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«Fahrlässig und überheblich» vom 2:0 zum 2:3

Seit Maurizio Jacobacci (Bild) im Januar 2012 als Trainer den FC Schaffhausen übernommen hat, lief auf der Breite so gut wie alles wunschgemäss: Der FCS ist zweimal aufgestiegen und in seiner neuen Umgebung, der Challenge League, gleich in die Spitzengruppe vorgestossen. Von 58 Pflichtspielen in dieser Zeit hat er 42 gewonnen und nur neun verloren. Und eine dieser wenigen Niederlagen war gar ein gefühlter Sieg, denn im Dezember 2012 drängten die Schaffhauser den nachmaligen Cupsieger GC in den Achtelfinals mit einer absolut gleichwertigen Vorstellung an den Rand einer Niederlage; erst das Elfmeterschiessen ging verloren.

Also war der FC Schaffhausen als neuer Spitzenklub der Challenge League klarer Favorit, als er vier Wochen nach dem im Elfmeterschies­sen gescheiterten Nachbarn aus Winter- thur ins Paul-Grüninger-Stadion des St. Galler Erstligisten SC Brühl fuhr. 1250 Zuschauer waren zugegen, aus Schaffhausen waren allerdings nicht viele mitgereist. Die aber konnten bei Halbzeit – so ganz anders als ehedem die viel zahlreicher präsenten FCW-Fans – feststellen, was hinterher auch Jacobacci sagen sollte: «Wir hatten doch alles im Griff, wir spielten wie geplant.» 2:0 stand es, dazu verloren die St. Galler kurz vor Halbzeit ihren Torhüter Arianit Lazraj. Der «Held» aus dem Spiel gegen den FCW war bei einer Abwehr mit dem Ball in der Hand knapp ausserhalb des Strafraums geraten, die Rote Karte war eine zumindest umstrittene Entscheidung.

Gleich drei Befreiungsschläge

«Es gab also keinen Grund, etwas zu ändern,» sagt Jacobacci, «und wir dominierten dann auch weiter von A bis Z – nur eines vergassen wir: Wir spielten keine vertikalen Pässe mehr.» Dazu kamen ein paar defensive Fehler oder, wie sie Jacobacci beschrieb, «Naivitäten». Zuerst konterten die St. Galler nach einem Schaffhauser Eckball in Windeseile – Egzon Shabani leistete die Vorarbeit, Linksverteidiger Quoc-Trung Nguyen schloss fulminant ab. Das war in der 57. Minute das 1:2, «aber noch war eigentlich nichts passiert. Noch waren wir vorne, noch hatten wir einen Mann mehr auf dem Platz», sagte Jacobacci.

Aber eine Viertelstunde vor Schluss stands trotz – uner­gie­­biger – Schaffhauser Dominanz 2:2 – der in Österreich eingebürgerte Brasilianer Sidinei hatte nach einem nächsten Abwehrfehler des FCS ausgeglichen. Und in der 82. Minute hauten die St. Galler wieder einen wei- ten Befreiungsschlag nach vorne. Der wäre ungefährlich geblieben, hätte nicht Schaffhausens Innenverteidiger Raphael Mollet über den Ball geschlagen. So konnte sich ausgerechnet der schnellste St. Galler, eben Shabani, enteilen – und Torhüter Vaso Vasic mit einem zwar nicht einwandfrei geglückten, aber doch wirkungsvollen Heber überlisten.

Die (kleine) Brühler Gemeinde tobte, ihre Mannschaft verteidigte sich die paar restlichen Minuten auch mit Glück, denn mal flog der Ball von Mollets Kopf an den Posten, mal von Pascal Thriers Kopf knapp übers Tor, mal stand Begat Bushati auf der Linie im Weg. Die Schaffhauser wurden bestraft dafür, ihre Vorteile «fahrlässig und überheblich hingegeben» zu haben, wie es Jacobacci noch tags dar­auf formulierte, als er seine Spieler ausführlichst ins Gebet genommen hatte. «Ich schäme mich für die Vorstellung der zweiten Halbzeit,» sagte er gar. Und: «Es ist auch ärgerlich für den Verein, der doch jeden Rappen aus dem Cup brauchen könnte.»

Kritik an «Führungsspielern»

Die Schaffhauser hatten – gar in regulärer Spielzeit und nach einem Vorsprung – verloren gegen einen Gegner, der «eigentlich» nicht stark genug war, sie oder den FCW zu eliminieren. Aber die «Kronen» haben es getan. Die Winterthurer scheiterten allein an ihrer mangelnden Chancenauswertung, die Schaffhauser an teils «haarsträubenden» Fehlern, wie Jacobacci jenen Mollets beurteilte. Aber auch daran, «dass ich in heiklen Si­tua­tio­nen von einigen Führungsspielern mehr erwartet hätte».

So einer ist Mollet, das sind aber auch die gerühmten Skorer Patrick Rossini und Gianluca Frontino. Sie gingen – trotz Frontinos 2:0 – zu leichtfertig mit ihren Möglichkeiten um, beide wurden verwarnt, weil sie als «Schwalbe» durch die gegnerische Abwehr geflogen waren. Nur Faruk Gül, der Deutsch-Türke, muss sich keine Vorwürfe gefallen lassen. Der «giftige» Linksaussen schoss das 1:0 und bereitete mit energischer Balleroberung das 2:0 vor.

Natürlich fiel Jacobacci auch auf, «dass wir in dieser Saison schon zum zweiten Mal verloren, als wir in Überzahl waren.» In der Meisterschaft hatte der FCS gegen Lugano nach einem frühen Platzverweis für einen Tessiner zwei Elfmeter verschossen und vier Tore kassiert! Der SC Brühl aber hatte ganz andere Themen: Nach zwei dramatischen Spielen gegen Gäste aus der Challenge League bekommt er es im November mit Sicherheit mit einem Klub aus der Super League zu tun. Am liebsten wäre ­ihnen im Osten der Stadt natürlich der FC aus dem Westen. (hjs)

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