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«Familienplanung allein reicht nicht»

Die Ecopop-Initiative will auch in Entwicklungsländern das Bevölkerungswachstum beschränken. Die Forderung ist allerdings nicht neu. Zudem engagiert sich die Schweiz bereits seit Jahren mit Projekten.

In der Debatte zur Ecopop-Initiative wird vor allem die Forderung der Initianten, die Zuwanderung in die Schweiz auf jährlich etwa 16000 Personen zu beschränken, heiss diskutiert. Eher stiefmütterlich wird dagegen die zweite Forderung behandelt. Geht es nach den Initianten, dann muss das Bevölkerungswachstum auch anderswo, namentlich in Entwicklungsländern, eingedämmt werden. Deshalb soll der Bund zehn Prozent der Entwicklungshilfegelder in Massnahmen zur Förderung der freiwilligen Familienplanung investieren. Gemessen an den Ausgaben 2014, entspricht dies etwa 200 Millionen Franken pro Jahr. Allerdings ist die Idee mit der Familienplanung in armen Ländern weder neu noch aus der Ecopop-Küche. Das Recht auf freiwillige Familienplanung gehört bereits seit 1968 zu den grundlegenden UNO-Menschenrechten. Gemäss einem Bericht des UNO-Bevölkerungsfonds haben in Entwicklungsländern mehr als 220 Millionen Frauen keinen Zugang zu modernen Methoden der Empfängnisverhütung. Jährlich werden rund 80 Millionen Frauen ungewollt schwanger.

UNO fordert mehr Hilfe für die freiwillige Familienplanung

Betroffen sind vor allem Frauen in Südasien und in afrikanischen Ländern. Ursachen für die fehlende Familienplanung sind nach Bericht Armut, sozialer Druck und die anhaltende Diskriminierung der Frauen. Für die UNO ist klar: Hätten alle Menschen Zugang zu Aufklärung und Verhütung, würde die Zahl der ungewollten Schwangerschaften um zwei Drittel sinken. Dadurch würden sich in den armen Ländern auch das rasante Bevölkerungswachstum verlangsamen und die Entwicklungschancen deutlich verbessern. Die UNO fordert deshalb mehr Hilfen für eine selbstbestimmte Familienplanung. 8,1 Milliarden Dollar pro Jahr würde es gemäss dem Bericht kosten, allen Frauen, die verhüten möchten, die Möglichkeit dazu zu geben. Das seien 4,1 Milliarden Dollar mehr, als heute investiert würden. Den Ecopop-Initianten hat die Forderung, die freiwillige Familienplanung zu fördern, neben dem Vorwurf des Rassismus auch jenen des Neokolonialismus eingebracht. Andere Kritiker wie etwa der St.Galler SVP-Nationalrat Roland Büchel halten die Idee für weltfremd. Büchel, der nach eigenen Angaben als konsularischer Beamter und später im Fussballmarketing zwanzig Jahre lang immer wieder in Afrika gelebt und gearbeitet hatte, sagte jüngst gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung», Präservative habe er in Afrika vor allem in Form von Ballonen gesehen, mit denen die Kinder Fussball gespielt hätten. «Die Familienplanungsprojekte sind sicher gut gemeint, haben aber kaum konkreten Nutzen.» Ein berechtigter Einwand – würden sich diese Projekte darauf beschränken, in Afrika Kondome zu verteilen. Laut George Farago von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) funktioniert die Familienplanung nicht isoliert, sondern sei Teil des wesentlich umfassenderen Themengebiets sexuelle und reproduktive Gesundheit. «Die freiwillige Familienplanung allein beeinflusst das Bevölkerungswachstum nicht.» Die Massnahmen seien jedoch dann wirksam, wenn sie in Ansätze zur Gleichstellung der Geschlechter und der Armutsbekämpfung eingebettet und an die sozialen Gegebenheiten einer Gesellschaft angepasst seien.

Bund müsste Ausgabenverdreifachen

«Weil Familienplanung nur innerhalb des Konzeptes von sexueller und reproduktiver Gesundheit Sinn macht und nur in diesem Rahmen von der Deza gefördert wird, ist es nicht möglich, die Ausgaben dafür gesondert auszuweisen», so Farago. 2014 belaufen sich die Ausgaben für den ganzen Bereich auf etwa 88 Millionen Franken. Bei einer Annahme der Initiative müsste fast das Dreifache allein für Familienplanungsprojekte ausgegeben werden – was wohl zulasten anderer Bereiche ginge.

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