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Flaute statt Verstärkung

«Verstärkung 13» heisst die aktuelle Ausstellung im Raiff­eisen-Kunstforum. Die Verstärkung, das sind die Neumitglieder der Künstlergruppe Winterthur. Stark sieht aber anders aus.

Zugegeben, die Erwartungen waren vor dem Ausstellungsbesuch hoch. Nach der «Verstärkung 12», die vergangenes Jahr eine Elf von starken Künstlerpersönlichkeiten in gelungener Kuratierung präsentierte, und nach dem letzten genial-frechen Streich im Raiffeisen-Kunstforum unter dem Titel «Dunkel war’s, der Mond schien helle» hoffte man natürlich, dass der seit zwei Jahren in der Künstlergruppe wehende frische Wind auch diesmal für volle Fahrt unter geschwellten Segeln sorgen würde. Doch der Aufbruch ins neue Jahr steht unter dem Zeichen völliger Flaute.

Verschenkte Positionen

Sieben Kunstschaffende wurden nach dem neuen Prozedere aufgenommen (siehe Kasten) – kuratiert hat die Künstlerin Katharina Henking, unterstützt von Samuel Furrer, Zeichner und Vorstandsmitglied der Künstlergruppe.

Zwei Faktoren bestimmen den ungünstigen Eindruck. Zum einen Kunstschaffende, von denen man sich fragt, war­um sie die Generalversammlung der Künstlergruppe in ihre Reihen aufgenommen hat, und eine wenig vorteilhafte Kuratierung.

Da ist zunächst das Ehepaar Stefanie Eins und Morné Swanepoel. Eins zeigt kleinformatige Farbtafeln mit Streifenbemalung, die als künstlerische Formulierung belanglos sind. Dasselbe Bild von den Holzskulpturen ihres Mannes Swanepoel: Diese gehen als propädeutische Übungen an einem Vorkurs durch, aber sicher nicht als ausgereifte Position. Hier hat die Qualitätskontrolle durch die Künstlergruppe versagt (siehe Kasten).

Die anderen fünf braucht man dem hiesigen Publikum nicht mehr vorzustellen. Wamidh al-Ameri ist als Einzelkünstler und als Mitglied von Urnamo, der Vereinigung dreier irakischer Künstler in Winterthur, in der Schweiz und auch im Ausland mit seinen intelligenten Arbeiten zum Thema Kultur und Kulturaustausch aufgefallen. Gezeigt wird hier ein Video, das unter leisem Knallen beschleunigte Kugeln zeigt, die an einer unsichtbaren Wand abprallen – und in Richtung Betrachter zurückfliegen. Wer hier unter welchem Beschuss liegt? Irritierend dagegen in handwerklicher Hinsicht sein Gemälde von Bäumen und Blattwerk.

Christiane Ghilardi und Sabina Speich (beide bereits an der «Dunkel war’s»-Ausstellung vertreten) sind Künstlerinnen, die verschiedenste Konventionen des Alltags wie auch des Kunstbetriebs kalkulierend unterlaufen. Ghilardis Blindzeichnungen aus der Erinnerung an Jugendbücher überraschen, wenn man vor allem ihre In­stallationen aus Armeewoll- und Feuerwehrlöschdecken kennt. Die Bleistiftzeichnungen sind verspielt und verzichten auf jegliches Gestalten- oder Kunst-Wollen. Ähnlich der grosse orange Fisch aus Plastik von Sabina Speich. Er liegt über der Rückenlehne eines Sofas im Forum wie ein seekranker Schiffspassagier, der über die Reling reihert. Wenig Sinn machen dagegen die QR-Codes, die man scannen müsste. Angesichts des totalen Fotoverbots im Forum leider eine verschenkte Position. Kaum zückt man ein Handy, kommt die Aufsicht der Bank angerannt und hebt den Mahnfinger.

Ein Highlight ist Annette Pfister – in Erinnerung an ihre Intarsien aus fotografierter Salami aus der «Dunkel war’s»-Ausstellung ist einem schon das Wasser im Munde zusammengelaufen. In der aktuellen Ausstellung zeigt sie Bildinstallationen, die in Grautönen gehalten sind und verschiedene Comic-Figuren zeigen. Die Anspielung an mittelalterliche Grisaillen ist unübersehbar und die Lust am Spiel mit nobilitierten Formaten ebenfalls. Schwächer ist die schwarz-weisse Tusche-Arbeit daneben von Lydia Wilhelm.

Offene Fragen

Einen leichten Job hatten Henking und Furrer nicht: Im Fall von Pfister, Ghilardi, Speich und Wilhelm mussten sie Arbeiten finden, die nicht bereits an der vorherigen Gruppenausstellung gezeigt worden waren. Die Absicht, auch andere oder unbekannte Seiten bekannter Kunstschaffender zu zeigen, ist unübersehbar.

Dennoch möchte man Positionen sehen, die glasklar begründen, war­um jemand in die Künstlergruppe aufgenommen worden ist. Ein nicht funktionierender QR-Code oder ein dilettantisches Ölgemälde bleiben einem die Antwort schuldig.

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