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Ferdy Kübler beehrte seine alte Heimat

Radsportlegende Ferdy Kübler besuchte gestern Mar­tha­len. Grund ist die Tour de Suisse, die im Juni erstmals im Zürcher Weinland haltmacht.

Kommt er wirklich? Der Sieger der Tour de France von 1950 und dreifache Gewinner der Tour de Suisse? «Ich bin gespannt wie ein Pfeilbogen», sagte einer der Gäste, die gestern neben dem neu entstehenden Mar­tha­ler Bahnhof auf Ferdy Kübler warteten. Und er kam, zusammen mit seiner Frau Christina. Im roten Pullover stieg der bald 95-Jährige aus dem Auto – und das Geprassel der Fotoauslöser ging los. Kübler beehrte seine alte Heimat Mar­tha­len, wo er am 24. Juli 1919 zur Welt kam und aufwuchs. Der Grund für seinen Besuch: In ihrer 78. Ausgabe macht die Tour de Suisse erstmals halt im Weinland, und zwar am 17. und 18. Juni in Ossingen. In Zusatzrunden wird der Tross durch weitere Weinländer Dörfer brausen, dar­un­ter Mar­tha­len, Truttikon und Kleinandelfingen. Zu Ehren von Ferdy Kübler wurde gestern eine Eiche gepflanzt – der Baum auf dem Mar­tha­ler Wappen. «Die Eiche wird weitergedeihen, und wir werden so stets an dich denken», sagte Ossingens Gemeindepräsident Martin Günthardt. Kübler ist im Radhof aufgewachsen, der zwischen Mar­tha­len und Rhein­au liegt. «Vielleicht war es der Name, der dich zum Radsport gebracht hat», sagte Mar­tha­lens Gemeindepräsidentin Barbara Nägeli in Anspielung auf den Hofnamen. Küblers Schalk und Charme Ferdy Kübler ist zwar nicht mehr gut zu Fuss, doch seinen Schalk hat er nach wie vor. So fragte er die Gemeindepräsidentin nach ihrem Namen – «Nägeli heissen hier ja alle». Für Erheiterung sorgten auch die weitererzählten Anekdoten aus seiner Mar­tha­ler Jugendzeit. So führte er mit anderen Buben schon früh Radrennen durch, wobei er alle in Grund und Boden gefahren haben soll. Die Startnummern bastelten sie sich aus Karton und montierten sie an ihren Fahrrädern. Manchmal wurde Kübler sein kämpferischer Fahrstil auch zum Verhängnis, und er landete in einem Brunnen. «Er hatte nur eines im ‹Grind› – Radrennfahrer zu werden», so Nägeli. Das seien schöne Erinnerungen, sagte Kübler sichtlich gerührt. Dabei wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Im Sommer ging er barfuss zur Schule, im Winter mit Holzschuhen, an die sein Vater Sohlen aus alten Autoreifen nagelte. Er war streng – einmal zersägte er Ferdys Rad. Doch später war der Vater stolz auf die Erfolge seines Sohnes. Und Kübler war und ist ein Charmeur: Blühten die Wiesen, brachte er seiner Mar­tha­ler Lehrerin jeden Tag einen Wiesenstrauss mit, den er auf seinem Schulweg für sie pflückte.

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