Zum Hauptinhalt springen

Frau Müller lässt sich nicht abservieren, auch wenn Anke Engelke es will

«Es braucht weitere 25 Jahre, bis der Gegensatz zwischen Ost und West verschwunden ist», sagt Sönke Wortmann. Ein Gespräch über seinen Film «Frau Müller muss weg!».

«Frau Müller muss weg!» basiert auf dem Theaterstück von Lutz Hübner. Sie haben das Stück 2010 in Berlin auf die Bühne gebracht. Was hat Sie daran gereizt, nun auch noch einen Film zu schaffen?

Sönke Wortmann: Die Arbeit mit dem Grips-Theater war eine Auftragsarbeit. Ich hatte ja in der Vergangenheit schon mehrfach auch fürs Theater gearbeitet und ich hatte nach dem grossen Filmprojekt «Die Päpstin» Lust, wieder einmal etwas anderes zu machen. Meine Begeisterung war gross, und ich fand das Thema des Stückes so wichtig, dass in mir schnell der Entschluss reifte, den Stoff auch noch zu verfilmen.

Worin liegt der grösste Unterschied zwischen dem Bühnenstück und dem Film?

Was Inhalt und auch den grössten Teil der Dialoge betrifft, gibt es kaum Unterschiede. Der Film aber hat den Vorteil, dass wir hier problemlos das Klassenzimmer verlassen und einen grösseren Raum erschliessen konnten. So findet ein Teil des Geschehens im Film ja auch mal in der Turnhalle oder im Hallenbad statt, das macht die Sache lockerer. Ich habe allgemein eher Mühe mit Filmen, die reine Kammerspiele sind.

Von den sechs Figuren sind drei Ossis und drei Wessis. Ist dieser Gegensatz heute, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung, tatsächlich noch so virulent?

O ja. Das braucht noch ein weiteres Vierteljahrhundert, bis das alles überwunden ist. Ein Beispiel ist die Regierungsbildung im Bundesland Thüringen. Die Tatsache, dass dort erstmals ein Chef der Partei Die Linke das Ruder übernahm – einer Partei, die Wurzeln in der DDR hat –, förderte alte Ressentiments zutage, die ich völlig überzogen fand. Ich engagiere mich ja für die Grünen – aber die Wahlen in Thüringen waren demokratisch, und jetzt soll man diese Regierung doch einfach mal machen lassen und schauen, was sie zustande bringt.

Von den sechs Hauptfiguren stammt nur Gabriela Maria Schmeide, die Darstellerin der Frau Müller, aus der DDR. Ist das ein Problem?

Nein, wir haben beim Casting keinen Moment lang dar­auf geachtet, wer ist Ossi und wer ist Wessi. Und es wird doch niemand ernsthaft bezweifeln, dass ein Schauspieler wie Justus von Dohnányi glaubwürdig einen arbeitslosen Ossi spielen kann, der voller Ressentiments gegen zugezogene Wessis ist. Ein Mann wie er kann doch einfach alles spielen.

Anke Engelke ist die grosse Überraschung. In ihrer Rolle als aus dem Westen zugezogene Karrierefrau und knallharte Elternratssprecherin wächst sie über sich hinaus.

Ich bin seit Langem ein grosser Fan von ihren Comedyprogrammen. Ich hoffe natürlich, dass man sie in Zukunft mehr im Kino in grossen Charakterrollen sehen wird, so wie hier. Vielleicht hat «Frau Müller muss weg!» für Anke Engelke als Schauspielerin in Kinofilmen ja nun einen ähnlichen Effekt wie damals vor 20 Jahren «Der bewegte Mann» für Til Schweiger – den man davor auch kaum als Schauspieler von Kinofilmen gekannt hatte.

Seit dieser filmischen Adaptation von Ralf Königs Comic gelten Sie als «Bestsellerverfilmer» – so haben Sie Donna Woolfolk Cross’ gleichnamigen Roman «Die Päpstin» oder kürzlich «Schossgebete» von Charlotte Roche auf die Leinwand gebracht. Bleiben Sie auch in Zukunft bei den Bestsellern?

«Das Wunder von Bern» gehört zu meinen erfolgreichsten Filmen, das Drehbuch war von mir. Was «Schossgebete» betrifft, so war Charlotte Roches Buch zwar sehr erfolgreich, der Film hat aber unsere Erwartungen bezüglich Publikumserfolg nicht erfüllt. Ich hatte jenen Film letztes Jahr fast gleichzeitig mit «Frau Müller muss weg!» realisiert, was ziemlich an meine Kräfte ging. Deshalb werde ich im laufenden Jahr jetzt vor allem erst mal ausspannen, und ich habe vorläufig auch noch keine weiteren Projekte. Interview: Geri Krebs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch