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Fernando Alonso sorgt für rote Köpfe

Ferrari will ihn nicht mehr, McLaren-Honda stemmt sich gegen seine Forderungen. Die wichtigste Formel-1-Personalie bleibt vor dem Grossen Preis von Brasilien offen wie der Kampf um den Titel.

Vieles in der Formel 1 dreht sich um Fernando Alonso, doch der Spanier gibt auf und neben der Piste Rätsel auf. Bei Ferrari pokert er offenbar um eine Abfindung bei der vorzeitigen Vertragsauflösung, bei McLaren blockiert er als Wunschkandidat die Verhandlungen mit anderen Fahrern, weil er sich im Ungewissen über das Potenzial des neuen Honda-Motors nur für eine Saison binden möchte.

Aus diesem Grunde kann sein jetziger Arbeitgeber den Zuzug von Sebastian Vettel nicht offizialisieren und muss McLaren die aktuellen Piloten Jenson Button und Kevin Magnussen hinhalten. Der erfahrene Brite will sich das als früherer Weltmeister nicht länger bieten lassen und sieht sich nach anderen Möglichkeiten – auch ausserhalb der Formel 1 – um, der junge Däne hat keine Alternative und bangt.

Symbolisch für die unbefriedigende Si­tua­tion bei Ferrari waren gestern das ausbrechende Feuer im Heck des auf der Geraden ohne Antrieb ausrollenden Autos von Alonso und die deshalb geschwenkten roten Flaggen zwanzig Minuten vor Schluss des Freitagtrainings. Der Spanier selbst griff beherzt zum Feuerlöscher und löste wenigstens dieses Problem.

Teamchef Marco Mattiacci steht vor einem Haufen anderer, ungelöster Probleme. Dar­über kann auch der überraschende dritte Platz von Kimi Räikkönen im Training hinter dem erneut überlegenen, diesmal aber von Nico Rosberg angeführten Mercedes-Duo nicht hinwegtäuschen. Mit seinen Aussagen zu den berechtigten Forderungen der kleinen Teams hat sich der Italiener längst auch den Unmut von Saubers Teamchefin Monisha Kaltenborn zugezogen. Auch das bisher loyale Kundenteam sah sich erneut mit einem defekten Ferrari-Hybridsystem konfrontiert. Esteban Gutiérrez verpasste deshalb eine ganze Trainingssitzung und blieb in der zweiten stehen.

Klare Verhältnisse bei Sauber

Nicht nur mit dem langjährigen Motorenpartner hat Kaltenborn Ärger. Nach der raschen Verpflichtung von Marcus Ericsson und Felipe Nasr, der gestern bei Williams eine weitere Testchance bekam, tun sich die drei aktuellen Sauber-Fahrer und ihr Umfeld schwer mit der neuen Si­tua­tion, in der es für sie kaum mehr einen Platz in der Formel 1 geben wird. Entsprechend missmutig und enttäuscht bewegen sie sich durchs Fahrerlager und wollen sogar Rechtsanwälte bemühen. Zweifel aber gibt es keine.

«Wir haben unsere Fahrer verkündet, daran gibt es nichts mehr zu rütteln oder zu hinterfragen», betont die Teamchefin und Juristin, die genau weiss, was in ihren Verträgen steht. Die Förderer von Gutiérrez und van der Garde haben die von der Teamleitung rechtzeitig ausgeschickten Signale offensichtlich nicht ernst genommen in der Meinung, Sauber müsse sowieso wieder auf sie zurückkommen.

Schneller gehandelt haben – wie einst bei Räikkönen – Steve Robertson und Eje Elgh, die Manager von Nasr und Ericsson. Sie haben Nägel mit Köpfen gemacht und einen schönen Teil des künftigen Budgets des Schweizer Rennstalls abgedeckt. Peter Sauber spricht von einer ausgewogenen Lösung mit einem schnellen Fahrer, «den wir schon lange im Visier hatten», und einem anderen interessanten Fahrer, der plötzlich frei wurde. «Wir sind glücklich, mit neuen Partnern in die Zukunft gehen zu können», gesteht Kaltenborn, die auch im gemeinsamen Kampf an der Seite von Force India und Lotus um eine gerechtere Verteilung der Sockelbeträge Fortschritte, aber noch keinen Durchbruch sieht.

Marussia endgültig weg

In der Teamhierarchie geht es in jedem Fall eine Stufe höher. Bei Marussia sind gestern nach dem Ablaufen einer Deadline die Lichter endgültig ausgegangen und die Mitarbeiter nach Hause geschickt worden. Anders liegt der Fall bei Caterham, dessen Insolvenzverwalter noch immer nach Möglichkeiten sucht, um für das Saisonfinale in Abu Dhabi zurückzukehren. Realistisch betrachtet sind die Aussichten dafür aber sehr gering. Die bereits vielen Zuschauer in Interlagos bekamen damit einen Vorgeschmack auf die nächste Saison. Da der Spanier Juncadella mit dem Force India von Sergio Pérez im Freitagmorgentraining heftig in die Abschrankungen geprallt war, musste der Mexikaner den ganzen Tag aussetzen.

Ganz ähnlich ging es dem Franzosen Jean-Eric Vergne, der seinen Toro Rosso am Morgen Max Verstappen überlassen musste und am Nachmittag gleich mit einem Elektronikdefekt stehen blieb. So waren plötzlich nur noch 16 Autos unterwegs im Autodromo José Carlos Pace, auf dem heute für das Qualifying heftige Niederschläge angekündigt sind.

Das könnte eine Zusatzchance für das Sauber-Duo werden. Gestern mussten sich Gutiérrez und Sutil wieder einmal mit den Plätzen 14 und 15 zufriedengeben, deutlicher als zuletzt distanziert von den Lotus-Fahrern Pastor Maldonado und Romain Gros- jean. Da die Ölmillionen aus Venezuela wegen der wirtschaftlichen und politischen Probleme im Lande bald versiegen könnten, sind die Cockpits in diesem Team noch nicht vergeben. Vielleicht öffnet sich hier doch noch eine Türe für einen Unzufriedenen.

Peter Lattmann

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