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Frage&antwort

Lange galt die Steinberggasse als das Stiefkind der Altstadt: wenig Passten, wenig Laufkundschaft, wenig Alltagsleben ausser für wenige Stunden an Markttagen. Das hat sich in den letzten Jahren auffällig geändert. Vor allem in der warmen Jahreszeit wird die Gasse von einem halben Dutzend Boulevardcafés und ihrer zahlreichen Kundschaft in Beschlag genommen – die Gasse lebt. Gasse? Handelt es sich nicht um einen Platz? Und war­um Steinberg?

Die erste Frage ist einfach zu beantworten: Die Gasse war tatsächlich von Anfang an für Märkte vorgesehen und wurde deshalb entsprechend breit angelegt. Ausserdem floss an dieser Stelle und zwischen den zwei Häuserzeilen der Stadtbach Richtung Neumarkt. Erst Mitte 19. Jahrhundert wurde dieser eingedolt und dessen Bett ausgeebnet. Was den platzähnlichen Charakter der Gasse erklärt.

Schwieriger lässt sich die Frage nach dem Namensursprung an. Das habe mit der Belagerung der Stadt durch die Eidgenossen 1460 zu tun, heisst es in einem Beitrag im «Winterthurer Jahrbuch 1978». Durch die feindlichen Wurfgeschosse seien dauernd Mauerlücken entstanden, sodass die Stadtmauer immer wieder geflickt werden musste. Die dazu nötigen Steine seien damals in grossen Haufen an dieser Stelle bereitgestellt worden. Dar­um Steinberg. Eine etwas abenteuerlich klingende Herleitung, sagt dazu Lokalhistoriker Peter Niederhäuser, der gegenwärtig zusammen mit anderen Autoren die Geschichte der Steinberggasse für das nächste Neujahrsblatt der Stadtbibliothek aufarbeitet. Auch wenn er bisher auf keine eindeutigen Protokolleinträge gestossen ist, vermutet er, dass die Strassenbezeichnung vielmehr vom Hausnamen «Zum Steinberg» abzuleiten sei, gibt es dort doch gleich drei Häuser, die diese in Altstädten häufig anzutreffende Bezeichnung tragen: Der obere Steinberg an der Steinberggasse 29, der mittlere (37) und der untere (39).

Eine Steinberggasse gibt es übrigens erst seit etwas mehr als hundert Jahren. Früher hiess sie ganz prosaisch «Hintergasse». Was Ende des 19. Jahrhunderts vor allem die dortigen Gewerbler und Händler ärgerte. Niemand lässt sich schliesslich gerne als «Hintergässler» titulieren. Viermal wurden diese zwischen 1893 und 1903 wegen des in ihren Augen despektierlichen und kreditschädigenden Strassennamens beim Stadtrat vorstellig. Als Alternative schlugen sie Varianten mit den Namen verdienter Winterthurer vor, deren Geburtshäuser an der Gasse stehen. So «Jonas-Furrer-Strasse», nach dem ersten Bundespräsidenten, oder «Johannes-Randegger-Strasse» nach dem bekannten Winterthurer Kartografen. Allein, die Stadtregierung hatte kein Musikgehör. Die Bezeichnung «Hintergasse» gelte seit dem Mittelalter, hiess es, und müsse nur schon aus Traditionsgründen beibehalten werden. Erst beim vierten Anlauf – und das nur nach Anrufung des Bezirksrats – war den Hintergässlern endlich Erfolg beschieden. Als Kompromissvorschlag standen die Namen «Freie Gasse» und eben «Steinberggasse» zur Diskussion. Mit Letzterem konnten sich schliesslich alle einverstanden erklären. (jpg)

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