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Farbe bekennen mit neuen Reifen

MONTMELÓ. Mit dem Grossen Preis von Spanien geht die Formel-1-WM in eine entscheidende Phase. Auf dem vertrauten Circuit de Catalunya gibt es keine Entschuldigungen. Wer hier nicht vorne mithalten kann, muss seine Ambitionen herunterschrauben.

Das lange Warten nimmt ein Ende, aber mit ungewissem Ausgang. Beim ersten Auftritt in Europa seit 34 Wochen stehen die Formel-1-Teams vor einer kniffligen Aufgabe. Schonungslos wird in Spanien aufgedeckt, wer die Hausaufgaben gemacht und die Lehren aus den vier Startrennen gezogen hat. Ganz besonders gilt das für McLaren, Sauber und Williams, deren innovative Neuentwicklungen die hohen Erwartungen bisher nicht erfüllen konnten, sowie Mercedes. Auch alle anderen mussten aber unerwartete Rückschläge verkraften und sind jetzt dar­auf aus, den Rhythmus zu finden, um den ehrgeizigen Zielsetzungen gerecht werden zu können.

Trotz der Vertrautheit und acht Testtagen im Februar ist der 25 Kilometer nördlich von Barcelona gelegene Circuit de Catalunya, der die Formel 1 seit 1991 beheimatet, immer für Überraschungen gut. Pastor Maldonados fehlerlose Siegesfahrt im Williams vor Jahresfrist ist noch in bester Erinnerung. Ständige wechselnde Windverhältnisse und Temperaturen erschweren die Arbeiten der Ingenieure und der Fahrer, die von den diesjährigen Pirelli-Reifen arg gefordert und jetzt auch noch mit einer neuen Mischung konfrontiert werden. Jeder Dritte des aktuellen Startfeldes hat in MontmelÓ gewonnen: Kimi Räikkönen als Einziger zweimal, Lokalmatador Fernando Alonso zur Enttäuschung der zuletzt kleiner werdenden Fankulisse aber nur einmal wie Sebastian Vettel, Felipe Massa, Jenson Button, Mark Webber und zuletzt Maldonado.

Hamilton ohne Sieg

In sechs Anläufen ohne Sieg geblieben ist von den Toppiloten einzig Lewis Hamilton, der mit dem Mercedes unter dem konfliktträchtigen österreichischen Kommando von Toto Wolff und Niki Lauda an die Spitze zurückkehren muss, um die in dieser Sache gespaltene Vorstandsetage längerfristig bei Laune halten zu können. Ob es in dieser angespannten Si­tua­tion geschickt war, die Fühler auch in Richtung Vettel auszufahren, wird sich weisen. Die bereits durch zwei technische Ausfälle und die Überlegenheit Hamiltons strapazierte Gemütslage von Stammfahrer Nico Rosberg hat sich dadurch bestimmt nicht gebessert. «Dass wir hier beim Testen in der Kälte sehr schnell waren, bietet keinerlei Gewähr für ein gutes Abschneiden bei angenehmeren Bedingungen», glaubt der Deutsche, der einige Tage am Simulator verbracht hat und an diesem Wochenende eine klare Weichenstellung erwartet: «Wer in Spanien bei der Musik ist, wird auch im weiteren Verlauf mitreden können. Wer nicht, steht vor einer extrem schwierigen Saison.»

Ferrari ist diesbezüglich frei von Sorgen, doch an der Zuverlässigkeit mangelt es noch. Ein ungewöhnliches technisches Problem mit dem DRS und ein seltener Fahrfehler sind dafür verantwortlich, dass Fernando Alonso im Zwischenklassement nur Vierter ist hinter Vettel, Räikkönen und Hamilton. Für sein einziges Heimspiel – Valencia kann sich die Formel 1 nicht mehr leisten – hat sich der Weltmeister von 2005 und 2006 sehr viel vorgenommen. Hier soll die Basis für den ersten Titel mit Ferrari gelegt werden. «Die Siege hier 2006, in Monza 2010 und in Valencia im Vorjahr haben in meiner Karriere die bisher grössten Emotionen geweckt», gesteht er. «Hier spürt man die Wärme der Fans überall. Das ist die beste Motivation für das Herauskitzeln der letzten Zehntelssekunde, um den Fans einen Grund zum Feiern zu geben.»

Neue und zusätzliche Reifen

Ob auch die Neuheiten von Pirelli in seinem Sinne sind, muss sich erst weisen. Nicht wenige sehen diesbezügliche Vorteile eher bei Red Bull, das in Australien und China die Reifen nicht richtig zum Arbeiten brachte und dar­auf lautstark Kritik übte. In Spanien wird deshalb eine neue Variante der harten Slicks eingesetzt. «Der neue Reifen weist ein erweitertes Betriebsfenster auf, bietet aber etwas weniger Performance», erklärt Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery. «In Kombination mit den übrigen Mischungen, die in diesem Jahr nicht mehr verändert werden, wird es den Teams ermöglicht, ein noch breiteres Spektrum an Strategien zu nutzen. Unser Ziel ist es, die Unterhaltung auf der Strecke weiter zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass die Medium-Mischung deutlich schneller ist und von den Teams verstärkt im Qualifying eingesetzt werden wird. Im Gegensatz dazu werden die meisten im Rennen dem harten Reifen den Vorzug geben.»

In Übereinstimmung mit dem aktuellen Regelwerk erhält jeder Fahrer zudem am Freitag einen Extra-Satz speziell harter Reifen, die sehr viele Trainingsrunden ermöglichen. Damit sollen die Teams ermuntert werden, die Nachwuchsfahrer von Beginn an so viel wie möglich fahren zu lassen. «Die Fans verdienen es, für ihr Geld eine grosse Motorsport-Show zu erleben», findet Hembery. Die langweiligen Prozessionen von Barcelona sind aber schon seit 2011 Vergangenheit. Dank DRS und Pirelli-Gummi sind bei den beiden letzten Rennen zusammen je 140 Überholmanöver und Boxenstopps gezählt worden. Das sind deutlich mehr als vorher in fünf Jahren. Für Spektakel ist also in jedem Fall gesorgt.

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