Fabel vom Biber und der Schwalbe

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Es war einmal vor ziemlich kurzer Zeit in einer nahen Gemeinde ein Biber namens Bertram. Bertram ist kein besonders folgsamer Biber. Hinter der kuschlig-freundlichen Fassade weiss das Tier seinen Sonderstatus gnadenlos auszunutzen. Denn seit Bertrams Vorfahren vor 40 Jahren wieder angesiedelt worden sind, sind nicht nur die pelzigen Nager, sondern auch alle ihre Bauten geschützt.

Bertram lässt sich dar­um gar nichts bieten. Er sucht sich die schönsten Plätze für seine ­Höhle. Was kümmerts ihn, wenn einem Zürcher der Offroader unterm Hintern wegsackt oder die Kanalisation rückstaut.

Für Versuche, wie die Tiere in eine Betonröhre umzusiedeln und damit von der Böschung ­abzulenken, hat Bertram nur ein müdes Schnurrhaarzucken übrig. Auch die beinahe religiöse Verehrung, die Menschen gewissen Pflanzen entgegenbringen, ist seinem Biberhirn fremd. Die schöne grosse Eiche ist das Wahrzeichen des Orts? Das Holz der schönen grossen Eiche staut den Fluss hervorragend! Bertrams Sturheit zahlt sich aus. ­Immer mehr Menschen geben entnervt auf und verkaufen die Wälder an den Kanton. Soll der sich mit den Nagern plagen.

Ganz anders die Strategie von Schwalbe Schöntraud. Die Dame von Welt ist weit gereist und versteht sich auf Diplomatie. Selbstredend ohne die eigenen Interessen aus den Augen zu verlieren. Schöntrauds Deal lautet: Stechmücken und Läuse vertilgen und dafür Hauswände als Toiletten benutzen. Gleichzeitig weiss das Vögelchen, wie auf den Saiten des menschlichen Gewissens zu spielen ist.

Es ziert sich und beschwört so die Angst herauf, es könnte den Schwalben ähnlich ergehen wie Bertrams Vorfahren: Eines Tages sind sie weg. Um vergangene Fehler nicht zu wiederholen, bemüht sich der Mensch umso mehr. Er verhindert Fussballplätze in Schöntrauds Nähe, baut ihr Unterkünfte und besorgt sogar den richtigen Soundtrack. So lautet die Moral von der Geschicht’: Jedem Tierchen sein Manierchen – nur dem Menschchen nicht.

Erstellt: 26.02.2016, 08:59 Uhr

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