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Felix, der Glückliche

Rosa Chutor. Vor acht Tagen erlitt er einen Autounfall, Reporter verfolgten ihn, ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet. Felix Neureuther ist mit dem Schrecken davon­gekommen – und will heute im Slalom Wunder vollbringen.

Einige hielten ihn deswegen für verrückt. Aber Felix Neureuther startete trotzdem. Quasi aus dem Krankenbett fuhr er am Mittwoch im Riesenslalom auf Rang 8. Vom «Wunder von Sotschi» berichteten deutsche Zeitungen. Und der Athlet selbst sagte, er hätte so etwas nicht für möglich gehalten. Für einen Fahrer seiner Klasse ist ein Top-Ten-Ergebnis an und für sich nichts Aussergewöhnliches, in diesem Fall jedoch höchst erstaunlich. Am Valentinstag war er in einen Autounfall verwickelt und erlitt dabei ein Schleudertrauma, Rippenprellungen und eine Zerrung des Bandapparates im Halswirbelbereich.

Eingepackt in einen dicken Wollschal, erschien der Deutsche in Sotschi zur Pressekonferenz; blickte er zur Seite, drehte der ganze Oberkörper mit. Damals war sein Blick voller Sorgen; mittlerweile sagt er, «im Kopf frei» zu sein für den heutigen Slalom. Es wäre die Story schlechthin in Deutschland, würde der WM-Zweite des Vorjahres eine Medaille gewinnen. Neureuther meint, er habe sehr grosses Glück gehabt, sei dankbar dafür. «Ich bin mir bewusst, dass beim Unfall Schlimmes hätte geschehen können.»

Der Unfall in München

Was war denn genau passiert vor acht Tagen? Auf dem Weg zum Flughafen, wo er in die Maschine nach Sotschi hätte steigen sollen, war Neureuther bei winterlichen Verhältnissen mit seinem Auto unweit von München ins Schleudern geraten und in die Leitplanke gekracht. Der Slalomstar fuhr umgehend zu seinem Vertrauensarzt; Richtung Olympische Spiele reiste er mit Halskrause und gut 24 Stunden Verspätung.

Die Sache wird ein Nachspiel haben. Neureuther benachrichtigte zwar die Polizei, allerdings erst nachdem er die Unfallstelle verlassen hatte. Die Staatsanwaltschaft München II hat ein Verfahren wegen Verdachts auf Fahrerflucht eingeleitet. In Deutschland gilt die Wartepflicht, Neureuther hätte mindestens 30 Minuten auf die Beamten warten müssen. «Ich bin kein Schwerverbrecher, bin mir keiner Schuld bewusst. Ich habe den Unfall nicht verschwiegen», hält der 29-Jährige fest und ergänzt, geschockt sei er vor allem über die Dimension, welche die Geschichte angenommen habe. Reporter hätten ihn durch die Münchner Innenstadt verfolgt und teilweise falsch berichtet, erzählt er mit Unverständnis; «der Rummel war heftiger als nach meinem Vizeweltmeistertitel». Neureuther sagt, niemand sei zu Schaden gekommen, kein anderes Fahrzeug involviert gewesen. Weil sich der Sachschaden nur auf wenige Hundert Euro beläuft, dürfte er mit einer Geldstrafe davonkommen.

Der Vorfall in Zürich

Dass der Unfall einen derartigen Trubel auslöste, überrascht nur bedingt. Felix Neureuther, Sohn der Skilegenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, ist in Deutschland überaus populär. Nach jahrelanger Krise im Alpinbereich der Männer gilt er als Heilsbringer; acht Weltcuprennen hat der Bayer gewonnen, sein Erfolg Anfang Januar beim Riesenslalom in Adelboden war erst der zweite eines Deutschen in dieser Disziplin. Neureuther und Biathletin Miriam Gössner gelten als sportliches Traumpaar. Seit die Beziehung im Vorjahr bekannt wurde, steht er noch stärker im Fokus der Öffentlichkeit.

Wegen körperlicher Beschwerden musste Gössner auf die Reise nach Sotschi verzichten. Dass ihr Freund in Russland weilt, ist alles andere als selbstverständlich – nicht nur wegen des Unfalls. «Es ist unerklärlich, war­um es mir in dieser Saison so gut läuft», meint der Stangenakrobat, der, obwohl ständig handicapiert, so schnell wie noch nie fährt. Neureuther verletzte sich am Daumen, beklagte gravierende Rückenschmerzen. Vor allem aber sah er sich im Sommer zur Untätigkeit gezwungen, weil eine Operation in der Zürcher Schulthess-Klinik nicht wunschgemäss verlaufen war. Im Juni wurde ihm eine Geschwulst am Sprunggelenk entfernt, die Wunde verheilte nicht. Statt 14 Tage musste er über vier Monate pausieren, «ich befürchtete, die Saison zu verpassen».

Nun, die Sache ist ausgestanden. Und auch vom Schleudertrauma wird Neureuther keine bleibenden Schäden davontragen. Er witzelt: «Bei mir im Gehirn funktioniert noch alles – auch wenn man es vielleicht nicht glauben mag.»

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