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Frisch, aber nicht sehr munter

Hyundai legt das Erfolgsmodell i20 neu auf. Der Kleinwagen kommt adrett, hochwertig und modern daher – nur antriebsseitig hinkt der Koreaner der Konkurrenz vorerst noch etwas hinterher.

Hübsch sieht er aus. In der braunen Lackierung, in der unser Testfahrzeug vor uns steht, wird er zwar etwas unter Wert geschlagen; doch der weisse i20 daneben schafft es, sämtliche Vorzüge des neuen Hyundai ins rechte Licht zu rücken. Die herausfordernd blickenden Scheinwerfer mit LED-Signatur. Die schmucken Dreifach-Rückleuchten. Die schwarzen Flächen in den C-Säulen, die das Heckfenster optisch verbreitern. Die nach hinten abfallende Dachlinie, die dem Fahrzeug Dynamik und Präsenz verleiht. Gestalterisch hat der koreanische Hersteller keinerlei Defizite mehr, im Gegenteil: Das Design ist inzwischen Kaufgrund Nummer 1 für Hyundai-Kunden – das war nicht immer so. Der neue i20 ist entsprechend stilbewusst, wirkt dabei aber eher brav. Doch nicht jeder muss auf frech und peppig machen, wie es derzeit Trend im Kleinwagensegment ist. Auch qualitativ sind die Fahrzeuge aus Korea heute ein sicherer Wert, nicht umsonst gewährt Hyundai eine Fünfjahresgarantie ohne Kilometerbeschränkung. Das zweifarbige Interieur wirkt denn auch solide verarbeitet, die Materialien sind haptisch angenehm und für diese Fahrzeugklasse ausgesprochen hochwertig. Der neue i20 ist 40 mm länger und 24 mm breiter als der Vorgänger, entsprechend gut sind die Platzverhältnisse. Das Kofferraumvolumen wuchs von 295 auf 326 Liter, maximal finden 1042 Liter Platz – ein toller Wert für dieses Segment. Die Ausstattung ist ebenfalls auf dem Stand der Zeit: Ein Spurhalteassistent, Parksensoren vorn und hinten, eine Rückfahrkamera, Sitz- und sogar Lenkradheizung, Kurvenlicht mit automatischer Scheinwerfer-Enteisung – das kann sich sehen lassen. Für das Infotainmentsystem stehen zwei Varianten zur Wahl: Entweder entscheidet sich der Kunde für ein integriertes Gerät, oder er wählt die günstige Handyhalterung. Die Navigation läuft dann über eine App, die Sprachanweisung wird – wie auch die Musik – via Bluetooth übertragen. Nicht auf dem neuesten Stand der Technik sind hingegen die zur Lancierung angebotenen Antriebsstränge. Auf den neuen, direkt einspritzenden, turbogeladenen Ein-Liter-Drei­zylinder mit 100 oder 120 PS lässt Hyundai die Kunden nämlich noch bis Sommer 2015 warten. Hinter vorgehaltener Hand verriet uns Produktechef Christian Löer, dass der Hersteller schlicht noch nicht so weit sei, um die neue Motorengeneration auf den Markt zu bringen – zu riskant sei es, die technisch anfälligen Downsizing-Motoren schon jetzt zu verbauen, auch wegen der Fünfjahresgarantie; also wurde zur Sicherheit ein weiterer Testzyklus angehängt. Für Kunden, die einen Benziner wollen, dürfte sich das Warten auf den neuen Turbomotor allerdings lohnen. Denn der derzeitige Topbenziner, ein 1,4-Liter-Sauger, reicht zwar aus, um im Verkehr mitzuschwimmen – Fahrspass kam auf den ersten Ausfahrten damit aber nie auf. Die 100 PS und das maximale Drehmoment von 134 Nm reichen einfach nicht aus, um flott vorwärtszukommen – da hilft auch das angenehm zu schaltende Sechs­gang­getriebe nicht weiter. Und weil das Gaspedal somit gern durchgedrückt wird, steigt der Verbrauch; ein Stopp-Start-System sucht man vergebens, das gibt es vorerst nur für den 1,2-Liter-Benziner (84 PS). Als Automatik­getriebe wird, ausschliesslich für den grossen Benziner, ein Vierstufenwandler angeboten – das ist geradezu antiquiert. Ein Vergleich: Konkurrent VW hat soeben den Bau eines Zehn-Gang-Doppelkupplungsgetriebes bekannt gegeben. Da der Einstiegsbenziner mit 84 PS in der Schweiz kaum eine Rolle spielen wird und auf die Variante mit 75 PS sowie auf den 1,1-Liter-Diesel hierzulande ganz verzichtet wird, sollten die Kunden den 1,4-Liter-Diesel in Betracht ziehen. Dieser Selbstzünder mit 90 PS und 240 Nm läuft kultiviert, ist kraftvoll und mit einem Verbrauch ab 3,7 Liter pro 100 Kilometer auch sehr sparsam. Die ersten Testfahrten im Süden Spaniens hinterliessen somit einen zwiespältigen Eindruck. Der neue i20 ist zweifelsfrei ein gelungenes Fahrzeug, das gut aussieht, toll ausgestattet ist und dank gewachsenem Radstand viel Platz bietet; auch das Fahrverhalten haben wir als tadellos empfunden. Getrübt wird die Freude durch die veraltete Motorenpalette – es ist schade, dass Hyundai für eine komplett neue Modellgeneration noch kein besseres Antriebsangebot bieten kann. Auf den Markt kommt der neue i20 grundsätzlich ab Mitte Dezember, doch hierzulande wird er erst nach dem Genfer Salon im Frühling 2015 bei den Händlern stehen – offiziell, weil man jetzt im Winter kein neues Fahrzeug lancieren möchte, vielleicht will Hyundai Schweiz aber auch den zeitlichen Abstand zum neuen Turbomotor verkürzen. Die Schweizer Preise werden ebenfalls erst im März bekannt gegeben; die neue Generation wird gemäss Hyundai Schweiz nur moderat teurer sein als der Vorgänger.

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