Nachgefragt

«Es ist reizvoll, gerade weil es umstritten ist»

Stararchitekt Jacques Herzog erzählt im Interview, warum das Bauen im Hochschulquartier für ihn wie eine Heimkehr ist.

Stararchitekt Jacques Herzog im Interview.

Stararchitekt Jacques Herzog im Interview. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Herzog, was reizt Sieam Projekt Zürcher Hochschul­quartier?

Jacques Herzog: Das Hochschulquartier ist jetzt schon ein toller Ort in Zürich. Dort zu bauen, ist wie eine Heimkehr: Ich war jahrelang an der ETH und kenne das Quartier daher gut. Dort zu verdichten und den Ort für das 21. Jahrhundert fitzumachen, finde ich reizvoll – gerade weil es auch umstritten ist. Es ist wichtig, dass die Leute sich im Vorfeld so einer Entwicklung einbringen und auch reklamieren. Als Architekt sehe ich die Notwendigkeit, den Ort so zu gestalten, dass er für alle attraktiv ist – und nicht nur für die, die das Gebäude nutzen. Es soll keinen elfenbeinturmartigen Ort des Wissens geben, sondern etwas Durchlässiges. Im 21. Jahrhundert müssen Orte des Wissens Orte für alle sein und lebenslanges Lernen anbieten. Dieser Ort soll das ermöglichen.

Sie haben den Widerstand angesprochen. Er richtet sich etwa gegen die Bauvolumen. Wie gehen Sie mit diesen Ängsten um?

Wir haben das Bauvolumen stark reduziert und einen grossen Platz geschaffen, wo es jetzt keinen gibt. Das ist schon mal ein starkes Argument für dieses Projekt. Und: Das Volumen ist im Massstab der bestehenden Gebäude. Auch das ist mir wichtig. Man stellt also nicht plötzlich ein Monster hin, sondern etwas, das mit den bestehenden Gebäuden gleichsam redet.

Der zweite Kritikpunkt war die fehlende demokratische Mitsprache. Ist grosse Architektur nur möglich, wenn nicht zu viele Leute mitreden?

Davor haben wir keine Angst. Wie gesagt: Die Sachen, die die Menschen betreffen, nämlich das Erscheinungsbild, den Freiraum, die Durchlässigkeit und Zugänglichkeit, haben wir berücksichtigt und wollen wir erfüllen. Ich sehe das nicht als Einschränkung.

Sie sind inzwischen 68-jährig und als Architekt weltweit anerkannt. In Zürich waren Sie bis jetzt aber nicht mit Bauten präsent. Woran lag das?

Das hat sich so ergeben. Jetzt bauen wir das Forum UZH im Hochschulquartier und das Kinderspital. Es war nie ein «für oder gegen Zürich». Wir bauen dort, wo es sinnvolle Gelegenheiten gibt. Beim Universitätsprojekt können wir einen Beitrag leisten, den wir wichtig und interessant finden.

Ist Zürich ein besonders schwieriges Terrain, um spannende Architektur zu realisieren? Es gibt ja andere Grossprojekte, die seit langer Zeit nicht realisiert werden . . .

Ich glaube, Zürich ist nicht anders als Basel. Wir sind halt in der Schweiz, in einer Demokratie, die sehr basisorientiert funktioniert. Das ist nicht immer einfach, wie man beim Stadion Zürich sieht. Aber ich glaube, als Architekten können wir vor allem einen Beitrag leisten, indem wir zeigen: Ja, ein neues Projekt kann einen Ort positiv verändern.

()

Erstellt: 08.01.2019, 18:33 Uhr

Artikel zum Thema

Kein Klotz, sondern ein neuer Platz

Zürich Die Stadt Zürich und die Zürcher Hochschulen bieten erste Einblicke in ihre Vision des neuen Hochschulquartiers – inklusive Neubau der Architekten Herzog & de Meuron. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben