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Flip-Flops, Paddel und Wollmützen

Am Samstag ruderten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt über 20 Achter von Ellikon nach Eglisau.

Eine Gruppe Männer steht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mit Glühweintassen beim Restaurant Schiff in Ellikon am Rhein. Neben ihnen aufgebockt ist ihr Ruderboot – ein Achter. Um an diesem Samstag am Fluss zu stehen, haben die Ruderer und ihre beiden Begleiterinnen einen weiten Weg hinter sich gebracht: «Wir sind wohl das Team mit dem längsten Anfahrtsweg und auch eines der ältesten», sagt Michael Schlüter. Er ist Captain der «Elster-Saale-Piraten» aus Leipzig und will an diesem Nachmittag mit seinem Team – Durchschnittsalter 51 – einen guten Platz herausrudern. Veranstalter des Ruderrennens zwischen Ellikon und Eglisau (mit dem etwas umständlichen Namen «Langstrecke.ch – the ultimate rowing challenge») ist der Zürcher Regatta-Verein. Auf dessen Homepage ist unbescheiden vom «härtesten Achterrennen der Schweiz» die Rede. Das ist aber nicht der Grund, weshalb das Team aus Sachsen angereist ist. «Wir waren letztes Jahr bereits dabei, und uns haben das Flair und die Strecke sehr gut gefallen», sagt Schlüter. Eine Stunde vor dem Startsignal trägt er bereits sein dunkles Ruderoutfit sowie eine schwarze Kappe mit einem kleinen Bundesadler drauf auf dem Kopf. Das Rennen sei für ihn ein würdiger Saisonabschluss.

Gymnastik im Kreis

Dass sich in den erwähnten Tassen vor dem Wettkampf kein Glühwein befindet, versteht sich von selbst – es ist Tee. Nach dem Zieleinlauf wird dann aber doch noch der eine oder andere Schuss Rum in die Tassen kommen, verraten die beiden Begleiterinnen. Rund 500 Meter weiter südlich beim Bootswasserungsplatz bereiten sich die anderen 20 Teams auf das Rennen vor. Auch sie tragen schon die eng anliegende Ruderkleidung. Viele haben Wollmützen auf. Einige sind barfuss unterwegs, andere in Flip-Flops oder Adiletten. Drei Ruderer tragen ein Boot vom Auto zum Bock. Ein anderes Team steht im Kreis beisammen und wärmt sich mit Gymnastik und Dehnübungen auf. Dann setzen alle zum Sprint an. Zurückgekehrt, stehen sie wieder im Kreis und schreien sich zur Motivation gegenseitig an – wie Footballspieler.

Mit 30:53 zuoberst auf dem Podest

«Es ist vor allem die Atmosphäre, die mir an diesem Rennen gefällt», sagt Beat von Felten vom RC Zürich. Auch für sein Team ist das Rennen das letzte des Jahrs. «Danach fahren wir das Training etwas herunter.» Aber schon Mitte Februar stehe wieder die nächste Regatta an, und zwar in Turin. Das kalte Wetter dieses Winters sei für die Sportler kein Problem, sagt von Felten. «Klar wäre es schön, wenn die Sonne scheinen würde. Aber wenigstens ist das Wasser wärmer als die Luft.» Warm eingepackt ist der Steuermann in von Feltens Team: Er trägt einen dicken Seemannanorak, dazu eine orange Brille und eine Schwimmweste. Und damit er nicht nass wird, packen ihn vier Ruderer und tragen ihn wie ein rohes Ei ins gewasserte Boot. Genauso verfahren die Ruderer vom Team 1 des Seeclubs Zürich. Nur ist bei ihnen der Steuermann eine Steuerfrau. «Das ist gar nicht so unüblich, dass eine Frau den Ruderern sagt, wo es langgeht», sagt Rik Vils. Er ist schon seit mehreren Jahren Team-Captain und in diesem Jahr als Titelverteidiger angereist. Anders als im Vorjahr ist sein Team nun nicht der Jäger, sondern der Gejagte. Sie seien der Si­tua­tion aber gewachsen, versichert Vils. Denn sein Team, das am Mythenquai zu Hause ist, hat ein Ass im Ärmel: Es verfügt über ein zweites Bootshaus in Eglisau und hat damit auf der Strecke also Heimvorteil. Das verbessere die Gewinnchancen bis 30 Prozent, meint Vils. Zur Sicherheit seien sie am Vortag die Strecke nochmals mit dem Motorboot abgefahren, «damit die Steuerfrau genau weiss, wo die Strömungen verlaufen». Dann wassern auch sie ihr Boot und rudern einen Kilometer flussaufwärts hinter den Start. Hier stellen sich die Boote in Startreihenfolge auf. Das Signalhorn ertönt, los gehts. Die Schreie der Steuerfrau von Team 1 des Seeclubs Zürich können sogar die Zuschauer am Ufer nicht überhören. Die ersten Verfolger folgen mit 10 Sekunden Abstand. Die Zeitmessung erfolgt, ganz modern, über GPS-Sender. Am Ziel in Eglisau steht Nik Vils’ Team mit einer Zeit von 30:53 zuoberst auf dem Podest, vor den Teams aus Luzern und Vevey. Die Elster-Saale-Piraten belegen den achten Platz und werden Dritte in der Kategorie der «Master» – der über 27-Jährigen. Der RC Zürich ist als zwölftes Team durchs Ziel gegangen – in der Master-Kategorie als Fünfter.

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