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«Firmen sind verunsichert»

Als Geschäftsleiter der Standortförderung Region Winterthur ist Michael Domeisen im regen Austausch mit Firmen aller Branchen.

Wie ist die Stimmung in der Region nach der Aufhebung des Mindestkurses? Michael Domeisen: Im Moment noch gut, aber die Unternehmen sind verunsichert. Bei der vorletzten Umfrage war viel Optimismus zu spüren. Im Durchschnitt waren die Unternehmen gut aufgestellt und haben auf ein besseres halbes Jahr gehofft als das vergangene. Nach der Stärkung des Frankens und der aktuellen Umfrage ist das Geschäftsklima nun so tief wie noch nie zuvor. Den Export trifft die Entwicklung sehr direkt. Wie wirkt sich der starke Franken auf andere aus? Grundsätzlich muss man es so sehen: Der Franken hat gewonnen, und fast alle anderen Währungen haben verloren. Es ist also auch der Export ausserhalb des Euroraums betroffen. Daneben haben wir auch viele Unternehmen, die hier in der Region produzieren oder Rohstoffe verarbeiten. Hier ist ein Umsatzrückgang zu erwarten. Sie werden zwar ähnlich viel verkaufen wie zuvor, aber zu niedrigeren Preisen. Ein weiteres Problem ergibt sich bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand. Weil mit einem Mal die deutschen Anbieter 20 Prozent günstiger geworden sind, haben es Schweizer Firmen nun sehr viel schwerer, ausgewählt zu werden. Wie sieht es bei Unternehmen aus, die nur innerhalb der Schweiz tätig sind? Diese Firmen werden nicht gross etwas spüren. Beispielsweise Versicherungen, die nur schweizweit operieren. Da sind nach wie vor alle Kosten in Franken berechnet. Aufpassen müssen sie nur bei der Entwicklung von Anlagegeldern. Was für Reaktionen konnten Sie bis jetzt beobachten? Von Entlassungen oder Kurzarbeit weiss ich bis jetzt nichts. Was man öfter hört, ist, dass die Unternehmen schon eine gewisse Vorahnung hatten und sich deshalb gegen Währungsrisiken abgesichert haben. Im Moment gilt es abzuwarten, wie sich die Si­tua­tion entwickelt und wo der Euro sich einpendelt. Bis zu 1.10 Franken wäre zu verschmerzen, ist mein Eindruck. Waren denn nicht alle auf diese Si­tua­tion vorbereitet? Nein, vor allem die kleineren Un­ter­neh­men konnten weniger Vorkehrungen treffen. Glück haben sie in diesem Sinne, dass die Region doch noch ein Stück von der deutschen Grenze entfernt ist. Tankstellen in Schaffhausen etwa beklagen sich sehr. Erstaunlich ist, dass laut Umfrage nicht der Preisdruck, sondern die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften die grösste Herausforderung darstellt. Dieses Problem existiert schon länger. Es wird immer schwieriger, junge Handwerker oder Ingenieure zu finden. Ausbildungen werden schneller wieder abgebrochen. Dann stellen auch andere Branchen wie etwa Banken, die besser bezahlen, vermehrt Ingenieure an. In Zukunft wird es vor allem den Branchen gut gehen, die auf genügend Fachkräfte zugreifen können.

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