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Expedition zum «Ort der Geister»

Der Filmer Humbi Entress begleitete einen tod­kranken Grönland-Abenteurer auf einer Expedition übers Inlandeis. Heute präsentiert er in Aadorf seinen Dokfilm.

Die Faszination für Grönland erfasste Humbi Entress erstmals, als er acht Jahre alt war. Ein Foto des wind- und wetterfest ausgerüsteten Extremsportlers Robert Peroni war es, das ihn erstmals von einer eigenen Grönland-Reise träumen liess. Damals, in den 80er-Jahren, hatte der Südtiroler mit einer spektakulären Grönland-Durchquerung in 88 Tagen von Ost nach West über eine Distanz von 1400 Kilometern für Furore gesorgt. Später hatte Entress’ Vater über einen in der Schweiz lebenden Grönländer Peroni persönlich kennen gelernt und ihn mehrmals in Ostgrönland besucht. «Für mich sah die Satellitenaufnahme von Grönland immer aus wie ein Wolf», sagt Entress, und das scheint dem 31-Jährigen symbolisch gesehen auch heute noch durchaus passend. Vor gut zwei Jahren war Entress mit der Videokamera auf einer Expedition an der Seite von Peroni unterwegs: Der inzwischen todkranke Wahlgrönländer hatte sich gewünscht, ein letztes Mal den «weissen Horizont» zu sehen, wie er es nennt: Wer sich auf dem Inlandeis landeinwärts bewegt, steigt auf dem Plateau allmählich immer höher und erreicht schliesslich einen Punkt, von dem man keine Berggipfel, sondern nur noch einen tiefen, flachen Horizont sieht. Endstation Schneewüste? Trotz sorgfältiger Vorbereitung: Die Expedition wurde zu einer Reise ins Ungewisse. «Wir waren dar­auf gefasst, dass Peroni uns mitteilen würde, dass er nicht mehr zurückkehren wolle», so Entress. Wenn es denn auch nicht ganz so dramatisch ausging: Ein Wetterumschwung zwang die Expedition, die zum Schutz vor einer möglichen Begegnung mit Eisbären von zwei einheimischen Jägern begleitet wurde, zur vorzeitigen Umkehr. «Grönländer gehen eigentlich nicht gern aufs Inlandeis. Für sie ist es der Ort der Geister.» Umso erstaunlicher sei es gewesen, wie die Einheimischen trotz Nebel zielsicher zurück an die Küste gefunden hätten. Snowboard- und Imagefilme Zur Filmerei kam Entress indirekt durch seine Leidenschaft für das Snowboard: «Ich überlegte mir für die Ma- turarbeit, wie ich es umgehen könnte, drinnen irgendeinen trockenen Stoff wälzen zu müssen», erzählt Entress mit einem Lächeln. Um selbst mit dem Snowboard eine anständige Karriere zu verfolgen, sei er selbst zwar «zu schlecht» gewesen, im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen. Dies habe ihn auf die Idee gebracht, einen Film über deren Snowboardkünste zu drehen. Mit dem Snowboard erfüllte sich dann auch ein erstes Mal der Traum von der Grönland-Reise: Entress überzeugte Snowboardprofi Gian Simmen, einen Film im in der Szene noch weitgehend unbekannten Grönland zu drehen. Inzwischen hat Entress auch eine fünfteilige Serie von Imagefilmen für Grönland Tourismus gedreht. Der ehemalige Aadorfer mit Büro am Winterthurer Lagerplatz sieht denn auch seine Zukunft eher beim Werbe- und Imagefilm als bei der Dokumentation. «Dabei habe ich visuell die grösseren Freiheiten.» Gut möglich, dass er auch einmal in ganz anderen Gefilden aktiv werden wird, zeigte doch inzwischen Namibia Interesse an einer vergleichbaren Produktion. Die Faszination für den Norden wird ihn dabei nicht so schnell loslassen – sofern es sich auf geeignete Weise mit dem Familienleben vereinbaren lassen wird. Seinen drei Monate alten Sohn bezeichnet der ehemalige Primarlehrer denn auch als sein «schönstes Projekt». Dass dieser in ein paar Jahren die Faszination Grönlands entdecken wird, scheint gewiss.

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