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Flügel statt Synthesizer

The Beauty of Gemina spielten im Gaswerk ein akustisches Konzert. Die Musik der Band konnte sich in diesem intimen und reduzierten Rahmen gut entfalten, die Songs gewannen sogar an Eindringlichkeit.

Teppiche auf der Bühne, diverse akustische Gitarren, Stühle für die Band und im Zen­trum ein grosser Flügel – so sieht eine Bühne vor einem Rockkonzert nicht unbedingt aus. Ebenso ungewöhnlich präsentierte sich der Saal im Gaswerk, waren doch bis ganz hinten Stühle aufgestellt worden. So war es denn auch ein besonderes Konzert, das geboten wurde: Die Band The Beauty of Gemina spielte im Gaswerk eines ihrer exklusiven Akustikkonzerte.

Das spezielle Arrangement kam im Rahmen der Klavierwochen von Radio Stadtfilter zustande. In dieser Themenwoche fanden zusätzlich zu exklusiven Studioprogrammen in verschiedenen Lokalitäten Klavieranlässe statt. Ein besonderer Leckerbissen im Programm war dieses Jahr das Konzert von The Beauty of Gemina am Samstagabend. Die Wave-Gothic-Band um den Sarganser Michael Sele spielte im Saal des Gaswerks Lieder aus ihren vier Alben unplugged.

Das spannende Experiment vermochte das Gaswerk leider nicht ganz mit Publikum zu füllen. Nichtsdestotrotz fand sich eine stattliche Schar von dunkel gekleideten Fans der Band ein, die sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen wollten. Sie wurden nicht enttäuscht. Das ungewöhnliche Gewand stand der Band gut und schien ihr auch selber zu gefallen. Statt wummernder und sphärischer Synthesizerklänge und Soundeffekten erklangen Pianomelodien und bluesige Gitarrenriffs. Sele war hinter dem Flügel ebenso zu Hause, wie er es hinter einer E-Gitarre ist, und obwohl die Band das ganze Konzert über sass, strahlten sie doch eine gewinnende Bühnenpräsenz aus.

Auch ihre Songs kamen im akustischen Rahmen gut zur Geltung. Sie büssten nicht etwa an Intensität ein, sondern gewannen durch die Reduktion auf die blossen Instrumente an Intimität und Eindringlichkeit. Um trotzdem einen dichten Sound zu erreichen, wurde die Band durch eine zusätzliche Gitarre und eine Violine ergänzt. Besonders gefallen hat dabei der unverkrampfte Umgang der Band mit ihren Songs unter den ungewohnten Umständen. Sie spielten mit dem Charakter ihrer Songs und versuchten nicht, angestrengt dem elektronischen Original nahezukommen. So liessen sie das düstere und wuchtige «Rumours» fein und fast zögerlich anklingen und boten von anderen Stücken eine, wie Sele selber ankündigte, «Gothic-Swinging-Texas-blues»-Version.

Facettenreich und kraftvoll

Beauty of Gemina bewiesen am Samstag im Gaswerk, dass sie zu Recht zu den Grössen der Schweizer Musikszene gehören. Die Band veröffentlichte vor fünf Jahren ein viel beachtetes Debütalbum, dem bislang drei weitere folgten. Das Trio ist in den Genres New Wave, Rock und Gothic anzusiedeln, wobei sie sich gerne über Stilgrenzen hinwegsetzen und so sphärische Klanglandschaften und eingängige Melodien erschaffen, zu denen Sele mit dunkler, kraftvoller Stimme von regnerischen Traumwelten und düsteren Winternächten erzählt. Die Band kann weit über die Landesgrenzen hinaus auf eine beachtliche Fangemeinde blicken, die ihr Auftritte in ganz Europa beschert.

Immer wieder am eigenen Konzept und der Musik arbeitend, spielten The Beauty of Gemina einzelne Stücke akustisch ein. Das Ergebnis wird im kommenden Jahr auf einem Album veröffentlicht, vorab wurden zwei exklusive Akustikshows gespielt. Am Freitag trat die Band in Mels auf, am Samstag folgte das Konzert im Gaswerk Winterthur. Das Ergebnis überzeugte. The Beauty of Gemina entfalteten eine weitere Facette ihres reichhaltigen Schaffens und boten ein stimmungsvolles und persönliches Konzert.

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