Filet oder Brust – alles oder nichts

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Weisst du, woher das Pouletbrüstli kommt?», fragt der Papi das kleine Söhnchen. Antwortet das Söhnchen: «Aus der Migros.» Ja gut, der Horizont eines Vierjährigen kann altersbedingt noch nicht wahnsinnig weit reichen, ­denken Sie jetzt vielleicht. Das Schweizer Bildungssystem wird schon dafür sorgen, dass er als Jugendlicher später weiss, woher der Mittelteil seines Burgers stammt. Und vorausgesetzt, er verschreibt sich nicht dem Veganismus und bestellt ein Tofuplätzchen aus Brasilien, ist die Chance gross, dass sich der pflichtbewusste Schweizer an Fleisch aus der Region hält.

Wenn er also das vakuumierte Brüstli aus der gelben Packung klaubt, dabei die vorgestanzte Lasche abreisst und schliesslich den Karton mit einem Küchenmesser massakriert (geht das nur mir so?), dann weiss er, welcher Teil welchen Tieres in der Pfanne landet. Zumindest auf intellektueller Ebene. Denn mehr als ein glattes Stück Fleisch in Plastik wird er kaum je in den Händen halten. Nur schon der Pouletschenkel ist ihm zu viel – zu viel Tier. Der Gedanke an ein Knochenhäufchen auf dem Teller oder das Gefühl, wenn die Backenzähne auf Knorpel beissen, ertragen viele mehr schlecht als recht. Spricht jemand von ­Innereien, springt der Gedanke zum neusten Zombiefilm.

Statt des Brüstlis wird unser Protagonist deshalb nie ein ganzes Suppenhuhn auf den Herd stellen. Im Restaurant bestellt er das Filet. Aus der Region natürlich. Das ist ökologisch und garantiert zumindest nach Schweizer Grundsätzen eine artgerechte Haltung. Aber was ist mit den restlichen Teilen ökologischen und artgerechten Fleisches? Stirbt das Rind fürs Filet und das Hüehndli fürs Brüstli? Von Peter Kyburz’ Damhirschen in Zell gibt es deshalb «alles oder nichts». Wertschätzung für die Tiere ist ihm wichtig. Besser an die frische Luft und sich mit dem Tier als komplettem Wesen aus­einandersetzen statt vors Kühlregal. Auf dem Land sind vielleicht auch die Verpackungen weniger dämlich. (Landbote)

Erstellt: 08.07.2016, 11:11 Uhr

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