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Fröhliche Männerwirtschaft

Drei Generationen unter einem Dach: Grossvater Karl, Vater Harald und Sohn Philipp haben sich in ihrer Männerwirtschaft gemütlich eingerichtet. Frauen haben da keinen Zutritt, respektive fast keinen.

«Männer nehmen in den Arm, Männer geben Geborgenheit», singt Grönemeyer zu Beginn des Stückes im Sommertheater. Ergänzen müsste man: Männer spielen Skat. Und sie offenbaren dabei ihre Charakterzüge. Opa Karl (Winfried Lünemann) will schummeln, Enkel Philipp (Nick Robin Dietrich) lässt sich nicht zum Komplizen machen und sein Vater Harald (Wolff von Lindenau) durchschaut selbst aus der Ferne noch die Tricks: Er ist in der Küche und kümmert sich um die Lammkeule mit Knoblauch. Das bringt Opa in Verlegenheit, denn er hat am späteren Abend noch ein Date. Womit auch ein wunder Punkt der Männer-WG getroffen ist: Frauen? Kommen nicht ins Haus!

«Zerwürfnis, Zerstörung, Zerrüttung, das ist es, wohin die Frauen uns treiben!», skandiert Harald und fordert die anderen zu Macho-Solidarität auf. (Die allerdings nicht gerade enthusiastisch ausfällt.)Zugleich ist die Zeit reif für ein längst fälliges Geständnis: Sohn Philipp ist gar nicht Haralds leiblicher Sohn, sondern das Resultat eines Fehltritts seiner Ex-Frau. Und als dieser zweifelt, holt Opa den verbalen Zweihänder hervor: «Du siehst gut aus, bist intelligent und charmant – Harald kann gar nicht dein Vater sein!» So erfährt Philipp auch, dass seine Mutter nicht bei einem Unfall ums Leben kam: Sie lebt. Und schlimmer noch: Sie lebt in Frauenfeld …

Es klingelt. Petra? Andrea? Annegret? lauten die bangen Fragen. Doch weit gefehlt: Es ist Cecilia (Juliane Trimper), die neue Mieterin vom oberen Stock, die da in die Szene platzt (Bühnenbild: Peter Rieder). Sie trägt Latzhosen (Kostüme: Verena Rüegg), isst vegetarisch und hält sich eine ganze Menagerie, inklusive Hausschwein «Schleumel», das auf dem Balkon lebt.Sofort spaltet sie die Männergruppe in zwei Lager: Während die einen bereits ihrem Charme und ihren Reizen zu erliegen beginnen, wittern andere Ungemach: «Schade, dass so ein süsser Knackarsch so eine Vollmeise hat», resümiert Opa.

Und prompt stehen im nächsten Akt bereits diverse Volièren und Käfige in der Männerwohnung: Weil die Hausordnung Tiere nicht erlaubt, hat sie ihre Menagerie hier «nur mal kurz parkiert». Und noch mehr Nachbarschaftshilfe ist gefragt: Sie will von Harald wissen, wie man vorgehen soll, «wenn einem ein Nachbar sehr gefällt». Während sie Philipp meint, bezieht Harald dies auf sich …

«Optimiertes» Tête-à-Tête

Es kommt, wie es kommen musste: Harald lädt die Nachbarin zum romantischen Dinner ein, natürlich vegetarisch. Er empfängt im Smoking, sie kommt im kleinen Schwarzen – die Szene (Regie: Philippe Roussel) ist eine erneute Steilvorlage für mimische Spitzenleistungen und eine Herausforderung für die Lachmuskulatur. Nicht nur, weil Opa und Filius im Hintergrund die Strippen ziehen und Harald mit ihren «kleinen Optimierungen» an den Rand des Wahnsinn treiben. Sondern auch, weil die beiden den poetischen Moment, in dem «Hund und Katze aus einem Napf trinken», aus ihrem Versteck kommentieren und das Tête-à-Tête in einem Desaster enden lassen.

Danach hängt der Haussegen natürlich ziemlich schief. Philipp und Opa wollen ausziehen, die Macho-WG ist am Rumpf. Doch schliesslich raufen sich die Männer zusammen und versöhnen sich. Und weil Harald sich bei Cecilia für den verpatzten Abend entschuldigen will, aber nicht so recht weiss, wie er das anstellen soll, wird die Szene geprobt: Opa stellt Cecilia dar, Philipp führt Regie und Harald läuft zur Hochform auf. Ein weiterer Höhepunkt des Abends, vor allem weil Cecilia mitten in die Szene platzt. Schliesslich hat sie – typisch Frau – aber die pragmatische Lösung für das Problem. Und zähmt damit schlussendlich die drei wilden Machos.

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