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Freudvolles Experimentieren mit Verfremdungen

Licht, Farbe und etwas Magie zeichnen die märchenhaften Madonnenbilder der Schweizer Künstlerin Annelies Štrba in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich aus.

Bereits in frühester Kindheit in den Bann der Muttergottesdarstellungen gezogen, blieb die Faszination für das Thema ihr ständiger Begleiter. Für Annelies Štrba, 1949 in Zug geboren, ist Maria Urbild aller Frauen und Mütter, Symbol für das Weibliche schlechthin; sie ist Ikone im wahrsten Sinne des Wortes, wie die Graphische Sammlung der ETH Zürich zu Annelies Štrbas Ausstellung «Madonna» schreibt.

In den beiden präsentierten Bildserien – die eine auf Leinwand, die andere auf Papier gedruckt – spiegelt sich Štrbas Auseinandersetzung mit einem der ältesten, christlichen Themenkreise in kon­zen­trier­ter Form wider. Seit Jahren fotografiert die Künstlerin Mariendarstellungen in Kirchen und Kapellen, um sie danach einer kunstvollen Verwandlung zu unterziehen. Sie bricht dabei mit Sehgewohnheiten und spielt, einer Magierin gleich, mit der Wahrnehmung des Betrachters. Dabei bedient sich Štrba des Computers als unentbehrliches Zauberwerkzeug bei der Erschaffung ihrer «Lichtmalereien». Štrbas Arbeiten sind das Ergebnis eines freudvollen Experimentierens mit Verfremdungen, Verzerrungen und dem Vordringen in ungewöhnliche, neuartige Farbwelten.

Zeitgenössischer Blick

Madonnen Alter Meister aus dem Bestand der Graphischen Sammlung bereichern die Ausstellung: In Martin Schongauers Maria mit Kind im Innenhof (ca. 1470–1482) ist Jesus sanft in den Schoss seiner Mutter gebettet und das Göttliche unmittelbar durch die Heiligenscheine erkennbar. In Lucas van Leydens Maria mit Kind, unter einem Baum sitzend (1514), verzichtet der Künstler auf jegliche Heiligenattribute. Israel van Meckenem schildert Maria schliesslich als Madonna auf der Mondsichel (1502), die in der Apokalypse des Johannes siegreich aus dem Kampf gegen das Böse hervorgeht. In prunkvolle Gewänder gehüllt wird sie von Engeln zur Himmelskönigin gekrönt.

Die Ausstellung vereinigt die Vielfalt historischer Mariendarstellungen mit Annelies Štrbas zeitgenössischem Blick auf eine beinahe zwei Jahrtausende alte christliche Bildtradition. Mittels moderner, technischer Hilfsmittel gelingt es der Künstlerin, die Madonnen gleichsam in die Gegenwart zu holen. Obschon Štrbas Marienbilder losgelöst von ihrem eigentlichen religiösen Kontext erscheinen, büssen sie nichts von ihrer transzendenten Aura ein. Im Gegenteil: Durch die Verwandlung wird diese nicht verleugnet, sondern in neuer, aussergewöhnlicher Weise sichtbar gemacht. red

Annelies Štrba: Madonna. Graphische Sammlung der ETH Zürich, bis 19. Oktober. Dazu erscheint eine reich bebilderte Publikation mit einem Essay von Ilma Rakusa, der Katalog kostet 36 Franken.

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