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Federers Schritt

SCHANGHAI. Roger Federer trennte sich von seinem Coach Paul Annacone – wer ihn ersetzt, ist noch offen.

Federer hatte den Amerikaner Paul Annacone im Spätsommer 2010 engagiert, nachdem er am French Open und in Wimbledon erstmals nach sechs Jahren bereits in den Viertelfinals gescheitert und in der Weltrangliste auf Platz 3 zurückgefallen war. «Als wir mit der Kooperation begannen, hatten wir einen 3-Jahres-Plan vor Augen, der den Gewinn eines weiteren Grand-Slam-Titels sowie die Rückkehr zur Nummer 1 des Rankings vorsah», schrieb der Schweizer auf seiner Homepage. Beide Ziele wurden erreicht. 2012 gewann Federer Wimbledon und kehrte auf den Tennisthron zurück.

Doch in der laufenden Saison waren die Resultate des 17-fachen Grand-Slam-Siegers enttäuschend. Er fiel in der Weltrangliste auf Platz 7 zurück und gewann bislang nur einen Titel, beim kleinen Turnier in Halle. An den grösseren Events, nicht zuletzt bei den Majors, blieb er zum Teil weit unter den Erwartungen. Insbesondere die Niederlagen in Wimbledon gegen Sergej Stachowski (ATP 116, 2. Runde) und am US Open gegen Tommy Robredo (ATP 22, 4. Runde) mussten Federer und seinem Umfeld zu denken geben.

Ein Veränderung drängte sich deshalb auf. Die hat der Baselbieter nun vollzogen. Er betonte aber, dass er sich von Annacone, der von 1995 bis 2001 Pete Sampras betreut und zu acht Grand-Slam-Titeln geführt hatte, im Guten getrennt habe: «Paul bleibt ein guter Freund.» Sampras könnte für Federer durchaus ein Beispiel sein, wie er die letzten Jahre seiner Karriere erfolgreich gestalten könnte. Der nach dem Schweizer mit 14 Grand-Slam-Titeln erfolgreichste Spieler der Geschichte gewann nach Wimbledon 2000 kein Turnier mehr – ehe er zwei Jahre später am US Open noch einmal zuschlug. Annacone reagierte auf die Trennung wie ein Gentleman. «Danke RF und Team RF», twitterte er. «War eine tolle Reise – grossartiges Team, noch bessere Menschen!!! Danke an alle!!!»

Ob Annacone in Federers Betreuerstab ersetzt wird, hat der Schweizer noch offengelassen. Mit dem Davis-Cup-Captain Severin Lüthi hat er allerdings bereits einen Coach zur Seite. Mit seinem Jugendfreund arbeitet er seit vielen Jahren zusammen. Das nächste Turnier bestreitet Federer ab dem 21. Oktober: die Swiss Indoors in Basel. Aktuell belegt er im Jahresranking den 8. Platz. Es droht ihm erstmals seit 2001 das Verpassen der ATP Tour Finals der besten acht Spieler der Saison.

Djokovic siegte erneut

In Schanghai, wo Federer in der 2. Runde gescheitert war, gewann Novak Djokovic wie im Vorjahr. Im Final setzte er sich 6:1, 3:6, 7:6 (7:3) gegen Juan Martin del Potro durch, der im Halbfinal die Nummer 1, Rafael Nadal, ausgeschaltet hatte.

Nach einem von Djokovic überlegen geführten Startsatz kämpfte sich del Potro ins Spiel zurück und gewann dank einem frühen Break den zweiten Durchgang. In der Schlussphase forderten sich die beiden Grundlinien-Spezialisten dann in intensiven Ballwechseln mit zumeist leichten Vorteilen für den Serben. Er konnte del Potro jedoch trotz mehreren Chancen den Aufschlag nicht mehr abnehmen. Im Tiebreak war Djokovic aber klar stärker und holte sich nach gut zweieinhalb Stunden mit einer Longline-Rückhand den 39. Titel seiner Karriere, den 5. in diesem Jahr.

Seit er am Samstag vor einer Woche die Position an der Spitze der Weltrangliste an Rafael Nadal verloren hat, macht Djokovic einen starken Eindruck. Nachdem er seit April (Monte Carlo) kein Turnier mehr gewonnen hatte, war er nun in Peking (Finalsieg gegen Nadal) und Schanghai gleich zweimal erfolgreich.

Nadal hatte am Samstag beim 2:6, 4:6 gegen del Potro ungewohnt ineffizient agiert. In den eindreiviertel Stunden erar­bei­te­te sich die neue Weltnummer 1 sechs Breakbälle. Der Argentinier machte es wesentlich besser. Er nahm dem Mallorquiner im ersten Durchgang zweimal den Aufschlag ab, im zweiten reichte ein Break zum Zweisatzsieg. ­Nadal bezog in der 31. Hartplatz-Partie dieses Jahres erst die zweite Niederlage, nachdem er vor einer Woche in Peking den Final gegen Djokovic verloren hatte. Del Potro qualifizierte sich mit diesem Sieg als vierter Spieler nach Nadal, Djokovic und David Ferrer für die ATP Tour Finals in London.

Djokovic gewann seinen Halbfinal gegen Jo-Wilfried Tsonga mit 6:2, 7:5. Tsonga bleibt damit im Jahresranking hinter Stanislas Wawrinka und Roger Federer auf Platz 9, der wegen der verletzungsbedingten Absage von Andy Murray gerade noch zur Teilnahme in London berechtigt. (si)

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