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Federers Karriere steht definitiv im Herbst Die Favoriten bleiben fast unter sich

tennis?Nach dem frühesten Aus am French Open seit zehn Jahren stellen sich bei Roger Federer Fragen nach der Zukunft. Die nächsten Wochen auf Rasen werden zeigen, was er im Spätherbst seiner Karriere noch gewinnen kann.Von den ersten acht der Setzliste verpassten einzig die Schweizer Stan Wawrinka und Roger Federer die Viertelfinals. Rafael Nadal feierte in Roland Garros im Achtelfinal seinen 32. Erfolg in Folge.

Die italienische «Gazzetta dello Sport» schrieb, dass Ernests Gulbis das «Monument Federer» gestürzt habe. Doch der englische «Daily Telegraph» fragt: «Zählt es immer noch als Schock, wenn Roger Federer bei einem Grand Slam ausscheidet?» Der Einwand ist nicht ohne Berechtigung. In den vergangenen zwölf Monaten ist der 32-jährige Basler an drei von vier Grand-Slam-Turnieren vor den Viertelfinals ausgeschieden (2. Runde in Wimbledon, Achtelfinal am US Open, Halbfinal in Australien und nun im Achtel­final von Paris).

Die Fünfsatzniederlage gegen Gulbis muss nicht zwingend ein schlechtes Omen für die Zukunft sein. Federer schloss zwar die ­fehlende Spielpraxis als Grund kategorisch aus: «Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass ich zu wenig auf Sand gespielt habe.» Dennoch war die Vorbereitung auf das French Open suboptimal. Die vier gewonnenen Spiele in Monte Carlo, als er erst im Final gegen Stan Wawrinka verlor, lagen beim Start ins Turnier bereits über einen Monat zurück. Danach spielte der Schweizer nur noch eine Partie in Rom (Niederlage gegen Chardy).

Was allerdings auffällt: Federer verliert nicht nur öfter und früher, er tut es auch zunehmend gegen Spieler ohne grossen Namen. Neben Weltnummer 1 Rafael Nadal hiessen seine letzten Bezwinger an den grossen Turnieren Sergej Stachowski (ATP 116), Tommy Robredo (ATP 22) und nun Gulbis (ATP 17). Waren es vor einigen Jahren nur eine Handvoll Spieler, die mit dem festen Glauben an den Sieg in ein Duell mit Federer stiegen, sind es heute mindestens 30 mit diesem Potenzial. Mit dem zunehmenden Selbstvertrauen der Gegner nimmt auch die Sicherheit des «Monuments» ab.

Physisch macht der vierfache Papa in diesem Jahr wieder einen guten Eindruck. Doch die Uhr läuft natürlich trotzdem gegen ihn. Im August feiert er seinen 33. Geburtstag. In dem Alter hat seit 1972 (Andres Gimeno mit 34 Jahren und 10 Monaten in Paris) keiner mehr ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Im 21. Jahrhundert war der Amerikaner Andre Agassi am Australian Open 2003 mit 32 Jahren der älteste Sieger.

«Entscheidend ist, dass ich positiv bleibe», erklärte Federer vor der Abreise aus Paris. Dafür werden die nächsten Wochen sehr entscheidend sein. Die Rasen-Courts sind sein Revier, ab Montag wird er in Halle seinen Titel vom Vorjahr zu verteidigen versuchen. «Das ist ein gutes Gefühl, an den Ort zurückzukehren, wo ich letztes Jahr gewonnen habe», sagte der siebenfache Wim­bledon-Champion. «Das hatte ich schon länger nicht mehr.» In Ost-Westfalen hat er ebenfalls bereits sechs Mal den Titel gewonnen, diesmal ist er hinter Rafael Nadal als Nummer 2 gesetzt.

Rasen als Prüfstein

Tomas Berdych (ATP 6) könnte Federer heute mit einem Sieg über dessen Bezwinger Gulbis aus den Top 4 verdrängen. Die Sandsaison war aber wohl nie die Priorität des Baslers. Auf Rasen muss er nun beweisen, dass er noch zur absoluten Weltspitze gehört. Sein bislang letzter Grand-Slam-Titel vor zwei Jahren im Südwesten Londons konnte nicht unbedingt erwartet werden. Ähnliches ist ihm auch diesmal durchaus zuzutrauen. Dafür muss aber alles zusammenpassen – vom hektischen Familienleben mit vier Kindern über den zuweilen fragilen Rücken bis hin zum Selbstvertrauen.

«Ich glaube daran, dass ich in Wimbledon gewinnen kann», versicherte Federer. Reines Wunschdenken ist dies nicht, das hat er in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen. Weitere grosse Titel sind möglich. Aber sie würden ­Exploits darstellen, nicht die Normalität. Marcel Hauck, Paris

«Ich glaube daran, dass ich in Wimbledon gewinnen kann.»

Charaktertest: Roger Federer muss erneut einen frühen Abgang in einem Grand-Slam-Turnier verkraften. Keystone

2009 endete Nadals Siegesserie in Paris mit einer sensationellen Niederlage gegen Robin Söderling bei 31 Erfolgen. Gestern Montag war der achtfache Champion nie in Gefahr, Ähnliches zu erleben. Er liess dem Serben Dusan Lajovic (ATP 83) mit 6:1, 6:2, 6:1 nicht den Hauch einer Chance. Im Viertelfinal dürfte seine Aufgabe deutlich anspruchsvoller werden. In der Neuauflage des letztjährigen Finals trifft Nadal auf Landsmann David Ferrer (ATP 5).

Publikumsliebling Gaël Monfils (ATP 28) und der Schotte Andy Murray (ATP 8) sorgten anschliessend dafür, dass die obere Tableauhälfte keine rein spanische Angelegenheit wird. Monfils machte mit Wawrinka-Bezwinger Guillermo Garcia-Lopez (ATP 39) kurzen Prozess, und Murray erwies sich für Linkshänder Fernando Verdasco (ATP 25) als zu solide. Federer-Bezwinger Ernests Gulbis (ATP 17) fordert Tomas Berdych (ATP 6). Im letzten Viertelfinal ist Novak Djokovic gegen die kanadische Weltnummer 9 Milos Raonic klarer Favorit.

Im Frauenturnier steht die Deutsche Andrea Petkovic (WTA 27) nach dem Sieg über Kiki Bertens (Ho) in den Viertelfinals. Sie trifft auf Sara Errani (It, WTA 11), die sich in zwei Sätzen gegen die Weltnummer 7 Jelena Jankovic durchsetzte. Damit haben nur zwei Spielerinnen aus den Top Ten der Weltrangliste, die Rumänin Simona Halep (WTA 4) und die Russin Maria Scharapowa (WTA 8), die Runde der letzten acht erreicht. ?si

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