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Feuerwehr will Rauchmelder-Obligatorium

BERN. Rauchmelder können Leben retten, sagen Fachleute. Doch während die Warnanlagen in einigen Ländern im privaten Wohn- bereich schon lange Pflicht sind, sind entsprechende Installationen hierzulande nach wie vor freiwillig. Das missfällt den Feuerwehren.

Rund 20 000 Brände ereignen sich in Schweizer Privathaushalten jährlich. Laut Statistik gingen 2011 von der Küche die grössten Brandgefahren aus. An zweiter Stelle der Brandverursacher standen Kerzen und bereits an dritter Stelle elektrische Geräte – wie zum Beispiel Wäschetrockner. Schon seit einiger Zeit empfehlen deshalb Brandschutzfachleute, Tumbler nie unbeaufsichtigt laufen zu lassen, da Kurzschlüsse im Gerät, die durch Feuchtigkeit, Erschütterung und Wärmewirkung verursacht werden, Brände auslösen können. Fakt ist jedoch: Wenn Tumbler in Betrieb sind, befinden sie sich nicht selten meist unbewacht im Keller eines Mehrfamilienhauses. Dar­auf deuten Beispiele der letzten Monate hin:

K30.07.2012 : Tumblerbrand im Keller eines Mehrfamilienhauses in Oetwil am See ZH.

K03.06.2012 : Tumblerbrand im Keller eines Mehrfamilienhauses in Hirzel.

K21.05.2012 : Tumblerbrand im Kellerabteil eine Mehrfamilienhauses in Unterentfelden AG.

K17.04.2012 : Tumblerbrand in der Waschküche eines Mehrfamilienhauses in Bad Ragaz SG.

K14.04.2012 : Tumblerbrand im Keller eines Mehrfamilienhauses in Birs-felden BL.

Zwar haben die aufgebotenen Feuerwehren die Brände jeweils rasch unter Kontrolle bringen können. Doch da sie oft erst ziemlich spät entdeckt wurden, konnte in vielen Fällen nicht verhindert werden, dass auch im Treppenhaus und weiteren Räumen grosse Rauch- und Russschäden entstanden. Brandschutzfachleute sind sich deshalb einig: Rauchmelder in Waschküchen und Kellern, die via Funk mit anderen Rauchmeldern im Haus vernetzt sind, würden mithelfen, das Ausmass der Schäden deutlich in Grenzen zu halten.

Doch Rauchmelder vermögen noch viel Existenzielleres. Sie warnen auch schlafende Menschen – und damit mögliche Opfer von Bränden. Denn wenn es in einer Wohnung brennt, ist höchste Eile angesagt. Zur Flucht, das belegen Feuerwehrstatistiken, bleiben den Bewohnern in der Regel höchstens vier Minuten. Danach ist die Wohnung mit giftigem Rauch gefüllt, der schon nach wenigen Atemzügen zur Ohnmacht führt. Zwischen 20 und 30 Menschen kommen in der Schweiz jährlich bei Bränden ums Leben – 90 Prozent der Opfer ersticken im Schlaf.

Appell an die Politiker

Während in den USA, in Kanada, in einigen EU-Staaten und auch in den meisten deutschen Bundesländern die Installation von Rauchmeldern in Privatwohnungen (sowohl Alt- wie auch Neubauten) grundsätzlich Pflicht ist, setzen die kantonalen Gebäudeversicherungen in der Schweiz nach wie vor auf Freiwilligkeit. Das ist für die Feuerwehren in der Schweiz unverständlich. Denn: «Hätten wir ein Obligatorium für Rauchmelder, gäbe es weniger Opfer und weniger Sachschäden», ist Robert Schmidli, Direktor des Schweizerischen Feuerwehrverbandes (SFV), überzeugt. «Es ist bedauerlich, dass es bis heute weder auf kantonaler noch auf eidgenössischer Ebene politische Vorstösse gibt, die zum Ziel haben, Rauchmelder auch im privaten Wohnbereich zur Pflicht zu erklären.» Dass es heute in der Schweiz noch kein Obligatorium für Rauchmelder gebe, habe aber nicht zuletzt auch damit zu tun, dass sich die Hersteller von Rauchmeldern in ihrem Vorgehen nicht einig sind, glaubt Schmidli. «Die Branche könnte einen ganz anderen Druck ausüben, wenn sie statt Einzelinteressen das Gemeinwohl im Auge hätte.»

Nein zur Rauchmelder-Pflicht

Doch auch im Rahmen der aktuellen Revision der Brandschutzvorschriften in der Schweiz ist kein Obligatorium für Rauchmelder in Privaträumen vorgesehen, wie die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) auf Anfrage bestätigt. Die VKF ist die Dachorganisation der kantonalen Brandschutzbehörden und der 19 kantonalen Gebäudeversicherungen in der Schweiz. «Jede Brandschutzmassnahme muss sich wirtschaftlich rechnen», sagt VKF-Sprecher Rolf Meier. Eine soeben erschienene Studie der ETH Zürich habe gezeigt, dass ein Obligatorium von Rauchmeldern zu einer allenfalls minimalen Reduktion der Brandtoten führen würde. «Diese Reduktion steht jedoch wirtschaftlich in keinem Verhältnis zu den Aufwendungen, die von Privatpersonen und dem Gewerbe getragen werden müssten», erklärt Meier. «Wir gehen hier von einem zweistelligen Millionenbetrag aus.» Die VKF empfehle zwar generell die Installation von Rauchmeldern, aber weiterhin allein auf freiwilliger Basis.

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