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Es wartet viel Arbeit auf die ZKB

Der Aufstieg in die Kategorie der systemrelevanten Banken wird die Zürcher Kantonalbank nicht nur teuer zu stehen kommen. Er wird sie auch verändern. Denn die ZKB wird mit der Pflicht zur Notfallplanung auch ihre Geschäftsstruktur anpassen müssen.

Bei der Zürcher Kantonalbank werden sich schon bald einmal die Beraterfirmen die Klinke in die Hand geben. Denn was die Schweizerische Nationalbank der ZKB vorgestern als Aufgabe aufgebrummt hat, ist für das ZKB-Management allein kaum zu bewältigen. Das ist jedenfalls die Einschätzung der Bank selbst und von Bankexperten. «Man braucht kein Prophet zu sein, um zu erahnen, dass die Erstellung der Notfallpläne für uns zu einer Knacknuss werden wird», sagte ZKB-Vizepräsident Janos Blum bereits am Montag. Finanzprofessor Martin Janssen pflichtete ihm gestern bei: «Auf die Zürcher Kantonalbank kommt sehr viel Arbeit zu.» Das Problem für die Staatsbank des Kantons Zürich ist nämlich, dass fast sämtliche Teile der Bank systemrelevant sind. Während zum Beispiel die UBS im Rahmen ihrer Notfallplanung prüft, das Schweizer Geschäft in eine rechtlich unabhängige Gesellschaft auszulagern, machten solche Aufspaltungen allein bei der ZKB kaum Sinn, sagt Bankrechtsexperte Peter V. Kunz. «Auch wenn die Zürcher Kantonalbank solche Sollbruchstellen hätte, müsste der Kanton im Krisenfall dennoch die ganze Bankengruppe retten», sagt er. Im heutigen Zeitpunkt sei dar­um kaum absehbar, wie ein Notfallplan für die ZKB aussehen könnte. Neue Geschäftsstrukturen Selbst die Aufsichtsbehörde Finma, die diese Notfallpläne prüfen und genehmigen muss, scheint noch keine Vorstellung zu haben, wie ein solcher Plan für die ZKB aussehen könnte. Finma-Sprecher Vinzenz Mathys sagt auf Anfrage nur, dass es noch viel zu früh sei, dar­über etwas zu sagen. Zudem sei es an der Bank und nicht an der Aufsichtsbehörde, Vorschläge zu machen. Die gesamte Arbeit und damit auch deren Kosten lastet demnach auf der ZKB. Wenigstens eine kleine Vorahnung, was auf die viertgrösste Schweizer Bank zukommen könnte, liefert das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (Sif). In einem Papier zum «Too big to fail»-Massnahmenpaket führt das Sif aus, dass die Organisationsstruktur einer Bank so weit entflochten werden müsse, dass ein Herauslösen systemrelevanter Funktionen überhaupt möglich ist. Gemäss Sif erfordert das nicht nur eine eigene Buchhaltung für jedes einzelne systemrelevante Geschäft – bei der ZKB sind das fast alle. Sondern in jedem dieser Geschäftsfelder brauche es auch eine «gewisse Standardisierung der Geschäftsvorgänge.» Die ZKB wird also nicht nur prüfen müssen, wie sie ihre systemrelevanten Bereiche entflechten und rechtlich unabhängig organisieren kann. Sie wird allenfalls auch deren Geschäftsabläufe anpassen müssen. Das ist laut Martin Janssen eine «grössere Übung», die die Bank grundlegend verändern werde. «Ich gehe davon aus, dass die ZKB 2016 organisatorisch eine andere Bank sein wird als heute», sagt er. So werde sie sich wahrscheinlich auf ihre Kernaufgaben im Kanton Zürich – dem Kredit- und Einlagengeschäft – konzentrieren. Auf nicht zentrale Geschäfte wie zum Beispiel die Herausgabe von strukturierten Produkten dagegen werde die ZKB wohl verzichten. Dieser Umbau könnte laut Janssen zudem auch Auswirkungen auf den Kapitalbedarf der Staatsbank haben. «Wenn eine Bank einzelne Geschäftsbereiche konzeptionell, organisatorisch und finanziell sauber trennen muss, wird das auch Konsequenzen für das Eigenkapital haben», sagt er. Denn die Diversifikation der Geschäftsbereiche spiele dann nicht mehr wie bisher. Kapitalrabatt bei Übererfüllung In einem solchen Fall kann die ZKB jedoch dar­auf hoffen, dass die Finma einen Rabatt auf den Eigenkapitalanforderungen gewährt. Ein solcher Rabatt ist jedenfalls im «Too big to fail»-Paket vorgesehen, wenn eine Bank Notfallmassnahmen trifft, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Bis jetzt hat die Finma jedoch solche Rabatte noch nie gewährt. Seit 2012 liegen ihr zwar die Notfallpläne von UBS und CS vor. Deren Prüfung ist laut Finma jedoch immer noch im Gang.

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