «teuflischer Zuckungen» vor dem Altar verhaftet – und nun verurteilt. Die Richterin bezog sich allen Ernstes auf die Beschlüsse eines Konzils aus dem 14. Jahrhundert. Dabei ist die Kirche in Russland vom Staat getrennt. So gesehen, führt der Rückfall also viel weiter zurück als in die Sowjetzeit. Unter dem «nationalen Führer» Wladimir Putin ist das Gerichtssystem voll­ends zerstört worden. Zu Beginn des ersten Chodorkowski-Prozesses verdiente der Vorsitzende Richter 20 000 Rubel im Monat (umgerechnet sind das 612 Franken). Heute ist es eine satte Million. Alles Gute kommt von oben – Geld und Weisungen. Man muss sich nichts vormachen: Es ist Putins persönliche Rache. Die drei hatten bereits auf der Richtstätte am Roten Platz getanzt. Nadeschda Tolokonnikowa hatte zusammen mit ihrem Mann der Kunstgruppe «Woina» angehört. Sie hatten in St. Petersburg auf die Zugbrücke vor der Geheimdienstzentrale einen Riesenpenis mit Leuchtfarbe aufgemalt. Als die Brückenhälfte hochfuhr, stand das Glied hoch. Bis zum Morgen konnte man es nicht beseitigen, weil unten Hochseeschiffe durchfuhren. Und das in Putins Heimatstadt! Die Verurteilung ist also sehr persönlich und hat mit den «Gefühlen der Gläubigen» nichts zu tun.

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