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Friedrich Hebbels Psychogramme der Moderne

Einst haben ihn Franz Kafka, Gottfried Benn und Hugo von Hofmannsthal geschätzt. Doch 150 Jahre nach seinem Tod ist Friedrich Hebbel beinahe vergessen. Das soll sich ändern.

Der Dramatiker Friedrich Hebbel war ein scharfsinniger Beobachter und zu Lebzeiten nicht bei allen beliebt. «Vor allem war er Individualist, das passte nicht jedem», sagt Monika Ritzer, Präsidentin der Hebbel-Gesellschaft und Literaturwissenschafterin an der Universität Leipzig. Sie ist überzeugt, dass Friedrich Hebbel, geboren am 18. März 1813 im damals dänischen Schleswig-Holstein und in Wien gestorben am 13. Dezember 1863, als Dichter und Schriftsteller viele aktuelle Themen durchdacht hat. So habe er Profilierungssucht als tragisches Problem erkannt, sagt Ritzer, die gerade an einer Hebbel-Biografie arbeitet.

Epochemachende Tagebücher

Früh begann Hebbel Tagebuch zu führen. Die Tagebücher gelten als bedeutendes sozialgeschichtliches Dokument und Zeugnis radikaler Selbsterforschung. «Franz Kafka ist mit Hebbels Tagebüchern unterm Kopfkissen eingeschlafen», sagt Ritzer. Etwa ein Dutzend Bühnenstücke hat Hebbel verfasst, Erzählungen und viele Gedichte hinterlassen. Im Trauerspiel «Maria Magdalena» von 1843 geht es um die dramatischen Folgen einer ungewollten Schwangerschaft. Doch Hebbel frage nicht nur nach den Konsequenzen der Sittenstrenge, sondern auch, welche wichtige Rolle diese Normen spielten, sagt Ritzer. In «Judith» stehe der moderne «Macho» in Gestalt des später geköpften Holofernes auf der Bühne. Sein heute noch meistgespieltes Stück sind die «Nibelungen».

Seine Bildung verdankte der junge Hebbel dem Eigenstudium und Gönnern, die sein Talent erkannten. Seine Kindheit und Jugend im Norden waren von äusserster Armut geprägt. Eine gesicherte Existenz fand er erst, als er in Wien 1846 die Burgschauspielerin Christine Enghaus heiratete. In der von ihm geliebten Hauptstadt der Habsburger Monarchie fasste er aber beruflich nicht wirklich Fuss. Das Burgtheater war, abgesehen von der Zeit der Revolution 1848, keine Bühne für seine Stücke. Ein persönlicher Zwist mit dem Direktor, der seine Stücke verbannte, habe ihm sehr geschadet. «Was am Burgtheater gespielt wurde, wurde überall nachgespielt», sagt Ritzer. Insofern spricht alles für eine Neuentdeckung: Auf dem Spielplan der «Burg» steht für Februar 2014 «Maria Magdalena» in der Regie von Michael Thalheimer.

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