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Flyers: Korrekturen und Versäumnisse

KLOTEN. Seit dem 29. Juni sind die Kloten Flyers nach einer erstaunlichen Rettung in neuen Händen, am 14. September starteten sie unter ganz neuen Voraussetzungen in die Saison. Nicht alles erscheint gelungen.

Wie sind die Kloten Flyers in der ersten «neuen» Saison unterwegs? Nach dem Sichern der Existenz im Sommer kann man eine erste Wertung der «Monate der Praxis» vornehmen. Sportlich sieht die Momentaufnahme nach 30 Spielen mit Rang 6 einigermassen gut aus. Aber die Flyers liegen nur drei Punkte vor einem Playout-Rang. Die letzte Meisterschaftswoche im alten Jahr bringt gleich drei sogenannte «Sechspunktespiele»: am Dienstag den Match in Biel (Nummer 9 der Tabelle), am Freitag das Heimspiel gegen Davos (8), am Samstag die Partie in Rapperswil (10). Diese Begegnungen gehören in die Kategorie «wegweisend».

Die Spieler im Einzelnen und als Mannschaft funktionieren noch immer. Der neue Coach Tomas Tamfal und das Team haben sich noch nicht richtig gefunden, es ist nicht (noch nicht?) das gleiche gemeinsame Feuer wie in früheren Jahren zu spüren. Seit dem 22. November haben die Spieler mit André Rötheli endlich einen Ansprechpartner, der weiss, wovon er spricht, wenn er über Eishockey diskutiert.

Gerade in diesem Bereich sind einige erstaunliche Ankündigungen, Kurswechsel und Korrekturen vorgenommen worden, bis zu Röthelis Ankunft verkündet vom überraschend eingesetzten CEO Wolfgang Schickli, dem Einzigen, der sich im Prinzip zu Klub und Mannschaft äusserte. Am Anfang stand auf dem Eis die Idee, auch in der ersten Linie einen Junior spielen zu lassen, zwei Ausländer nur sollten es sein und viele, viele junge Spieler. Schicklis Vorhaben, bei NLB-Klubs Eishockeyaner zu finden, die gut genug für die NLA und noch frei sind (und daher von andern Klubs noch nicht entdeckt), musste scheitern. Denn diese Kategorie Spieler existierte zu jenem Zeitpunkt gar nicht. Die Junioren-Philosophie wurde dann nach der Konfrontation mit der Realität ad acta gelegt.

Das alles hätte man vor der Saison sehen können, wenn man denn gewollt und auf die Leute gehört hätte, die es wussten, die aber zu gehen hatten. Schon im Frühherbst war klar, dass die Flyers nur über zusätzliche Ausländer an Volumen gewinnen können. Von den Junioren tritt Lukas Frick regelmässig auf, der auch dank klubfremdem Beistand von seinem Arbeitgeber so weit freigestellt wurde, dass er wenigstens zweimal pro Woche an Trainings der ersten Mannschaft teilnehmen kann.

Ob Zufall oder nicht, Fakt ist: Ohne Rötheli mussten die Abgänge von Samuel Walser und Denis Hollenstein hingenommen werden, mit Matthias Bieber wurde immerhin ein Fünfjahresvertrag vereinbart. Seit Röthelis Ankunft sind die Verträge mit Eric Blum (um ein Jahr) und Micki Dupont (bis 2016) verlängert worden.

«People, Power, Passion»?

Dass Leute wie Felix Hollenstein und Sportchef Jürg Schawalder im Sommer ausgebootet wurden, war ein richtiggehender Stimmungskiller. Es hätte ein wahrer «Hype» und ein mächtiges «Wir-Gefühl» nach der Rettung um die Flyers entstehen können, an dem auch die neuen Besitzer hätten teilhaben können. Dieser unerwartete Entscheid ist gefällt – er erschien offenbar nötig, um Quereinsteiger Schickli platzieren zu können – und lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Aber er gehört in eine Bilanz zu den letzten fünfeinhalb Monaten. Auch weil sich «Nachwehen» viel zu lange hinzogen.

Denn neben den Korrekturen gab es auch unverständliche Versäumnisse. Es dauerte zwei Monate, bis Felix Hollenstein eine Einigung erzielen konnte. «Fige» musste sich seine letzten Rechte mit einem Anwalt erstreiten und einige Unwahrheiten korrigieren, die über ihn verbreitet worden waren. Dass der Klub dann die Einigung nicht mit dem Communiqué verbreitete, zu dem Hollenstein sein Einverständnis gegeben hatte, ist ein weiteres unschönes Detail. Anders Eldebrink, der bereits eine Einigung erzielt hatte, musste eine neue ausarbeiten. Es scheint, dass Schickli in Eigenregie Probleme schafft und diese dann nicht lösen kann oder mag. In Zusammenhang mit der jüngeren Vergangenheit reklamieren noch immer Leute ausstehende Zahlungen.

Im Zeitalter von WWW und Internet mutet es höchst seltsam an, dass auf der Homepage der Flyers auch jetzt noch die Philosophie der Vorgänger propagiert wird: «People, Power, Passion» – diesen Slogan hatte der frühere Präsident Jürg Bircher für teures Geld kreieren lassen, damit wird selbst im Stadion noch auf der neuen LED-Anzeige Werbung betrieben. Von den Vorstandsmitgliedern sind Rolf Mosimann und Mirco Baldi auf der Homepage zu sehen, bei den übrigen drei heisst es: «Bild fehlt zurzeit.» Sie wurden im August gewählt.

Natürlich gibt es Wichtigeres und Dinge, die in der Prioritätenliste weiter oben stehen. Sponsorenpflege zum Beispiel. Oder Sitzungen im Verband. In beiden Disziplinen indes hat der CEO kein fleckenfreies Reinheft. Und ob – wie von diversen Seiten berichtet –das Sammeln von Zeitungsartikeln über die eigene Person und das Verteilen dieser Lektüre an die Mitarbeiter als «Leistungsausweis» wirklich eine Sache von grösserer Dringlichkeit sein kann?

Besitzer Philippe Gaydoul hat mit der Ankündigung, schon an der nächsten GV den Vorsitz zu übernehmen, ein Zeichen gesetzt, dass für ihn die Angelegenheit Kloten Flyers eine bedeutende geworden ist. Das dürfte ihn näher an die Organisation heranbringen, er kann aufgrund von eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen Entscheide fällen. Denn noch immer wird man den Eindruck nicht los, den man schon im Sommer hatte: dass er in gewissen Dingen von den falschen Leuten beraten worden ist.

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